CREtech erfordert das Bewusstsein für neue und innovative Technologien Bild: Pinkypills

Bisher gibt es keinen Konsens über die Definition von CREtech (Commercial Real Estate Technology), oftmals wird der Begriff einfach als Synonym zu PropTech verwendet. Das führt dazu, dass Immobilienunternehmen nicht wirklich etwas an der Hand haben, um diese neue Technologie im wachsenden Wettbewerb umzusetzen. Viktor Weber erklärt im siebten Teil unserer Serie Real Estate Innovation Glossar, was an CREtech anders ist.

Die amerikanischen beziehungsweise britischen Begriffe CREtech und REtech werden oftmals als Synonyme zu PropTech angewandt (N.A., 2016, „What is PropTech? – A brief history“, German PropTech Initative).

Was ist nun CREtech?

Doch was ist nun CREtech? Ich werde versuchen, aus der Vielzahl teilweise verwirrender Definitionen eine sinnvolle Differenzierung von CREtech zu ProTech zu finden.

Während der Begriff PropTech als Startup im immobilienwirtschaftlichen Gefüge mit einer Lösung technologischer Natur definiert wurde, könnte man CREtech wie folgt abgrenzen:

„CREtech (Commercial Real Estate Technology) beschreibt technologische Lösungen im kommerziell-betrieblichen immobilienwirtschaftlichen Gefüge.“

(Viktor Weber – Future Real Estate Institute)

Man könnte also argumentieren, dass der Begriff PropTech mehr für junge Unternehmen mit technologischen Lösungen steht, also für Startups, während CREtech nicht im Kontext des unternehmerischen Entwicklungsstadiums gesehen wird.

PropTechs entwickeln sich vielleicht zu kleinen oder mittelgroßen Unternehmen (SMEs) oder großen Corporates, während CREtech auch von etablierten Firmen oder Startups entwickelt werden kann. Darüber hinaus differenziert der Begriff PropTech nicht zwischen Technologien für Commercial und Residential Real Estate, wohingegen der Fokus bei CREtech intrinsisch, also von innen heraus bestimmt ist.

Aus meiner Sicht bedarf es nicht einer Vielzahl von nuanciert unterschiedlichen Definitionen, da sie wenig über die technischen Qualitäten der eigentlichen Lösungen aussagen. Viel mehr dienen diese Begriffe dem Marketing.

CREtech: Was passiert in der Praxis?

Ein Kernbereich von CREtech ist die Nutzung von Daten, die bisher von der Immobilienwirtschaft aber eher generiert als genutzt wurden. In den vergangenen zwei Jahren wurden mehr Daten erzeugt, als in der gesamten Menschheitsgeschichte. Und doch analysieren wir allgemein lediglich 0,5 Prozent dieser Daten (Bansal, 2015, "Big Data: Creating the Power to Move Heaven and Earth", MIT Technology Review). Und wir müssen davon ausgehen, dass in der Immobilienwirtschaft Daten sogar unterdurchschnittlich genutzt werden. Das sind verpasste Chancen, Daten wären ein immenses Geschäftspotenzial für den Bereich CREtech.

Es gibt auch Lösungen, die sich auf die Unterstützung des Marketings, der Konzeption von Immobilien oder der Vereinfachung des Transaktionsprozesses kümmern (Rethink, 2016, "9 Must-Know CRE Tech Players in 2017", REthinkCRE). Ferner rücken immer mehr Technologien wie Künstliche Intelligenz, Robotik, Blockchain und Virtual Reality in den Fokus innovativer Unternehmen (Young, 2016, CRETech 2016: "An Interesting Year – What to Expect in 2017", Realcomm).

Was sagt die Forschung zu CREtech?

Leider hüllt sich die Forschung in Schweigen. Noch gibt es keine Paper oder akademischen Bücher zu diesem Thema. Das kann zweierlei ausgelegt werden:

Entweder ist die definitorische Abgrenzung aus akademischer Sicht nicht notwendig oder die Forschung an der Schnittstelle von Technologie und Immobilienwirtschaft nicht ausreichend.

Gerade wenn es um die Erforschung von Themen wie „Erfolgsfaktoren bei Smart City Konzepten“ oder „Automatisierte Immobilienbewertung durch Machine Learning“ geht, muss noch viel Grundlagenarbeit erfolgen, die in anderen Industrie- und Forschungszweigen bereits vor Jahren erfolgte.

Nichtsdestotrotz gibt es spannende Arbeiten, die die Implikationen von Technologien auf die Immobilienwirtschaft untersucht haben, wie zum Beispiel die Arbeiten von Dixon (2005) zum Thema Informationstechnologien oder den Auswirkungen von Datenaggregation – sowie die Analysen von Bean und Guttery (1997), die bereits in den 90er Jahren die Relevanz von Technologie erkannten (Dixon, 2005, „The impact of information and communications technology on commercial real estate in the new economy“, Journal of Property Investment & Finance, 23 (6), S. 480 ff; Bean / Guttery, 1997, „The Coming Downsizing of Real Estate: Implications of Technolgy, Journal of Real Estate Portfolio Management, 3 (1), S. 1 ff).

Schlussendlich muss die Immobilienwirtschaft den technologischen Tatsachen ins Auge beziehungsweise den Prozessor / Sensor schauen und sich auf breiter Ebene mit den Implikationen neuer Technologien beschäftigen. Der Anfang ist getan, jedoch ist das Potenzial noch bei Weitem nicht ausgeschöpft.

 

Mehr zum Thema:

Real Estate Innovation Glossar – Einleitung: Begriffe, die die Zukunft prägen werden

Real Estate Innovation Glossar – Teil 1: Was ist Innovation?

Real Estate Innovation Glossar – Teil 2: Wie funktioniert Innovationsmanagement?

Real Estate Innovation Glossar – Teil 3: Was verbirgt sich hinter dem Begriff "Digitalisierung"?

Real Estate Innovation Glossar – Teil 4: Was beim Digital Marketing zu beachten ist

Real Estate Innovation Glossar – Teil 5: Smart Home: Willkommen in der Zukunft

Real Estate Innovation Glossar – Teil 6: Smart City – die vernetzte Stadt

Schlagworte zum Thema:  PropTech, Innovation

Aktuell
Meistgelesen