Die Zusammenarbeit von Startups und Etablierten kann die Immobilienbranche voranbringen. Durch die unterschiedliche Expertise von Startups und Etablierten entstehen spannende neue Produkte und Services. Alexander Ubach-Utermöhl schildert seine Erfahrungen als Accelerator.

Herr Ubach-Utermöhl, die Expo Real bietet mit dem Real Estate Innovation Forum der PropTech-Szene eine Plattform, um sich darzustellen. Welche Voraussetzungen müssen PropTechs Ihrer Erfahrung nach erfüllen, um einen interessanten Mehrwert für etablierte Unternehmen zu schaffen?

Ubach-Utermöhl: Mittlerweile gibt es mehrere Plattformen und Netzwerke in der Immobilienbranche, die es PropTechs ermöglichen, sich untereinander und mit etablierten Akteuren zu vernetzen. Das Real Estate Innovation Forum während der Expo Real ist eine Option, eine andere ist das Unternehmernetzwerk German PropTech Initiative. Solche Plattformen sind für Gründer hilfreich, um in der Branche Fuß zu fassen, weil sie darüber ihre Kräfte bündeln können.

Grundsätzlich sind PropTechs dann erfolgreich, wenn sie effektiv bestehende Ineffizienzen in der Branche lösen können. Sobald ein PropTech es seinen Kunden entweder ermöglicht, durch die Standardisierung und Digitalisierung bestehender Prozesse signifikant Ressourcen zu sparen oder aber durch eine Erweiterung der Wertschöpfungskette neue Einkommensströme zu erschließen, hat es die Chance, langfristig erfolgreich zu sein.

Sie investieren alleine oder zusammen mit anderen Investoren in zukunftsfähige Startups der Immobilienwirtschaft. Wie viel Prozent dieser jungen Unternehmen etablieren sich dauerhaft im Markt?

Vor rund anderthalb Jahren haben wir mit unserem Blackprint PropTech Booster den ersten PropTech-Accelerator in der deutschen Immobilienbranche an den Start gebracht. Seither haben wir uns über den Booster-Fonds an elf deutschen und europäischen PropTechs beteiligt. Der Wert der Beteiligungen hat sich bis dato mehr als verdoppelt. Allein aus unserer zweiten Programmrunde haben kürzlich zwei PropTechs Finanzierungsrunden mit etablierten Unternehmen wie der Deutsche Wohnen oder neuen PropTech-fokussierten Venture-Capital-Investoren wie BitStone Capital und PropTech1 geschlossen.

Im Kontext einer sich dynamisch verändernden Welt ist "dauerhaft" allerdings schwer zu greifen und zu beschreiben. Worauf es – egal ob etabliertes Unternehmen oder PropTech – ankommen wird, um langfristig erfolgreich zu sein, sind die Bereitschaft und Fähigkeit, sich stetig weiterzuentwickeln. Konzerne wie General Electric und Siemens oder Finanzinstitute wie die Commerzbank haben sich im Vergleich zu ihrer Struktur vor zehn Jahren bereits stark verändert und müssen dies auch weiterhin tun.

Bei den PropTechs stellt sich die Frage, ob sie agil genug sind, die Anforderungen der Kunden aufzunehmen und entsprechend umzusetzen. Da dies grundsätzlich in der DNA der Tech-Unternehmen liegt, sehe ich die meisten hier gut gerüstet. Für den längerfristigen Bestand der PropTechs im Markt wird zudem entscheidend sein, wie ihre Wachstumsplanung angelegt und finanziert ist. Da stehen die Vorzeichen derzeit gut. Für clevere Geschäftsmodelle gibt es gutes Funding und damit auch Wachstumschancen.

Welche Trends stellen Sie im Hinblick auf die Innovationen der PropTechs in Deutschland fest?

Die PropTechs machen den digitalen Wandel greifbar. An ihrer Entwicklung lässt sich die fortschreitende digitale Transformation der Branche gut ablesen. Insofern ist es sinnvoll, die Entwicklungen und Anwendungsbereiche der PropTech-Unternehmen genau zu beobachten.

Wichtige Treiber für Innovationen sind zunehmend Technologien wie Künstliche Intelligenz, Machine Learning und Blockchain. Sie versetzen uns in die Lage, Werte zu heben, die wir ohne sie nicht erreichen würden. Was wir über diese Trends hinaus feststellen, ist, dass die Zusammenarbeit von PropTechs und Etablierten mittlerweile eine reifere Phase erreicht hat. An vielen Stellen bilden sich ernste Kooperationen heraus. Und dadurch werden in allerhand Bereichen spannende neue Geschäftsmodelle entstehen.

 

Zur Person:

Alexander Ubach-Utermöhl ist Geschäftsführer der blackprintpartners GmbH und des europäischen Accelerators blackprint PropTech Booster, der digitale Startups und etablierte Unternehmen im Rahmen gemeinsamer Pilotprojekte zusammenbringt. Neben Beteiligungskapital erhalten die Startups Coaching rund um die Themen Steuern, Eigenmarketing und Präsentationstechniken.

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