07.07.2016 | Top-Thema PropTechs: Eine Branche wacht auf

Tradition und Digitales als Schlüssel zum Erfolg?

Kapitel
Start-up Geschäftsaktivitäten: häufig nicht viel mehr als ein Transfer bestehender Aktivitäten ins Digitale
Bild: Haufe Online Redaktion

Viele Start-ups setzen mit Erfolg auf das Anknüpfen an bestehende Offline-Strukturen. Dies geschieht häufig zulasten des Innovationsgeistes. Für neue Start-up Konzepte bleibt noch viel Platz, weshalb nur eine gemäßigte Konsolidierung erwartet wird.

Vor dem Hintergrund des Nachholbedarfs hierzulande könnte die erwartete Konsolidierungswelle gemäßigter ausfallen als in anderen Start-up-Segmenten.

„Innovation ist überfällig, und für neue Konzepte gibt es viel Platz“

So bewertet etwa Realbest-Geschäftsführer Axel Winckler die Lage.

Neulinge brauchen einen langen Atem 

Axel Kloth vom IVD pflichtet dem bei. „Es wird eine Konsolidierung geben, genauso aber wird die Digitalisierung kommen – mit neuen Namen.“ Wie schwer sich seine Klientel noch mit dem technologischen Wandel tut, merkt Kloth gleichwohl an der zögerlichen Nachfrage nach entsprechenden Schulungen und Fortbildungen seines Verbands. Oliver Obermann vom Leipziger Beratungshaus Immo Media Consult warnt auch wegen dieses Strukturkonservatismus vor zu viel Euphorie. Grundsätzlich werde einen langen Atem brauchen, wer dauerhaft erfolgreich sein will, prognostiziert der Marktbeobachter mit Blick auf Investorenneulinge. „Die Immobilienbranche ist eine sehr behäbige, daran ändert das Bestellerprinzip erst einmal nichts“, bekräftigt er.

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Ein Erfolgsfaktor für Start-ups scheint folglich das Anknüpfen an bestehende Offline-Strukturen zu sein – auch wenn das zulasten des Innovationsgeists geht und häufig nicht viel mehr als einen Transfer bestehender Aktivitäten ins Digitale bedeutet.

Leistungen Online plus persönliche Ansprechpartner vor Ort

Die Gründer von McMakler beispielsweise verzahnen Online und Offline in ihren Geschäftsaktivitäten. McMakler bietet zwar Leistungen und Abwicklung online an, steht aber zugleich in etwa einem Dutzend Städten mit persönlichen Ansprechpartnern zur Verfügung.

Das Start-up wirbt mit 80 Prozent Kostenersparnis gegenüber herkömmlichen Maklern und einem transparenten Preissystem für Einzelleistungen.

Noch in diesem Jahr wollen die PropTech-Pioniere ihren Service bundesweit anbieten. Weniger als ein Jahr nach der Gründung ist die Mitarbeiterzahl auf an die 100 gewachsen, der Umsatz steigt McMakler zufolge monatlich um 50 Prozent, auf Transaktionsbasis arbeitet das Unternehmen profitabel.

McMakler kooperiert auf verschiedenen Ebenen mit etablierten Marktteilnehmern – Immobilienscout etwa liefert Interessenten.

„Am wichtigsten sind für uns Kooperationen mit Hausverwaltungen, Family Offices und Immobilienfonds“, erklärt Geschäftsführer Hanno Heintzenberg.

Kooperation mit ansässigen Maklern

Im Konzept, Traditionelles mit Digitalem zu verbinden, sehen auch die Gründer von Homeday einen Schlüssel zum Erfolg. Sie allerdings wollen eher das Bild eines kooperierenden Marktteilnehmers vermitteln, anstatt auf Konfrontation zu setzen. „Wenn wir mit Maklern arbeiten, können wir schneller wachsen, als wenn wir gegen sie sind“, erklärt Gründer Steffen Wicker. Auf der Plattform Homeday können Eigentümer in ihrer Region nach einem geeigneten Makler suchen, Letztere wiederum können sich präsentieren und positionieren. Vom eigentlichen Maklergeschäft hält sich das Start-up bewusst fern. Wicker ist überzeugt:

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Jeder Immobilienkauf bleibe ein individuelles Produkt, kosten- und mitarbeitersparende Blaupausen sind kaum durchsetzbar.

Auf Kooperation setzt auch das Start-up Homelike, das sich auf möbliertes, zeitlich befristetes Wohnen konzentriert. Das Unternehmen hat gemeinsam mit der Versicherung AXA ein Versicherungspaket entworfen, das speziell auf die beworbene Wohnform zugeschnitten ist – nach den Worten von Homelike ist das Angebot bundesweit einzigartig.

Immobilien-, Online- und Marketingexperten treffen zusammen

Bei Realbest haben Geschäftsführer Winckler und sein Partner versucht, schon bei der Auswahl der Mitarbeiter an die Marktstruktur anzuknüpfen: Im Team treffen Immobilien- auf Online- und Marketingexperten, der Partner selbst arbeitete zuvor bei einem der großen Maklerhäuser. Realbest versteht sich als Kontaktplattform zwischen privaten Verkäufern und Bauträgern auf der einen und Maklern mit ihren Kundenkontakten auf der anderen Seite.

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Das Maklernetzwerk umfasst Winckler zufolge mehr als 4.000 Immobilienmakler und mehrere tausend Vermittler und Finanzdienstleister, etwa 1.000 Objekte stehen derzeit zum Verkauf. Eine Anzeige kostet zunächst nichts, erst beim Verkaufsabschluss wird eine Provision fällig, die sich Realbest mit Maklern und Vermittlern teilt. Das Unternehmen beschäftigt derzeit 35 Mitarbeiter.

 

Kristina Pezzei, Berlin

 Der Text ist im Fachmagazin "Immobilienwirtschaft", Ausgabe 07/8/2016, erschienen.

 

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Schlagworte zum Thema:  Startup, Online-Plattform, Immobilien, Makler

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