Die deutsche Demokratie ist eine föderalistische Demokratie, und die Paulskirche ist ein nationales Wahrzeichen. Möglicherweise liegen in diesem Sachverhalt einige der Gründe, weshalb das Bauwerk in seinem heutigen Zustand seiner  Bedeutung kaum gerecht wird: Eigentümer der Paulskirche ist die Stadt Frankfurt am Main. Für nationale Symbole engagiert sich aber der Bund.

Baustaatssekretär Gunther Adler wird nicht müde, die sehr guten Rahmenbedingungen und die hohe politische Stabilität als Grund zu nennen, warum Investoren nach Deutschland kommen. Diese Rahmenbedingungen beruhen auf einer stabilen Demokratie. Die jedoch ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit, sie ist harte Arbeit. Die lässt sich zu einem gewissen Maße delegieren – an Parlamente, Regierungen, Ministerien –, aber nicht vollständig. Demokratie braucht all jene, die von ihr profitieren – und dazu gehört auch die Immobilienbranche.

Auch die Demokratie braucht jeden Einzelnen, und sie braucht positive Erinnerungsorte, auf die man im besten Sinne stolz sein kann. Doch wo bietet die parlamentarische Demokratie der Bundes­republik Deutschland im 69. Jahr ihres Bestehens Orientierung? Worauf können Demokraten stolz sein?
Es gibt einen positiven Erinnerungsort, den jeder kennt und den gewiss jeder als Beweis anerkennt, dass unsere Demokratie die wichtigste und stabilste Grundlage des Zusammenlebens seit Jahrhunderten ist. Dieser Ort ist eine Immobilie.

Die Paulskirche ist marode

Man kann sich gut vorstellen, wie so ein Ort in Frankreich inszeniert würde, im Vereinigten Königreich oder in den USA. Derzeit befindet sich in der Paulskirche eine Ausstellung zu deren Geschichte, die mit dem neben der Kirche liegenden Paulsplatz um die traurigste Anmutung wetteifert. Bot die Paulskirche auch in diesem Jahr noch würdevollen Veranstaltungen wie der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels einen unvergleichlichen Rahmen, wird sie in Zukunft leer stehen müssen.
Für die Demokratie engagieren sich Bürger und Unternehmen.

Der Wiederaufbau der durch alliierte Bombenangriffe zerstörten Frauenkirche ist ein Beispiel für ein solches bürgerschaftliches Engagement. Ein anderes Beispiel ist der Wiederaufbau der Garnisonskirche in Potsdam, die nach Kriegsschäden vom DDR-Regime 1968 gesprengt worden war. Was mit bürgerschaftlichem Engagement und Gründung einer Stiftung begann, wurde durch erhebliche Mittel des Bundes und Übernahme der Schirmherrschaft über den Wiederaufbau durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu einer erfolgversprechenden Wiederaufbaumaßnahme.
Dass der Staat die Entwicklung seiner Demokratie und deren Parlaments in einem soliden und ansprechenden Ausstellungsrahmen darzustellen weiß, zeigt ein Besuch im Deutschen Dom auf dem Gendarmenmarkt in Berlin. Dort befindet sich die beeindruckende „Parlamentshistorische Ausstellung des Deutschen Bundestages“, die ganz augenscheinlich über hinreichend Mittel für Konzeption und Umsetzung verfügt.

Lesen Sie weiter:

Kapitel 1: Paulskirche: Im nächsten Jahr geschlossen?

Kapitel 3: Nennenswerte Zuschüsse für die Sanierung fehlen

Kapitel 4: Engagement der Immobilienbranche wäre ein starkes Zeichen

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