24.11.2016 | Serie – Teil 1

Real Estate Innovation Glossar: Was ist Innovation?

Die Immobilienwirtschaft steht vor neuen digitalen Herausforderungen: Alles dreht sich bald um Innovation
Bild: Corbis

Im ersten Teil unserer Serie "Real Estate Innovation Glossar" definiert unser Experte Viktor Weber, was Innovation überhaupt ist und geht dem Begriff wissenschaftlich auf den Grund. Und er beantwortet Fragen, die kreative Immobilienunternehmen sich stellen sollten. Wo zum Beispiel liegt der Vorteil von inkrementeller Innovation? Oder warum sollte disruptive Innovation in der Immobilienwirtschaft künftig eine größere Rolle spielen?

Aufgrund der Tatsache, dass verschiedenste, teils konträre Definitionen für den Begriff Innovation existieren, wurde es für sinnvoll erachtet, eine aggregierte Definition heranzuziehen, die alle Gemeinsamkeiten der unterschiedlichen Beschreibungen beinhaltet (Baregheh/Rowley/Sambrook, 2009,“Towards a multidisciplinary definition of innovation”, Management Decision, 47/8, S. 1323 ff).

“Innovation ist ein mehrstufiger Prozess, durch den Organisationen Ideen in neue / verbesserte Produkte, Dienstleistungen oder Prozesse transformieren, um sich zu entwickeln, einen Wettbewerbsvorteil auszuarbeiten oder sich im Markt erfolgreich zu differenzieren.“ (ibid).

Wenn man von dieser Definition ausgehend dem Begriff Innovation tiefer auf den Grund geht, könnte man zu dem Schluss kommen, dass der Ursprung einer Innovation in der kritischen Frage liegt. So stoßen Sie zum Beispiel Innovationsprozesse durch folgende Fragen an:

  • „Wie kann ich Neukunden akquirieren?“,
  • „Wie kann ich ein Prognosemodell genauer gestalten?“ oder
  • „Wie wird die Stadt der Zukunft gebaut sein?“.

Die eigentliche Innovation ist demnach die Antwort auf Ihre Frage, welche es kreativ, auf neuen oder verbesserten Wegen zu beantworten gilt, um einen positiven Effekt zu erzielen. Im Kontext der Immobilienwirtschaft wurden jedoch einige relevante Fragen gar nicht gestellt, da durch den konstanten Aufschwung die Anreize fehlten (Maio, 2016, “Apartments are the hot new tech sector”, TechCrunch).

Tipp:

„Fragen Sie so viel wie möglich und hinterfragen Sie manifestierte Geschäftsprozesse in Ihrem Unternehmen kritisch.“

Disruptive Innovation

Disruptive Innovation beschreibt weniger die Neuartigkeit einer Innovation, sondern ihre revolutionäre Veränderungskraft im Markt, der Gesellschaft oder der Umwelt (Schumpeter, 1942, “Capitalism, Socialism, and Democracy”, Harper, New York).

Es geht in diesem Fall also nicht zwingend darum, etwas Neues zu erfinden, sondern um die Wirkung im engeren Sinn.

Ein prominentes Beispiel für Disruption mit immobilienwirtschaftlichem Bezug ist Airbnb, welches weder die Sharing Economy, noch die temporäre Peer-to-Peer-Vermietung erfand, jedoch durch deren Dienstleistung den traditionellen Beherbergungsmarkt revolutionierte (Zervas/Prosperio/Byers, 2016, “The Rise of the Sharing Economy: Estimating the Impact of Airbnb on the Hotel Industry”, Boston U. School of Management Research Paper, 2013/16, S. 1 ff).

In der Immobilienwirtschaft lässt die disruptive Innovation noch auf sich warten, wenn man bedenkt, dass Immobilientransaktionen ablaufen wie in der Vergangenheit, keine revolutionären Baumaterialien gefunden wurden oder weiterhin Assets im Wert von elf Billionen Dollar mit Spreadsheets verwaltet werden (Altus Group Limited, 2015, “Future-Proofing the CRE Industry – Is Commercial Real Estate’s Innovation Curve Moving Fast Enough?”, Altus Group CRE Innovation Report).

Bis dato war dies auch nicht notwendig, jedoch stellen die Digitalisierung, die zunehmende Technisierung der Arbeitswelt und der demographische Wandel die Immobilienwirtschaft vor neue Herausforderungen, welche allesamt die Wahrscheinlichkeit, aber auch die Sinnhaftigkeit, von disruptiver Innovation erhöhen (Gruber/Weber, 2016, “An Intellectual Game: Innovation & Land Ownership”, The Indian Economist).

Inkrementelle Innovation

Inkrementelle Innovation steht für die schrittweise Verbesserung einer bereits existenten Lösung von etablierten Strukturen (Norman/Verganti, 2014, “Incremental and radical innovation: Design research versus technology and meaning of change”, Design Issues, 30/1, S. 78 ff).

In der Immobilienwirtschaft ist diese Form von Innovation relativ verbreitet, wenn man zum Beispiel die kontinuierliche Verbesserung im Bereich der Nachhaltigkeit betrachtet (Clark/Moonen, 2015, “Technology, Real Estate, and the Innovation Economy”, Urban Land Institute).

Inkrementelle Innovation ist deshalb keinesfalls weniger wert als ihr disruptives Pendant, sondern sie ist vor allem gesellschaftsfähig, da man sich damit als Produzent und auch als Verbraucher leichter zurechtfinden kann (ibid). Es bestehen also geringere Adaptionsprobleme.

Betrachtet man zum Beispiel die sogenannte PropTech-Landschaft in Deutschland, so sieht man, dass sich viele innovative Konzepte um Marktplätze, Vermietung beziehungsweise Verkauf und temporäre Vermietung drehen, die bahnbrechenden Neuerungen jedoch weitgehend ausbleiben (Haberkorn, 2016, “PropTech Update”, Gewerbe Quadrat). Es handelt sich also vornehmlich um eine sinnvolle Modifikation oftmals vorhandener Geschäftsmodelle.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass das weitläufige Thema Innovation in der Immobilienwirtschaft vorhanden, jedoch noch unterentwickelt ist. In Zukunft wird jedoch eine höhere Innovationsaffinität sowie eine raschere Adaption notwendig sein, um sich als Unternehmen einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil sichern zu können.

(Autor: Viktor Weber, Future Real Estate Institute)

Mehr zum Thema:

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Schlagworte zum Thema:  Innovation, Digital Real Estate

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