Bis heute gibt es für die Sanierung der Paulskirche, deren Bedeutung für die Demokratie größer ist als die der Frauenkirche oder der Garnisonskirche, keine nennenswerten Zuschüsse des Bundes.

Entschließt sich der Bund, für die Sanierung und eine zeitgemäße museale Nutzung Mittel bereitzustellen, wären verschiedene Fördertöpfe denkbar. Baustaatssekretär Gunther Adler sieht die Erforderlichkeit, gemeinsam darüber nachzudenken, wie man solche Symbole der Demokratie auch für die Zukunft erhält.

Verschiedene Fördertöpfe sind denkbar

Die erste Ansprechpartnerin dürfte in jedem Falle Monika Grütters (CDU) sein. Die Staatsministerin für Kultur und Medien im Bundeskanzleramt gibt auf ihrer Homepage an: „Der Bund übernimmt mit rund 1,2 Milliarden Euro etwa dreizehn Prozent der Gesamtausgaben für Kunst und Kultur. Er ist dabei für kulturelle Einrichtungen und Projekte von nationaler Bedeutung zuständig. Dadurch trägt er dazu bei, unser kulturelles Erbe zu erhalten.“

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Bewilligt wird dieses Budget über den Einzelplan 04 (Bundeskanzleramt) vom Haushaltsausschuss des gegenwärtigen Parlaments.

Otto Fricke (FDP) war nicht nur viele Jahre Vorsitzender des Haushaltsausschusses des Bundestages, sondern ist dort gegenwärtig auch der Berichterstatter für ebenjenen Einzelplan 04. Der Liberale ist sich der nationalen Bedeutung der Paulskirche bewusst.

„Ich habe überhaupt keine Zweifel, dass die FDP im Haushaltsausschuss für eine zusätzliche Mittelbereitstellung für die Paulskirche stimmen wird. Auch die anderen Parteien dürften dies gutheißen.“ Otto Fricke (FDP)

Wenn die Kulturstaatsministerin Grütters die Paulskirche unterstützen wollte, wäre dies somit wohl ohne Einsparungen an anderen Stellen einfach möglich. Leider findet sie keine Zeit, sich gegenüber der Zeitschrift "Immobilienwirtschaft" zu äußern.

Gunther Adler sieht gemeinsame Verantwortung

Baustaatssekretär Gunter Adler sieht die Erforderlichkeit gemeinsam darüber nachzudenken, wie man solche Symbole der Demokratie auch für die Zukunft erhält. Aus gut informierten Kreisen ist zu erfahren, dass es auch im Bundesfinanzministerium Überlegungen gibt, die Paulskirche in den Fokus einer breiteren Öffentlichkeit zu rücken.

Die Wirkungsorte von Monika Grütters, Gunther Adler und Otto Fricke – Kulturstaatsministerium, Bauministerium und Bundestag – entsenden, wie auch das Finanzministerium, sämtliche Mitglieder des Stiftungsrates der Bundesstiftung Baukultur. Dessen Vorstandsvorsitzender Reiner Nagel hat sich schon mit der Paulskirche beschäftigt. Auch er sieht die Diskrepanz zwischen der Bedeutung des Ortes und der Realität. Nagel mahnt jedoch, sich genau mit dem Thema zu befassen, um aus den heutigen Projektschritten eine nachhaltige Perspektive für die kommenden 50 bis 100 Jahre zu gewinnen.
Der Architekt und Stadtplaner weiß um demokratische Willensbildungsprozesse für derart prägnante Orte wie die Paulskirche. Darum regt er einen nationalen Dialog über die Zukunft des Bauwerkes, seiner Ausstellung und eines möglichen Besucherzentrums an. Es müsse ein Konsens darüber gefunden werden, welche Paulskirche man in den nächsten Jahrzehnten als Symbol der Demokratie präsentieren möchte: den Erbauungszustand, den Zustand während der Sitzungen des Paulskirchen-Parlaments oder jene schlichten, klaren Formen, die der Wiederaufbau der kriegszerstörten Kirche nach dem Krieg hervorbrachte. Nagel plädiert dafür, dass sich Staat und Zivilgesellschaft für die Paulskirche engagieren und ein Konsensmodell für die zukünftige Gestalt und Nutzung finden.

Oberbürgermeister von Frankfurt will bürgerschaftlichen Dialog

Genau diesen Dialog strebt auch Peter Feldmann (SPD) an. Der Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main ist sich der vielfältigen Bedeutungsebenen der Paulskirche bewusst. Vom Zahn der Zeit zur Instandsetzung der Paulskirche gezwungen, strebt er einen bürgerschaftlichen Dialog über die zukünftige Gestalt und Nutzung des Bauwerks an. Gleichzeitig soll die Finanzierung geklärt werden.

Lesen Sie weiter:

Kapitel 1: Paulskirche: Im nächsten Jahr geschlossen?

Kapitel 2: Die Paulskirche als positiver Erinnerungsort

Kapitel 4: Engagement der Immobilienbranche wäre ein starkes Zeichen

Schlagworte zum Thema:  Sanierung, Förderung