Überblick bewahren: Welche Konzepte und Strategien sind für Ihr Innovationsmanagment die besten? Bild: Corbis

Im zweiten Teil unserer Serie "Real Estate Innovation Glossar" erklärt unser Experte Viktor Weber, wie Innovation sinnvoll gesteuert wird. Das Schlüsselwort: Innovationsmanagement. Welche Innovationen wirken auf die Immobilienbranche? Und wie kann man diese für das eigene Unternehmen nutzen und gewinnbringend umsetzen?

Das Glossar wurde im ersten Teil mit dem Begriff „Innovation“ und untergeordnet mit den Termini der disruptiven sowie inkrementellen Innovation eröffnet. Diese Begriffe bilden die Grundlage für das Innovationmanagement, das im Zuge des technologischen Wandels, neuer Unternehmenskonzepte und der gesellschaftlichen Veränderung, zwingend notwendig ist.

Innovation ist kein Zufallsprodukt, sondern multifaktoriell bedingt und kann in einem Unternehmen nur erfolgen, wenn das Management den Prozess sinnhaft steuert sowie unterstützt (Fraunhofer IAO, 2016, "Using New Technologies to Forge a Path to Tomorrow’s Innovations"). Dies ist von höchster Wichtigkeit: Wie eine Studie aus dem Jahr 2011 zeigt, kann Innovation als wichtigste Treibkraft für unternehmerische Entwicklung angesehen werden, noch vor Diversifikation, Mergers & Aquisitions oder strategischen Partnerschaften (PricewaterhouseCoopers LLP, 2011, "Innovation is Most Important Factor for Growth, Leadership and Strategic Integration, according to PwC").

Auch aus akademischer Sicht kommt dem Innovationsmanagement eine hohe Bedeutung zu, weshalb der Begriff definiert werden muss (Osenieks/Babauska, 2014, “The Relevance of Innovation Management as Prerequisite for Durable Existence of Small and Medium Enterprises”, Procedia – Social and Behavioural Sciences, 110, S. 82 ff).

Definition Innovationsmanagement

„Innovationsmanagement ist ein wirtschaftlicher Kernbereich, welcher danach strebt einen standardisierten, wiederholbaren und nachhaltigen Innovationsprozess sowie Innovationskultur in einem Unternehmen zu etablieren. Innovationsmanagement beschreibt das Management von disruptiven oder inkrementellen Innovationen, welche das Geschäftsmodell eines Unternehmens signifikant verändern können.“ (Gartner, 2016, "Innovation Management", Gartner - IT Glossary).

Kurz gesagt:

Verantwortliche für Innovationsmanagement müssen neue Lösungen finden, diese testen und im Anschluss gewinnbringend umsetzen beziehungsweise integrieren.

Was bedeutet das für die Immobilienbranche?

Weite Teile der Immobilienwirtschaft wissen nicht genau, welche Innovationen auf die Branche wirken könnten und wie man diese für das eigene Unternehmen nutzen kann (Clark/Moonen, 2015, "Technology, Real Estate, and the Innovation Economy", ULI; Weber, 2016, "Ein Appell für mehr immobilienwirtschaftliche Innovation", Heuer Dialog). Ein Indiz dafür ist auch, dass es selbst in großen Unternehmen nur wenige Chief Innovation Officers oder Chief Technology Officers gibt, die dann eigentlich für das Innovationsmanagement verantwortlich wären.

Die Immobilienbranche muss sich Wissen an der Schnittstelle zwischen Innovation und Technologie aneignen, um zu erkennen welche Technogien existieren und wie diese auf Makro- sowie Mikroebene wirken könnten. Auf Grundlage dieses Wissen können dann Innovationsprozesse im Unternehmen angestoßen werden. Genauso wichtig wie die Ideengenerierung und deren Testung, ist auch die langfristige Messung, die aufzeigt, ob ein innovierter Geschäftsprozess oder eine neu eingeführte Lösung tatsächlich den erhofften Mehrwert bringt (Adams/Bessant/ Phelps, 2006, „Innovation management measurement: A review“, International Journal of Management Reviews, 8/1, S. 21 ff).

Innovationsmanagement & Management Innovation

Bedeutender Bestandteil des Innovationsmanagements ist nicht nur das Wissen über neue Technologien beziehungsweise Trends, es sind auch Kundennähe und die Management Innovation, welche die Veränderung der unternehmensinternen Strukturen beschreibt (Gartner, 2016, "Innovation Management", Gartner - IT Glossary; Hamel, 2006, "The Why, What, and How of Management Innovation", Harvard Business Review).

Dies umschreibt unter anderem die Veränderung zu einem agilen oder leanen Unternehmen, das Innovation aktiv fördert und sich neben einer disziplinierten, gut organisierten Umsetzung der Ideen auch flache Hierarchien zu Nutze macht (ibid; Ries, 2011, “The Lean Startup”. 1ed. London: Penguin). Ein Beispiel für eine moderne Managementtheorie, die dezidiert Innovationen im Unternehmen fördern soll, ist das Lean Innovation Management (Blank, 2015, "Lean Innovation Management – Making Corporate Innovation Work").

Gerade für Immobilienunternehmen, denen es schwer fällt, sich mit neuen Geschäftsprozessen oder Innovationen vertraut zu machen und daraus Wertschöpfung zu erzielen, ist es also essentiell, auch das Management und den gesamtheitlichen Umgang mit Innovationen zu verändern.

Fazit

Es gibt diverse Strategien und Konzepte im Bereich des Innovationsmanagements, weshalb es oftmals schwer fällt, den Überblick zu bewahren oder sich festzulegen. Grundsätzlich lässt sich jedoch sagen, dass die meisten Konzepte Kreativität, transparente Kommunikation, das Testen von Ideen, flache Hierarchien und Erfolgsmessung beinhalten (Adams/Bessant/ Phelps, 2006, „Innovation management measurement: A review“, International Journal of Management Reviews, 8/1, S. 21 ff).

Tipp:

Immobilienunternehmen sollten technologische Innovation oder neue Organisationkonzepte nicht als Gefährdung des eigenen Geschäftsmodells, sondern als Chance für neue Lösungen, effizientere Geschäftsprozesse und neue Märkte betrachten.

(Autor: Viktor Weber, Future Real Estate Institute)

Mehr zum Thema:

Real Estate Innovation Glossar – Einleitung: Begriffe, die die Zukunft der Immobilienwirtschaft prägen werden

Real Estate Innovation Glossar – Teil 1: Was ist Innovation?

Schlagworte zum Thema:  Innovationsmanagement, Innovation

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