Das Thema Smart Home ist nicht neu. Der Begriff ist längst selbstverständlich geworden im Zusammenhang mit der Digitalisierung der Immobilienwirtschaft. Doch Smart Home kann mehr als Lichtdimmung via Mobiltelefon. Im fünften Teil unserer Serie "Real Estate Innovation Glossar" schafft unser Experte Viktor Weber Klarheit im Wirrwarr der Definitionen und zeigt auf, warum die Vorteile des Smart Home vielversprechend sind und wo die Grenzen liegen.  

Wie akribisch das Thema Smart Home inzwischen behandelt wird, lässt sich auch anhand der 86,4 Millionen Google-Hits und Google-Trends beobachten (Google Trends, 2016, „Smart Home“, Google Trends).

Während PropTechs und Digitalisierung (Haufe, 2016, Real Estate Innovation Glossar, "Was verbirgt sich hinter dem Begriff 'Digitalisierung' wirklich?") noch Nischenthemen oder non-existent waren, gab es bereits Publikationen und reale Bestrebungen bezüglich des Smart Home (Rosenfeld/Bulleit/Peddie, 1986, „Smart Meters and Spot Pricing: Experiments and Potential“, IEEE Technology & Society Magazine, 5/1, S. 23 ff).

Aufgrund der frühen Etablierung eines wissenschaftlichen Status Quo im Bereich Smart Home wurde dieser Begriff definiert, ohne den derzeitigen technologischen Fortschritt im Hinblick auf Künstliche Intelligenz, Big Data und Co. zu berücksichtigen (Weber, 2016, „5 disruptive technologies that will shape real estate“, Inman).

Smart Home Definition & Novellierung

Auf Grund der Historie des Smart Home verwundert es wenig, dass das Oxford Wörterbuch die folgende Definition ausgearbeitet hat: „Ein Smart Home ist ein Haus, welches mit Beleuchtungs-, Heizungs- und weiteren elektronischen Systemen ausgestattet ist, die ortsunabhängig über ein Smartphone oder Computer gesteuert werden kann.“ (Oxford Dictionary, 2016, „Smart Home“).

Auf den ersten Blick, der nicht durch die Lupe der voranschreitenden Technisierung geworfen wird, mag dies plausibel erscheinen (Jiang/Liu/Yang, 2004, „Smart Home Research“, Proceedings of 2004 International Conference on Machine Learning and Cybernetics). In der Arbeit von Schiefer (2015) wurde die antiquierte und heterogene Definitionslandschaft später durchleuchtet sowie der Begriff „intelligent“ im Kontext des Smart Home erwähnt (Schiefer, 2015, „Smart Home Definition and Security Threats“, 2015 Ninth International Conference on IT Security Incident & IT Forensics).

Intelligent ist das passende Stichwort, um den Begriff Smart Home endlich in die Neuzeit zu hieven, da diese Intelligenz voraussetzt, dass ein vernetztes System Daten erheben, verarbeiten und vor allem lernen kann (Winston, 1992, „Artificial Intelligence“, 3rd edition, Addison-Wesley Publishing Company). Aus diesem Grund sollte meines Erachtens der Begriff wie folgt definiert werden:

„Ein Smart Home ist ein vernetztes Wohnobjekt, welches durch Sensorik ortsunabhängig und automatisiert Daten erhebt, verarbeitet und stetig lernt sowie darauf basierend Prozesse steuert, um die Lebensqualität seiner Bewohner zu maximieren.“

Komponenten der Smartness im Smart Home

Das Smart Home sollte als vernetztes, lernendes System betrachtet werden, das Bestandteil des Internet of Things / Everything ist (Soliman/Abiodun/Hamouda/Zhou/Lung, 2013, „Smart Home: Integrating Internet of Things with Web Services and Cloud Computing“, 2013 IEEE 5th International Conference on Cloud Computing Technology and Science).

Smartness entsteht etwa durch eine Künstliche Intelligenz, die objektbezogene Daten sowie externe, frei verfügbare Daten (wie Wetter, Humidität oder seismische Aktivität) mit dem Nutzerverhalten oder vorgegebenen Präferenzen der Bewohner aggregiert und automatisiert Entscheidungen trifft. Das bedeutet nicht, dass man ein Smart Home nicht auch mit dem Smartphone oder Computer gesteuert werden kann. Es zeigt lediglich auf, dass ein wirklich smartes Zuhause mehr können sollte als Lichtdimmung über ein Smartphone zu ermöglichen. Letzteres dient eher der Komplexitätsreduktion und der Nutzerfreundlichkeit, die bei der Technisierung der Immobilienwirtschaft essentiell sind, um Innovation nahbar zu machen.

Probleme & Vorteile im Smart Home

Bis dato sind dem Smart Home Grenzen gesetzt: etwa durch die Leistung von Mikrochips, Kosten für Sensorik und Datenübertragungsmöglichkeiten sowie die Skalierbarkeit von KNX, Z-Wave oder ZigBee (Salisbury, 2016, „Internet of Things – Smart Home Explained“, Nexigen).

Oft ist auch die Hardware antiquiert, sodass kein ausreichender Schutz vor Hackern gewährleistet werden kann (Moore, 2016, „Hacking into homes: ‚Smart home‘ security flaws found in popular system“, University of Michigan – Michigan News).

Jedoch sind die Vorteile vielversprechend, da sich Smart Homes im Idealfall perfekt an seine Nutzer anpassen, Bewirtschaftungskosten senken, als Frühwarnsystem (zum Beispiel medizinische Notfälle oder Naturkatastrophen) fungieren und auch die Instandhaltung von Immobilien veranlassen könnten. Und durch Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz, etwa durch eine Interlingua entwickelt mit einem Neuronalen Netz wie bei Google Translate, werden Datenstandards irgendwann einmal nicht mehr relevant sein (Schuster/Johnson/Thoart, 2016, „Zero-Shot Translation with Google’s Multilingual Neural Machine Translation System", Google Research Blog).

Ferner werden die Hardware und die Datenübertragungsmöglichkeiten mächtiger werden, was wiederum das Potenzial von Smart-Home-Technologien maximieren wird.

(Autor: Viktor Weber, Future Real Estate Institute)

Alle weiteren Teile der Serie finden Sie hier:

Real Estate Innovation Glossar – Einleitung: Begriffe, die die Zukunft der Immobilienwirtschaft prägen werden

Real Estate Innovation Glossar – Teil 1: Was ist Innovation?

Real Estate Innovation Glossar - Teil 2: Wie funktioniert Innovationsmanagement in der Immobilienwirtschaft?

Real Estate Innovation Glossar - Teil 3: Was verbirgt sich hinter dem Begriff "Digitalisierung" wirklich?

Real Estate Innovation Glossar - Teil 4: Was beim Digital Marketing zu beachten ist

Real Estate Innovation Glossar - Teil 6: Smart City – die vernetzte Stadt

Real Estate Innovation Glossar - Teil 7: Was ist CREtech?

Real Estate Innovation Glossar -Teil 8: Building Information Modelling in der Praxis

Real Estate Innovation Glossar - Teil 9: Einsatzbereiche von Augmented Reality in der Immobilienbranche

Real Estate Innovation Glossar - Teil 10: Virtual Reality​​​​​​​

Real Estate Innovation Glossar - Teil 12: Robotik – nicht nur in der Bauwirtschaft

Real Estate Innovation Glossar - Teil 13: Kryptowährungen – mehr als nur Bitcoins

Real Estate Innovation Glossar - Teil 14: Welches Potenzial haben Smart Contracts?

Real Estate Innovation Glossar - Teil 15: Bewohnbare Häuser aus dem 3D-Druck sind nur der Anfang

Real Estate Innovation Glossar - Teil 16: Wann ist Smart Metering sinnvoll?

Real Estate Innovation Glossar - Teil 17: Cloud Computing im Fokus der Immobilienfirmen

Real Estate Innovation Glossar - Teil 18: Internet of Things – eine kritische Betrachtung

Schlagworte zum Thema:  Innovation, Smart Home