Nicht alle Systeme, die sich smart nennen, sind es auch. Wie verhält es sich mit "Smart Metering"? Das Thema ist relevanter denn je: Ab 2020 werden die entsprechenden Geräte in allen Haushalten Pflicht werden. Umgesetzt sein muss die Regelungen aber erst 2032. Welche Vor- und Nachteile die Systeme haben und wann ihr Einsatz sich lohnt, beantwortet unser Experte Viktor Weber im 16. Teil der Serie Real Estate Innovation Glossar.

Der Begriff "Smart" wurde bereits im Kontext von Smart Cities analysiert und es wurde konstatiert, dass ein System nur dann wirklich intelligent ist, wenn es sich dynamisch entwickelt beziehungsweise lernt (Weber, V., 2017, "Smart City  - Die vernetzte Stadt", Immobilienwirtschaft). Nicht alle Systeme, die sich smart nennen, sind es auch.

Aus diesem Grund lohnt sich die Betrachtung von Smart Metering, das bereits seit einigen Jahren in Praxis und Forschung getestet wird (Liotta, A.; Geelen, D.; van Kempen, G. & van Hoogstraten, F., 2012, "A survey on networks for smart‐metering systems", International Journal of Pervasive Computing and Communications, 8 (1), S. 23 ff).

Bereits heute müssen Haushalte mit einem jährlichen Stromverbrauch von 10.000 Kilowatt ein entsprechendes Gerät installieren. Und ab 2020 wird diese Regelung alle Haushalte betreffen, wobei die Umsetzung erst bis spätestens 2032 erfolgt sein muss (N.A., 2016, "Erste Strom-Kunden müssen den Einbau von Smart-Meter-Geräten zahlen", Verbraucherzentrale).

Was ist ein Smart Meter?

Hinsichtlich des Smart Metering sind die Definitionen sehr ähnlich. In manchen Erklärungen wird nochmals zwischen der Messeinheit und dem Daten übertragenden Gateway unterschieden, die in Kombination ein Smart Meter ergeben. Ich habe mich, da es einfacher ist, für folgende Definition entschieden:

"Smart Metering ist das computergestützte Messen, Ermitteln und Steuern von Energieverbrauch und -zufuhr. Dabei sind Unternehmen und Privathaushalte gleichermaßen relevant. Smart Meter sind intelligente, vernetzte Zähler für Ressourcen und Energien wie Wasser, Gas oder Strom. Als Stromzähler sind sie Teil des Smart Grid, des intelligenten Stromnetzes."

– Bendel, O, (N.D.), "Smart Metering", Gabler Wirtschaftslexikon) –

Im Vereinigten Königreich wurde ein ähnlicher Plan der Umsetzung wie in Deutschland beschlossen, wobei die Umsetzung dort bereits weiter fortgeschritten ist. Deshalb macht es Sinn, einen vergleichenden Blick über den Ärmelkanal zu werfen (Brignal, M., 2016, "Smart meters: an energy-saving revolution or just plain dumb?", The Guardian).

Vor- und Nachteile – eine Diskussion

Da es letztlich um die Verarbeitung personenbezogener Daten geht und IoT-Infrastruktur grundsätzlich mit Sicherheitslücken aufgrund veralteter Hardware zu kämpfen hat, ist Datensicherheit ein Risiko (Abbasinezhad-Mood, D. & Nikooghadam, M., 2017, "An Ultra-Lightweight and Secure Scheme for Communications of Smart Meters and Neighborhood Gateways by Utilization of an ARM Cortex-M Microcontroller", IEEE Transactions on Smart Grid, 89, S. 1 ff). Ein Lösungsansatz, um die Sicherheit zu erhöhen und Systemkomplexität zu verringern, nutzt unter anderem die Formale Verifikation, sodass es wahrscheinlich ist, dass Smart-Metering-Systeme in Zukunft Sicherheitsprobleme überwinden können werden (ibid). 

Zum einen liegt der Vorteil darin, dass Haushalte in der Theorie durch das Echtzeitmonitoring einen Anreiz verspüren, den Energieverbrauch zu minimieren, was nicht nur das eigene Budget, sondern auch die Umwelt schont (Brignal, M., 2016, "Smart meters: an energy-saving revolution or just plain dumb?", The Guardian).

Problematisch ist jedoch, dass diverse Analysen im Vereinigten Königreich gezeigt haben, dass die Haushalte durch Smart Metering zwar zirka zwei bis drei Prozent pro Jahr an Energie einsparten, was zu dem Zeitpunkt etwa 30 Britische Pfund waren, dass aber die Relation zu mindestens 200 Pfund Anschaffungskosten unwirtschaftlich ist (ibid). Ferner sind viele Lösungen noch insular aufgesetzt, sodass die Daten von unterschiedlichen Anbietern nicht ausgelesen oder verarbeitet werden können.

Auf Makroebene, gerade wenn sich die Kosten auf Haushalte umwälzen lassen, besteht die Möglichkeit, Konsumptionsmuster zu erkennen, die es erlauben, vorausschauend die Energieproduktion zu planen oder zu bestimmten Stoßzeiten Preise entsprechend teurer zu machen, um so eine Überbelastung zu vermeiden (Singh, M.; Agarwal, P. & Padmanabh, K., 2016, "Load forecasting at distribution transformer using IoT based smart meter data from 6000 Irish homes", 2016 2nd International Conference on  Contemporary Computing and Informatics (IC3I), S. 758 ff).

Fazit

Smart Metering ist eine sinnvolle Idee. Allerdings sollte zuvor die Sicherheit eines vernetzten Systems gewährleistet werden. Auch müssen Standards eingeführt werden, damit Nutzer bei einem möglichen Anbieterwechsel nahtlos ihre Daten übertragen können und es keine Systembrüche gibt. Ferner sollten die Daten im Eigentum der Verbraucher bleiben.

Alle weiteren Teile der Serie finden Sie hier:

Real Estate Innovation Glossar – Einleitung: Begriffe, die die Zukunft der Immobilienwirtschaft prägen werden

Real Estate Innovation Glossar – Teil 1: Was ist Innovation?

Real Estate Innovation Glossar - Teil 2: Wie funktioniert Innovationsmanagement in der Immobilienwirtschaft?

Real Estate Innovation Glossar - Teil 3: Was verbirgt sich hinter dem Begriff "Digitalisierung" wirklich?

Real Estate Innovation Glossar - Teil 4: Was beim Digital Marketing zu beachten ist

Real Estate Innovation Glossar - Teil 5: Smart Home – Willkommen in der Zukunft

Real Estate Innovation Glossar - Teil 6: Smart City – die vernetzte Stadt

Real Estate Innovation Glossar - Teil 7: Was ist CREtech?

Real Estate Innovation Glossar -Teil 8: Building Information Modelling in der Praxis

Real Estate Innovation Glossar - Teil 9: Einsatzbereiche von Augmented Reality in der Immobilienbranche

Real Estate Innovation Glossar - Teil 10: Virtual Reality​​​​​​​

Real Estate Innovation Glossar - Teil 12: Robotik – nicht nur in der Bauwirtschaft

Real Estate Innovation Glossar - Teil 13: Kryptowährungen – mehr als nur Bitcoins

Real Estate Innovation Glossar - Teil 14: Welches Potenzial haben Smart Contracts?

Real Estate Innovation Glossar - Teil 15: Bewohnbare Häuser aus dem 3D-Druck sind nur der Anfang

Real Estate Innovation Glossar - Teil 17: Cloud Computing im Fokus der Immobilienfirmen

Real Estate Innovation Glossar - Teil 18: Internet of Things – eine kritische Betrachtung

Schlagworte zum Thema:  Smart Home, Digitalisierung, Innovation