07.07.2016 | Top-Thema PropTechs: Eine Branche wacht auf

Interview mit Andreas Schulten: "Nicht alle können Airbnb sein"

Kapitel
Andreas Schulten, Vorstand der gif Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung e.V.
Bild: Haufe Online Redaktion

Im Interview spricht Andreas Schulten, Vorstand der gif Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung e.V. über den Einfluss der Digital Economy auf die Immobilienbranche, wie weit sie ist und welche Kultur sie braucht, um Innovationen zu entfalten.

Haufe Online-Redaktion: In der PropTech-Szene in Deutschland spürt man eine hohe Dynamik, wie weit ist diese Branche tatsächlich?

Andreas Schulten: Die Branche ist zurzeit noch gar nicht so stark entwickelt. Obwohl sie in Deutschland schon früh gestartet ist – mit den Maklerplattformen Immobilienscout und Immowelt, die seit 2000/2001 eine wichtige Größenordnung erreicht haben. Brauchen wir eine bessere Gründerkultur? Deutschland wird schon immer vorgeworfen, überreguliert zu sein. Dies mag ein Hindernis sein. Regulierung gibt es in wichtigen Start-up-Hubs wie in Stockholm, Frankreich oder den USA aber genauso. Die Frage ist, gibt es genügend gute Ideen und genügend Bedarf am Markt. Viele Startups müssen sterben. Nicht alle können Airbnb sein. Das ist der limitierende Faktor.

Haufe Online-Redaktion: Bedarf es einer gemeinsamen Vision in der Branche?

Schulten:  Ich bezweifle, dass solche Visionen aus Verbänden kommen, denn sie fungieren eher als Lobbyisten. Freiräume, Originalität sind nötig, um Ideen zu fördern. So braucht es beispielsweise ein globales Flair. Auch eine reibungslose Anwendung der Technologien und ein gutes Design sind essenziell, dafür braucht es gutes Personal. Nicht zuletzt spielt die künstlerische Szene eine große Rolle. Deshalb ist zurzeit der Standort Berlin so beliebt bei Gründern, und nicht Frankfurt oder München.

Haufe Online-Redaktion: PropTechs leben digitale Technologien vor, wie weit sind etablierte Unternehmen hierbei?

Schulten: Sie sollten genauso weit sein. Damit meine ich, digitale Plattformen zu nutzen, die die Arbeitsabläufe leichter machen. Das macht schließlich ein PropTech aus. Energiedienstleister liegen hier im Branchenvergleich weit vorne.


Das Interview führte Laura Henkel.

Der Text ist im Fachmagazin "Immobilienwirtschaft", Ausgabe 07/8/2016, erschienen.

 

Lesen Sie auch:

Proptech-Firmen mischen die Branche auf

Tradition und Digitales als Schlüssel zum Erfolg?

Die Branche organisiert sich-wirkliche Innovationen fehlen

 

Schlagworte zum Thema:  Interview, Digitale Wirtschaft, Startup, Makler, Online-Plattform, Immobilien

Aktuell

Meistgelesen