Wohin geht es? BIM ist in Deutschland angekommen, doch an der Umsetzung hapert es noch Bild: Corbis

Das Thema Building Information Modelling (BIM) hat in den vergangenen Jahren an Schub gewonnen. Allerdings hinkt Deutschland technologisch bei der Umsetzung hinterher, während Großbritannien sich vor allem bei Projekten der öffentlichen Hand besonders innovativ zeigt. Was über die Implementierung der digitalen Technologie zu wissen ist, erklärt unser Experte Viktor Weber im achten Teil der Serie Real Estate Innovation Glossar.

Es ist fast zynisch, den Term BIM, der für Building Information Modelling steht, im Kontext des Real Estate Innovation Glossar zu definieren, da die Geschichte von BIM bereits einige Jahrzehnte zurückreicht: In eine Zeit, in der das World Wide Web noch nicht existent war und die ersten Datenübertragungen Mitte der 70er Jahre über ARPANET abgewickelt wurden (Zimmermann, 2012, „Internet History Timeline: ARPANET tot he World Wide Web“; Eastman, 1975, „The use of computers instead of drawings in building design“, AIA Journal, 63/3, S. 46 ff).

Der eigentliche Begriff des Building Modelling wurde dann im Jahr 1986 von Robert Aish geprägt, welcher unter anderem Direktor für Forschung bei Autodesk war (Aish, 1986, „Building Modelling: The Key to Integrated Construction CAD“, CIB 5th International Symposium on the Use of Computers for Environmental Engineering Related to Buildings, 7- 9 Juli). Bis dato dato konnte keine flächendeckende Umsetzung erfolgen, wobei in den vergangenen Jahren das Thema erneut an Schub gewonnen hat, was hoffen lässt.

Building Information Modelling (BIM) – eine Definition

Es gibt eine Vielzahl von Definitionen, die sich teilweise nur nuanciert unterscheiden, weshalb es ratsam ist, auf eine verbreitete Definition zurückzugreifen, welche wie folgt lautet:

„Building Information Modelling (BIM) ist eine digitale Repräsentierung der physikalischen sowie funktionalen Charakteristika eines Objekts. Ein BIM ist eine verteilte Datenressource für ein Objekt, welche als Entscheidungsgrundlage über den gesamten Lebenszyklus (von Konzeption bis hin zum Abriss) herangezogen werden kann.“

(National Institute of Building Sciences, N.D., „What is BIM?“)

BIM-Implementierung: Von Level 0 bis Level 3

Ferner existieren verschiedene Stufen einer BIM-Implementierung. Dabei gehen Level 0 und 1 lediglich auf standardisierte, Computer gestützte Konzeptionen in 2D beziehungsweise 3D ein (NBA, 2014, „BIM Levels explained“).

Level 2 beschreibt hingegen bereits die vernetzte Zusammenarbeit, den Datenaustausch und gemeinsame Standards, was zum Beispiel im Vereinigten Königreich seit 2016 die Norm bei Projekten der öffentlichen Hand ist (ibid). Großbritannien hat bereits einen Plan zur Umsetzung einer Level-3-Implementierung vorgelegt, welche die vollumfängliche datengestützte und vernetzte Kollaboration über den gesamten Lebenszyklus einer gebauten Struktur beschreibt (UK Government, 2015, „Digital built Britain – Level 3 Strategy“).

BIM: Chancen der Level-3-Implementierung

Eine Arbeit von Park et al. aus dem Jahr 2015 untersuchte den Begriff „Value Engineering“ im Kontext von BIM, was bedeutete, dass historische Daten verschiedener BIMs herangezogen werden sollten, um Ideen für zukünftige Projektierungsentwürfe schneller zu generieren und bewerten zu können (Park/Kim/Park/Goh/Pedro, 2015, „Bim-based idea bank for managing value engineering ideas“, International Journal of Project Management, S. 1 ff).

Darauf aufbauend habe ich bereits bei diversen Präsentation, wie zum Beispiel der European Real Estate Society Konferenz 2016, darauf hingewiesen, dass ein Recommender System mit großen Datenmengen trainiert werden könnte, um so Design-, Nutzungs- und Instandhaltungsempfehlungen automatisiert abgeben zu können (Ricci/Rockach/Shapira, 2011, Recommender Systems Handbook, Springer).

Dies bedeutet konkret, dass zum Beispiel bei der Konzipierung eines Einkaufszentrums oder einer Fußgängerzone Footfall, Abnutzung, teilgenaue Instandhaltungskosten und der Mietermix genutzt werden könnten, um konkrete Empfehlungen für Fußwege, Fluchtmöglichkeiten, einzusetzende Baumaterialen oder passende Mieter geben zu können, bevor das auch nur einen Euro kostete.

Voraussetzung für das Training eines künstlich intelligenten Systems sind jedoch Daten, die erst bei einer flächendeckenden BIM-Implementierung auf Level 3 vorhanden wären.

Fazit – Es bleibt ein Weckruf

Grundsätzlich lässt sich konstatieren, dass die bisher langsame Adaption und der Mangel an sinnhafter Datenverarbeitung, für welche das Modell prädestiniert wäre, ein Sinnbild für die derzeitige Innovationskraft der Immobilienwirtschaft ist. BIM-Verbände und BIM-Standards sind demnach ein Schritt in die richtige Richtung, jedoch liegt die Krux schlussendlich in der Umsetzung auf der Baustelle, der Adaption im Life Cycle Management und in der dezidierten Datenverarbeitung. Hier muss noch viel passieren. Auch sollte der Fokus auf Standards nicht allzu ernst genommen werden, da eine Art Interlingua in Zukunft womöglich die Brücke zwischen heterogenen Datensätzen bilden könnte.

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Schlagworte zum Thema:  BIM, Innovation

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