Alexander Ubach-Utermöhl, Geschäftsführer der blackprintpartners GmbH Bild: ebs-immobilienkongress.de

Die USA sind Vorreiter der digitalen Transformation. Wie sieht es mit einem Vergleich der deutschen PropTech-Szene aus? Und welche Marktbedingungen sind hierzulande nötig, um den großen Durchbruch mit Immobilien-Startups zu schaffen? Ein Interview mit Alexander Ubach-Utermöhl, Geschäftsführer der Blackprintpartners GmbH.

Herr Ubach-Utermöhl, Sie sind vergangenen Herbst mit etablierten Immobilienfirmen und PropTechs nach New York geflogen. Was hat Sie zu dieser Reise bewogen?

Wir wollten uns einen besseren Eindruck von der weltweiten PropTech-Szene verschaffen und besser verstehen, wo wir in Sachen Digitalisierung in Deutschland im Vergleich zu den USA stehen. Deshalb haben wir in New York nicht nur den Mipim Prop-Tech Summit besucht, sondern uns auch mit verschiedenen Branchenexperten und Unternehmen vor Ort ausgetauscht.

Mit welchem Ergebnis sind Sie zurückgekommen?
Mit einem durchaus positiven, wenngleich überraschenden: Wir müssen uns hier in Deutschland und Europa nicht vor den USA verstecken. Im Gegenteil. Wir haben uns viele amerikanische Geschäftsmodelle angeschaut – und darunter war keines, das technisch nicht auch in Europa hätte entstehen können. Was wir gesehen haben, waren alles Dinge, die wir so erwartet hatten.

Und während des Messerundgangs mussten wir sogar ein bisschen schmunzeln, weil ungefähr die Hälfte der PropTechs aus Europa kam.

Unsere Technologien und Innovationen können also definitiv mithalten.

Digitale Geschäftsmodelle in den USA leichter umsetzbar

Hat sich der Ausflug über den großen Teich gar nicht gelohnt?

Doch, aber es waren nicht die Geschäftsmodelle der Immobilien-Start-ups oder der vermeintliche technologische Vorsprung, die wir als wichtigste Erkenntnisse mitgenommen haben. Sondern drei andere Dinge. Erstens eröffnen die hohe Markttransparenz in den USA und der Zugriff auf große verfügbare Daten Gründern dort ganz andere Möglichkeiten für digitale Geschäftsmodelle.

Nämlich?
Triplemint aus New York beispielsweise. Das PropTech ist seit 2013 am Markt und nutzt frei verfügbare Daten, um zu prognostizieren, wann Nutzer beispielsweise ihre Wohnung verkaufen  werden. Triplemint analysiert bisherige Verhaltensweisen und geht dann – lange bevor der potenzielle Kunde einen Immobilienmakler beauftragen kann – aktiv auf die Eigentümer zu. Das Geschäftsmodell läuft sehr erfolgreich; zurzeit zwar nur in New York, aber es soll mittelfristig in ganz USA ausgerollt werden.

Aus europäischer Sicht ist so etwas aktuell kaum vorstellbar.

Ja, das stimmt. Aber technisch möglich ist es. Zweitens ist uns aufgefallen, dass etablierte amerikanische Unternehmen eher bereit dazu sind, in neue Technologien zu investieren.

Obwohl das Marktpotenzial auch in den USA längst nicht ausgeschöpft ist: Die Kultur ist in dieser Hinsicht eine ganz andere als in Deutschland.

Deshalb ist es auch kaum verwunderlich, dass der erste Venture-Capital-Fonds für Immobilien-Start-ups in den USA aufgelegt wurde. „Fifth wall“ hat 260 Millionen US-Dollar von der klassischen amerikanischen Immobilienwirtschaft eingesammelt. Das Konzept ist ähnlich wie bei unserem Accelerator blackprint PropTech Booster: Die Unternehmen, die sich da zusammengetan haben, bieten den Start-ups, die sie finanzieren, nicht nur das Geld, sondern auch die Kundenbeziehungen an. Aber das Finanzierungsvolumen ist ein ganz anderes.

Was haben Sie noch beobachtet?

Dass grundsätzlich die Finanzierungswilligkeit sowohl seitens der Immobilienbranche als auch der Venture-Capital-Gesellschaften größer ist als bei uns. Denn dadurch werden auch größere Finanzierungsrunden gedreht und höhere Bewertungen akzeptiert. Unter solchen Bedingungen werden Unternehmen schneller größer und dann macht es natürlich Spaß zu investieren.

Unicorns auch in Deutschland möglich

Start-ups mit einer Marktbewertung von einer Milliarde US-Dollar vor dem Börsengang werden in den USA als "Unicorns" bezeichnet. Kriegen wir das in Deutschland hin?

Möglich ist es durchaus. Meine Prognose ist aber, dass es dafür nicht ausreicht, nur den deutschen oder europäischen Markt abzudecken. Es müsste sich vielmehr um Unternehmen handeln, die den Sprung über den großen Teich schaffen, also in die USA oder nach Asien. Dann sind solche "Unicorns" auch hierzulande denkbar. In Amerika sind mit Compass, Homelink, SMS Assist und OpenDoor Labs laut CB Insights allein in 2017 vier neue Unicorns hinzugekommen. In Asien habe ich in Summe acht gezählt. Aber das sind eben auch sehr große Märkte.

Wenn es hierzulande an der Finanzierungsbereitschaft hapert, warum kaufen Unternehmen nicht direkt die Technologie-Idee und umgehen so die Investition in ein Start-up?

Die Jungunternehmen, die Tech Companies, gründen sich ja meistens aus Teams, die nicht aus der Immobilienwirtschaft kommen. Wir haben bundesweit etwa 250 Gründer im PropTech-Bereich gefunden. Davon sind maximal 20 Prozent zuvor mit Immobilien in Berührung gekommen. Für die Gründer ist es schwierig zu entscheiden, ob sie eine Kooperation mit einem großen Unternehmen eingehen oder einem Verkauf zustimmen sollen, da sie in der Regel keinen Marktzugang haben. Zudem würde ich immer empfehlen, das Unternehmen nicht frühzeitig an einen Strategen zu verkaufen, weil dann die Dynamik der jungen Company weg ist.

Ein Start-up kann sich viel schneller auf die veränderten Kundenbedürfnisse einstellen.

Es gibt keine Bestandswache; der Kundennutzen steht mehr im Fokus als bei vielen Etablierten. Mein Credo: Die Unabhängigkeit und Agilität sollten so lange wie möglich gewahrt werden.

Geschäftsmodelle gemeinsam mit etablierten Unternehmen weiter entwickeln

Wäre es aus Kundensicht nicht wünschenswert, dass sich mehrere relevante PropTechs zusammenschließen und ein digitales Immobilienprodukt auf den Markt bringen?

Das wäre ein logischer Schritt. Damit hätte der Kunde nicht mit einer Vielzahl von verschiedenen PropTechs zu tun, sondern würde das Angebot gebündelt von einem großen, besonders wettbewerbsfähigen Immobilien-Start-up erhalten.

Der Zusammenschluss von Insellösungen sollte das Ziel auf lange Sicht sein.

Theoretisch können PropTechs sehr einfach Synergien realisieren, weil sie digital aufgestellt und sehr flexibel sind. Noch tun sich Tech-Unternehmer allerdings teamübergreifend eher selten zusammen. Wichtig ist, dass sie ihre Geschäftsmodelle im Dialog mit etablierten Unternehmen weiterentwickeln. Denn dann erfolgt die Bewegung aus der Branche heraus oder zumindest gemeinsam mit der Immobilienwirtschaft und nicht ohne sie.

Vor welchen Herausforderungen stehen die PropTechs 2018 in Deutschland?

Im vergangenen Jahr haben rund zwei Dutzend PropTechs signifikante Finanzierungsrunden durchlaufen. Als signifikant betrachten wir, wenn eine Million Euro und mehr erreicht sind. 2017 haben in Summe 16 Unternehmen insgesamt 80 Millionen Euro eingesammelt.

Damit sind sie keine kleinen Start-ups mehr, sondern ernstzunehmende mittelständische Unternehmen auf Wachstumskurs.

Für sie wird es in diesem Jahr äußerst wichtig sein, das prognostizierte Wachstum und das Kundenversprechen tatsächlich auch einzuhalten. Nur so werden sie als fester und glaubwürdiger Bestandteil der Immobilienwirtschaft wahrgenommen.

ÜBER DIE START-UP PHASE HINAUS

Unternehmen, die 2018 wichtiger werden können:

Allthings

Brickvest

Doozer

Exporo

Home.ht

Homebell

Homelike

McMakler

Realbest

ShareDnC

Thermondo

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Zur Information

Die blackprintpartners GmbH hat gerade ein PropTech Yearbook veröffentlicht. Dieses gibt eine Übersicht über PropTechs in Deutschland, Österreich und der Schweiz: Rund 370 Unternehmensprofile in neun Kategorien, die beliebtesten Start-up-Hotspots, alle wichtigen Neugründungen in den vergangenen Jahren. Die digitale Version ist online kostenfrei erhältlich.

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Zur Person

Alexander Ubach-Utermöhl ist seit 2015 geschäftsführender Gesellschafter der blackprintpartners GmbH. Im Herbst 2016 hat er den blackprint PropTech Booster mitgegründet und ist seitdem Geschäftsführer des Accelerators für die deutsche Immobilienwirtschaft. Zudem ist er Initiator und Vorsitzender der German PropTech Initiative (GPTI) und seit Kurzem außerdem Mitglied im Advisory Committee der MIPIM PropTech. 

Schlagworte zum Thema:  PropTech, Digitalisierung

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