20 Milliarden vernetzte Geräte sollen im Jahr 2020 online sein. Für die Immobilienbranche kann das "Internet of Things" eine Vielzahl neuer Geschäftsmodelle ermöglichen oder für prozessuale Effizienzsteigerungen sorgen. Im 18. und letzten Teil unserer Serie Real Estate Innovation Glossar zeichnet unser Experte Viktor Weber ein umfassendes Bild über die Vor- und Nachteile des Internets der Dinge, das im Grunde auch ein "Internet of Complexity" ist.

Ob es im Jahr 2020 tatsächlich 20 Milliarden vernetzte Geräte sein werden, oder ob diese Prognose deshalb medial herangezogen wird, weil vielleicht die Kombination 20-20-20 eingängiger ist als eine akkuratere wissenschaftliche Hochrechnung (Dickson, B., 2016, „The implications of large IoT ecosystems“, TechCrunch), wird sich zeigen.

Gewiss ist jedoch, dass die Zahl vernetzter Geräte, seien es Computer, Drucker, Fernseher oder Thermostate, zunehmen wird, was Chancen wie auch Risiken birgt (Schneier, B., 2017, „Security and the Internet of Things“, Schneier on Security).

Um für eine konstruktive Wissensbalance zu sorgen, soll in folgender Definition eine kritische Betrachtung angestoßen werden, damit man sich nicht nur von den Vorteilen blenden lässt, sondern sich auch über mögliche negative Konsequenzen im Klaren ist. Nur so sind zukunftsträchtige strategische Entscheidungen möglich.

Was ist nun das Internet of Things?

Das Internet of Things, oder auch Internet der Dinge kann wie folgt definiert werden:

„Das Internet der Dinge bezeichnet die Vernetzung von Gegenständen mit dem Internet, damit diese Gegenstände selbstständig über das Internet kommunizieren und so verschiedene Aufgaben für den Besitzer erledigen können. Der Anwendungsbereich erstreckt sich dabei von einer allgemeinen Informationsversorgung über automatische Bestellungen bis hin zu Warn- und Notfallfunktionen.“

– Lackes, R. (N.D.) „Internet der Dinge“, Gabler Wirtschaftslexikon –

Wichtig ist, dass man versteht, dass das Internet of Things (IoT) eine superadditive Kombination von verschiedenen Technologien ist. Diese Aussage ist darauf zurückzuführen, dass das IoT aus Sensoren, Datenübertragungstechnologien (Bluetooth über Zigbee bis WLAN), Datenverarbeitungsmethoden und einem im Idealfall nutzerfreundlichen User Interface besteht. Das technologische Fundament ist auch essentiell für ein Smart Home oder eine intelligente Stadt, wobei die Intelligenz erst durch eine automatisierte, künstlich analysierte Datenanalyse erfolgt, die nicht zwingend im Bereich IoT notwendig ist (Weber, V., 2017, „Smart Home – Willkommen in der Zukunft“, Haufe).

Die App mit der Sie also einen Rollladen steuern können, ist – es sei denn das System lernt Ihr Nutzerverhalten und wird adaptiv – nicht smart, sondern wird lediglich aus Marketinggründen so verkauft. Nichtdestotrotz ist es ein Bestandteil des Internets der Dinge.

Kritische Betrachtung

Die Intention und der mögliche Nutzen durch das IoT sind brillant und werden zu Recht als disruptiv betrachtet. Das IoT ermöglicht uns die Ag­gre­ga­ti­on und Verarbeitung von extensiven und granularen Datensätzen, teilweise sogar in Echtzeit, die der Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft mit Ihren Inferenzen nicht nur das Leben erleichtern, sondern Wertschöpfung generieren können.

In der Realität werden diese Geschäftspotenziale noch nicht von der deutschen Immobilienbranche genutzt, wie Ergebnisse der bisher umfangreichsten Studie zum Stand der Digitalisierung des Future Real Estate Institute für CBRE Deutschland zeigen. Nur ein einziges Unternehmen nutzt bereits heute vernetzte Sensoren, um Echtzeitdaten in deren BIM zu integrieren (Weber, V., 2017, „Digitale Transformation und Innovation in der deutschen Immobilienbranche 2017“, CBRE GmbH). Und lediglich 20 Prozent der deutschen Immobilienunternehmen optimieren derzeit den Verbrauch von Strom, Wasser oder Gas in eigengenutzten Immobilien, wobei die Zahl bei fremdgenutzten Objekten noch wesentlich niedriger ist (Weber, V., 2017, „Digitale Transformation und Innovation in der deutschen Immobilienbranche 2017“, CBRE GmbH).

Das hohe Potenzial birgt ein Risiko und verlangt Verantwortung, die häufig undifferenziert außen vorgelassen wird. IoT ist „in“, aber die Systeminfiltration über veraltete Hardware, die häufig in IoT-Geräten und -Sensoren verbaut ist, ist leider ebenso en vogue (Schneier, B., 2017, „Security and the Internet of Things“, Schneier on Security).

Das bedeutet, dass ein einfacher Sensor in Ihrem Netzwerk, von dessen Existenz Sie gegebenenfalls nicht einmal wissen, der Schwach- und somit Eintrittspunkt in ein vielleicht sonst gesichertes System ist. Diese gekaperten Geräte können dann beispielsweise in ein Botnet integriert werden, das verteilte Rechenleistung für komplexe Attacken nutzt (Bertino, E., 2017, „Botnets and Internet of Things Security“, Computer, 50 (2), S. 76 ff).

Wie sicher ist mein System?

Für Immobiliennutzer und Immobilienentwickler sollten sich deshalb an erster Stelle folgende Fragen stellen:

  • „Wie sicher ist mein System?“,
  • „Kann verbaute Hardware aktuelle Sicherheitskriterien z.B. Anforderungen einer Firewall erfüllen?“,
  • „Wird die Machine-to-Machine-Kommunikation oder Datenübertragung kryptographisch gesichert?“,
  • „Wo landen meine Daten und wie werden Sie gegebenenfalls weiterverarbeitet?“ und „Brauche ich tatsächlich einen Vernetzungsgrad von X Prozent?“.

Erst wenn man diese Fragen kritisch reflektiert hat, sollte man sich über eine konkrete Implementierung Gedanken machen. Bevor man sich dann gänzlich vernetzt, sollte auch politisch sowie juristisch geklärt werden, wer für eventuelle Systemfehler haftet. Ist es

  • der Nutzer,
  • der verbauende Entwickler,
  • das vertreibende Unternehmen,
  • der Chiphersteller oder doch
  • das Softwareunternehmen?

Auch im letzten Teil der Serie Real Estate Innovation Glossar will ich damit schließen, Sie zu ermutigen, diesen kurzen Exkurs als Anstoß zu nutzen und sich tiefergehend mit relevanten Themen der Digitalisierung zu befassen.

Alle weiteren Teile der Serie finden Sie hier:

Real Estate Innovation Glossar – Einleitung: Begriffe, die die Zukunft prägen werden

Real Estate Innovation Glossar – Teil 1: Was ist Innovation?

Real Estate Innovation Glossar – Teil 2: Wie funktioniert Innovationsmanagement?

Real Estate Innovation Glossar – Teil 3: Was verbirgt sich hinter dem Begriff "Digitalisierung"?

Real Estate Innovation Glossar – Teil 4: Was beim Digital Marketing zu beachten ist

Real Estate Innovation Glossar – Teil 5: Smart Home: Willkommen in der Zukunft

Real Estate Innovation Glossar – Teil 6: Smart City – die vernetzte Stadt

Real Estate Innovation Glossar – Teil 7: Was ist CREtech?

Real Estate Innovation Glossar – Teil 8: Building Information Modelling in der Praxis

Real Estate Innovation Glossar – Teil 9: Augmented Reality

Real Estate Innovation Glossar – Teil 10: Virtual Reality

Real Estate Innovation Glossar – Teil 11: Wie sich Blockchain auf die Immobilienwirtschaft auswirkt

Real Estate Innovation Glossar – Teil 12: Robotik – nicht nur in der Bauwirtschaft

Real Estate Innovation Glossar – Teil 13: Kryptowährungen – mehr als nur Bitcoins

Real Estate Innovation Glossar – Teil 14: Welches Potenzial haben Smart Contracts?

Real Estate Innovation Glossar – Teil 15: Bewohnbare Häuser aus dem 3D-Druck sind nur der Anfang

Real Estate Innovation Glossar – Teil 16: Wann ist Smart Metering sinnvoll?

Real Estate Innovation Glossar – Teil 17: Cloud Computing im Fokus der Immobilienfirmen

Schlagworte zum Thema:  Internet der Dinge, Innovation