Die Mehrheit der deutschen Unternehmen nutzt Cloud Computing aktiv, auch in der Immobilienwirtschaft werden es mehr. Viele der Lösungen, die von Startups angeboten werden, sind Cloud-Lösungen. Im 17. Teil unserer Serie "Real Estate Innovation Glossar" erklärt Experte Viktor Weber, warum man heute nicht mehr um die Cloud herumkommt und worauf Entscheider bei der Wahl des Anbieters achten sollten. Ein großes Thema bleibt die Datensicherheit.

KPMG und Bitkom Research konnten im aktuellen Cloud Monitor 2017 aufzeigen, dass 65 Prozent der deutschen Unternehmen Cloud Computing aktiv nutzen (Heidkamp, P. & Pols, A., 2017, "Cloud-Monitor 2017 – Cyber Security im Fokus: Die Mehrheit vertraut der Cloud" KPMG). Zusätzliche 18 Prozent planen die Nutzung der Cloud, wobei nach wie vor mehr als die Hälfte der Unternehmen keine klare Strategie hat (ibid).

Basierend auf diesen Zahlen überrascht es wenig, dass das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik konstatiert, dass Cloud Computing auf breiter Ebene zum Standard gehört und nicht mehr von einem Hype gesprochen werden kann (N.A., 2017, "Digitale Gesellschaft – Cloud Computing", Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik).

Auch in der Immobilienbranche findet die Cloud immer mehr Beachtung und viele der Services, die von Startups angeboten werden, sind Cloud-Lösungen.

Was ist Cloud Computing?

Bei diesem Begriff, der bereits im Jahr 1996 erstmals verwendet wurde, lohnt ein genaueres Hinsehen, weshalb Ihnen hier eine relativ ausführliche Definition präsentiert  wird (Regalado, A., 2011, "Who coined 'Cloud Computing'?", MIT Technology Review):

"Cloud Computing beinhaltet Technologien und Geschäftsmodelle, um IT-Ressourcen dynamisch zur Verfügung zu stellen und ihre Nutzung nach flexiblen Bezahlmodellen abzurechnen. Anstatt IT-Ressourcen, beispielsweise Server oder Anwendungen, in unternehmenseigenen Rechenzentren zu betreiben, sind diese bedarfsorientiert und flexibel in Form eines dienstleistungsbasierten Geschäftsmodells über Internet oder Intranet verfügbar. Diese Art der Bereitstellung führt zu einer Industrialisierung von IT-Ressourcen, ähnlich wie es bei der Bereitstellung von Elektrizität der Fall war. Firmen können durch den Einsatz von Cloud Computing langfristige Investitionsausgaben (CAPEX) für den Nutzen von Informationstechnologie (IT) vermindern, da für IT-Ressourcen, die von einer Cloud bereitgestellt werden, oft hauptsächlich operationale Kosten (OPEX) anfallen."

– Fehling, C., N.D., "Cloud Computing", Gabler Wirtschaftslexikon –

Kurzgefasst: Cloud Computing ermöglicht es einem Unternehmen, bedarfsgerecht IT-Dienstleistungen aller Art über das Internet zu nutzen und entsprechend nutzungsbezogen dafür zu bezahlen. Damit spart man sich hohe Investitionen in eine IT-Infrastruktur, externalisiert Risiken bezüglich der Datenverarbeitung und -speicherung, erhöht die Flexibilität und Skalierbarkeit, profitiert vom externen Entwicklerwissen und muss sich nicht langfristig an einen bestimmten Anbieter binden.

Nichtsdestotrotz ist es Ziel eines jeden großen Anbieters von Cloud-Lösungen, Nutzer zu binden, indem ein entsprechend nutzerfreundliches und abhängigkeitsstiftendes Ökosystem geboten wird, weshalb der Anbieterwechsel, abhängig vom Nutzungsumfang, in der Praxis schwerer fällt als in der Theorie.

Auf Cloud Computing bauen Begriffe wie Software as a Service, Platform as a Service, Infrastructure as a Service, Public Cloud und viele Begriffe mehr auf, die verschiedene Anwendungsfelder charakterisieren (N.A., 2017, "What is cloud computing", IBM).

Cloud Computing – ein genauerer Blick

Es gibt unzählige Anbieter, teilweise mit großer Marktmacht. Deshalb muss die Entscheidung für eine Cloud-Lösung gewissenhaft getroffen werden, weshalb sich die Forschung damit beschäftigt, ein entsprechendes Entscheidungsmodell zu konzipieren (Cayirci, E.; Garaga, A.; de Oliveira, A. & Roudier, Y., 2016, "A risk assessment model for selecting cloud service providers", Journal of Cloud Computing – Advances, Systems and Applications, 5 (14), S. 1 ff).

Trotz gewissenhafter Entscheidungsfindung kann jedoch niemals eine Sicherheitsgarantie gegeben werden, sodass Systemausfälle oder Datenverluste weiterhin ein Risiko darstellen (Ward, S., 2017, "5 Disadvantages of Cloud Computing", The Balance).

In diesem Kontext ist Datensicherheit ein wichtiges Themengebiet, da Cloud-Anbieter oftmals in anderen Jurisdiktionen firmieren, als es vielleicht für den Nutzer praktikabel wäre, oder weil man als Unternehmen nicht zwingend nachvollziehen kann, welche Sicherheitsvorkehrungen tatsächlich getroffen werden oder worden sind (Razaque, A. & Rizvi, S., 2017, "Privacy preserving model: a new scheme for auditing cloud stakeholders", Journal of Cloud Computing – Advances, Systems and Applications, 6 (7), S. 1 ff).

Es steht jedoch außer Frage, dass sich Immobilienunternehmen mit Cloud Computing beschäftigen sollten. Sei es durch die Nutzung von neuen, innovativen Dienstleistungen, die Flexibilisierung der eigenen IT, das Experimentieren mit künstlich intelligenten Modellen oder andere Themen. Auch Serverfarmen und entsprechende Objekte physischer IT-Infrastruktur könnten als zukunftsträchtige Assetklasse in den Fokus von Investoren rücken.

Alle weiteren Teile der Serie finden Sie hier:

Real Estate Innovation Glossar – Einleitung: Begriffe, die die Zukunft prägen werden

Real Estate Innovation Glossar – Teil 1: Was ist Innovation?

Real Estate Innovation Glossar – Teil 2: Wie funktioniert Innovationsmanagement?

Real Estate Innovation Glossar – Teil 3: Was verbirgt sich hinter dem Begriff "Digitalisierung"?

Real Estate Innovation Glossar – Teil 4: Was beim Digital Marketing zu beachten ist

Real Estate Innovation Glossar – Teil 5: Smart Home: Willkommen in der Zukunft

Real Estate Innovation Glossar – Teil 6: Smart City – die vernetzte Stadt

Real Estate Innovation Glossar – Teil 7: Was ist CREtech?

Real Estate Innovation Glossar - Teil 8: Building Information Modelling in der Praxis

Real Estate Innovation Glossar - Teil 9: Augmented Reality

Real Estate Innovation Glossar – Teil 10: Virtual Reality​​​​​​​

Real Estate Innovation Glossar – Teil 12: Robotik – nicht nur in der Bauwirtschaft

Real Estate Innovation Glossar – Teil 13: Kryptowährungen – mehr als nur Bitcoins

Real Estate Innovation Glossar – Teil 14: Welches Potenzial haben Smart Contracts?

Real Estate Innovation Glossar – Teil 15: Bewohnbare Häuser aus dem 3D-Druck sind nur der Anfang

Real Estate Innovation Glossar – Teil 16: Wann ist Smart Metering sinnvoll?

Real Estate Innovation Glossar - Teil 18: Internet of Things – eine kritische Betrachtung

Schlagworte zum Thema:  Cloud Computing, Innovation, Datensicherheit