Roboter könnten unter anderem im Facility Management zum Einsatz kommen Bild: kirill_makarov - Fotolia

Die Digitalisierung wird die Immobilienwirtschaft in den kommenden Jahren zunehmend verändern. Eine relevante Technologie ist die Robotik, und bereits offensichtlich sind die möglichen Veränderungen im Bereich des Bauwesens. Unser Experte Viktor Weber erklärt im zwölften Teil unserer Serie Real Estate Innovation Glossar, in welchen Bereichen die Robotik außerdem schon relevant ist oder relevant werden wird.

Im Jahr 1942 veröffentlichte der Autor Isaac Asimov die Kurzgeschichte „Runaround“, welche drei Gesetze für Roboter vorstellte (Asimov, I., 2013, I Robot, 1st ed., Harpercollins Publishers), die gewährleisten sollten, dass Roboter stets zum Wohle des Menschen handeln würden. Damals war das spannende Science Fiction und ohne Belang. Heute ist die Diskussion um solche Gesetze bereits notwendige Realität (Barthelmess, U. & Furbach, U., 2014, „Do we need Asimov’s Laws?“, MIT Technology Review).

Die Immobilienbranche wird von dieser Technologie verändert werden, auch wenn dies in vielen Unternehmensgremien (noch) kein oder nur untergeordnetes Thema ist (Weber, V., 2017, „How Robots Will Disrupt Real Estate“, Realtor Mag).

Aus diesem Grund soll in diesem Teil des Real Estate Innovation Glossar die Benchmark für Innovation ein Quäntchen höher gelegt werden und eine kurze Einführung in die Robotik stattfinden.

Was ist eigentlich Robotik?

Eine simple und eingängige Definition entstammt dem Lehrangebot der NASA, welche die Robotik wie folgt definiert (May S., 2015, “What is robotics?” NASA):

„Die Robotik ist die Lehre über Roboter. Roboter sind Maschinen, die Aufträge erledigen. Einige Roboter können das eigenständig, während andere einen Menschen benötigen, der sie anweist.“

Diese Definition ist in ihrer Einfachheit fast unspektakulär und doch liegt das Disruptionspotenzial der gegenwärtigen Robotik im Adjektiv „eigenständig“, das eine künstliche Intelligenz beziehungsweise autonomes Handeln voraussetzt.

Dies ermöglicht zum einen die Entwicklungen im Bereich der selbstfahrenden Automobile, autonome Logistik oder auch Drohnen (Petersen, R., 2016, „The driverless truck is coming, and it’s going to automate millions of jobs“, Tech Crunch).

Robotik: Implikationen für die Immobilienbranche

Offensichtlich sind die möglichen Veränderungen im Bereich des Bauwesens. So existieren bereits Ziegel legende und gleichzeitig mörtelnde Roboter wie der "SAM 100" oder auch mehrarmige Roboter mit mehreren parallel druckenden 3D-Druckern als Extremitäten, die mit Hilfe von künstlicher Schwarmintelligenz komplexe Strukturen drucken können (Johnson, N., 2017, „Robot bricklayers fulfilling prophecies of 2014 Oxford Uni report“, Architecture Design | Chamanbaz , M.; Mateo, D., Zoss, B.; Tokic, G.; Wilhelm, E.; Bouffanais, R. & Yue, D. (2017) „Swarm-Enabling Technology for Multi-Robot Systems”, Frontiers in Robotics and AI,  4 (12), S. 1 ff).

In Zukunft, aber auch schon heute, erzeugen Roboter Daten innerhalb einer vernetzten Stadt. Sensoren in einer Smart City reagieren auf Handlungen von Robotern, erzeugen Daten und diese könnten beispielsweise in Trainingsdatensets für eine adaptive Infrastruktur einfließen oder müssten herausgefiltert werden (etwa indem ein Roboter automatisch immer ein Signaturkürzel in seiner Kommunikation anhängt), da sich sonst das „Verhalten“ der Infrastruktur gegenüber Menschen, durch Roboter beeinflusst, ändern würde.

Daraus abgeleitet, müssen sich Stadtplaner, Architekten, Projektentwickler, aber auch Anbieter von technologischen Lösungen, Gedanken machen, wie man damit im Einzelfall umgeht.  Ferner muss die Infrastruktur im städtischen Gefüge, aber in Gebäuden, roboterfreundlich gestaltet werden.

Ferner können Roboter im Facility Management zum Einsatz kommen oder auch Tätigkeiten wie eine Technische Due Diligence unterstützen oder automatisieren. Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt an direkten Implikationen, da die indirekten Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt (in der Logistik oder Produktion) weitaus gravierender ausfallen und somit indirekt die Nachfrage nach bestimmten Assetklassen verändern werden (Bonkenburg, T., 2016, „Robotics in Logistics“, DHL Research).

Robotik: Einblick in die Forschung

Es wird ferner klar, dass man nicht mehr einzelne Technologien voneinander trennen kann. So existieren künstlich intelligente, 3D-druckende Roboter, die vielleicht irgendwann synthetisch biologische Stoffe als Druckmaterial nutzen werden oder etwa mit Hilfe von Hash Funktionen geistiges Eigentum (beispielsweise Baupläne, also CADs) kryptographisch schützen (De Jesus, C., 2016, „Siemens is Building a Swarm of 3D Printing Spider Robots With a Hive Mind“, Futurism).

Daher gilt, wie so oft bei exponentiellen Technologien, dass sie in Kombination super-additiv sind, sich also gegenseitig so verstärken, dass ein größeres Ganzes entsteht als bei der separaten Verwendung beider Einzeltechnologien. Im Bereich der Robotik gibt es unzählige Forschungsansätze, die sich mit (für Menschen) trivialen Dingen beschäftigen, wie dem Gleichgewichtssinn und der Navigation in einem chaotischen System. Hier hat es Boston Dynamics mit seinem Roboter geschafft, ein tritt- beziehungsweise fahrsicheres Geschöpf zu kreieren (Hern, A., 2017, „Boston Dynamics unveils 'nightmare-inducing' hybrid robot“, The Guardian).

Ein weiterer Punkt ist, dass die künstliche Intelligenz dem Roboter antrainiert werden muss und es essentiell ist, dass Roboter irgendwann selbstständig erkennen, wenn Sie Feedback aus Lernzwecken benötigen, etwa durch Reinforcement Learning (Whitney, D.; Rosen, E.; MacGlashan, J.; Wong, L. & Tellex, S., 2017, “Reducing Errors in Object-Fetching Interactions through Social Feedback,” from Brown University will be presented at ICRA 2017 in Singapore).

Die Art und Weise des Lernens ist somit eines der wichtigsten Forschungsthemen, da ein autonom operierender Roboter zum Beispiel nicht die nötige Rechenleistung für komplexe Backpropogation (im Bereich Deep Learning) hat, sondern eher weniger intensive evolutive Lernmethoden nutzen sollte (Simonite, T., 2017, „Elon Musk’s OpenAI Unveils a Simpler Way for Machines to Learn“, MIT Technology Review). Auch hier stehen wir noch am Anfang der Entwicklung und werden spannende Neuerungen erleben.

Zeitgleich müssen wir uns, nicht nur innerhalb der Immobilienbranche, die Frage stellen, wie weit wir Roboter in unseren Alltag integrieren wollen und was wir mit den Daten machen, die von künstlich intelligenten Robotern erzeugt werden. Auch muss man sich Gedanken machen, wie man die Konsequenzen der Automatisierung abfängt, eventuell durch eine Automatisierungssteuer.

Dieser Wandel wird nicht von heute auf morgen erfolgen, sondern obliegt einem multifaktoriellen, sehr komplexen Entscheidungsgefüge (dazu mehr im Blog des Future Real Estate Institute: "What One Should Know About Automation & Future Skill Demand"). Hier bedarf es konstruktiver Diskussionen und einer nüchternen Betrachtung des Sachverhalts.

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Schlagworte zum Thema:  Bauwirtschaft, Roboter, Innovation, PropTech, Digital Real Estate, Immobilien-Software

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