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Niedrigzins: Mietmarkt profitiert – Bausparkassen-Neugeschäft leidet

Der LBS-Chef hofft auf steigende Zinsen
Bild: Corbis

Sorgen am Mietmarkt ließen die Insolvenzquote in Europa zwischen Ende 2007 und Anfang 2009 von 1,7 Prozent auf drei Prozent nach oben schnellen. Seit 2013 ist die Zahl rückläufig, was Fidelity International unter anderem der durch niedrige Zinsen angekurbelten Konjunktur zuschreibt. Die Bausparkasse LBS Südwest rechnet mit einem um zehn Prozent geschrumpften Neugeschäft für 2016 und begründet das ebenfalls mit der Niedrigzinsphase.

„Mit ihrer Niedrigzinspolitik stützen die Bank of England und die Europäische Zentralbank die Mieternachfrage – und damit letztlich die Immobilienmärkte in Europa", sagt Iryna Pylypchuk, Senior European Real Estate Analyst bei Fidelity International.

Nach Einschätzung von Fidelity International sollten die Implikationen länger niedriger Zinsen nicht nur auf der Angebotsseite (Entwickler und Investoren), sondern auch auf der Nachfrageseite (Mieter) betrachtet werden.

Mieternachfrage nach hochwertigen Mietobjekten übersteigt Angebot

Günstige Finanzierungen und niedrige Zinsen haben Pylypchuk zufolge viele Unternehmen vor den negativen Folgen der Kreditklemme 2007 / 2008 bewahrt. In großen europäischen Ländern wie Deutschland und Großbritannien sei die Arbeitslosigkeit unverändert niedrig und die Erwerbsquoten so hoch wie nie. Dies habe dazu geführt, dass die Mieternachfrage nach modernen, hochwertigen Mietobjekten in vielen Märkten und Sektoren in Großbritannien und den Kernländern der Eurozone das Angebot übersteige.

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Wie die Zahlen des vierteljährlich erscheinenden Fidelity International European Income Risk Monitor, die Pylypchuk hier zugrundelegt, auch zeigen, ist es für verlässliche Aussagen über die langfristigen Auswirkungen quantitativer Lockerungen und niedriger Zinsen auf die Mieternachfrage, insbesondere bei europäischen Gewerbeimmobilien, noch zu früh.

"Aber unsere Ergebnisse dürften sehr ermutigend für Anleger in einer Phase sein, in der die Mieterträge der Haupttreiber der künftigen Renditen an den Immobilienmärkten sind", so Pylypchuk abschließend.

Bausparen? So wirklich gut laufen die Geschäfte nicht mehr

Tilmann Hesselbarth, der Chef der Landesbausparkasse LBS Südwest, rechnet für 2016 mit einem Brutto-Neugeschäft von etwa 9,5 Milliarden Euro. Das sind knapp zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Eine Reaktion auf diese Entwicklung gab es bereits: Die Bausparkassen schaffen die Einlagensicherung von Großkunden ab.

Die verbreitete Ansicht bei Verbrauchern, dass die Niedrigzinsphase "noch Jahre oder noch länger dauert" würde nun dafür sorgen, dass wieder weniger Menschen Bausparvertrag abschließen. Das ist Hesselbarth zufolge ein Fehler:

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Schwäbisch Hall erwartet einen Rückgang um fünf auf 30 Milliarden Euro im Neugeschäft 2016. Die private Bausparkasse muss seit dem Sommer Einbußen hinnehmen. Im Herbst 2015 hatte Wüstenrot die Tarife geändert und diese an das aktuelle Niedrigzinsniveau angepasst.

Hesselbarth geht davon aus, dass die USA die Leitzinsen bald anheben werden und auch die deutsche Politik vor der Bundestagswahl 2017 auf ein höheres Zinsniveau im Euroraum hinwirken und somit höhere Zinsen für Sparer und Sozialversicherungssysteme durchsetzen wird, etwa für Betriebsrenten.

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sagt Hesselbarth. Er glaubt, dass die Aussicht auf steigende Zinsen bald dazu führen wird, dass wieder mehr Deutsche einen Bausparvertrag abschließen werden.

Aktuell macht die Niedrigzinsphase der Bausparbranche schwer zu schaffen. Die Ertragslage ist angespannt.

Schlagworte zum Thema:  Miete, Bausparkasse, Neugeschäft, Zinsen, Bausparvertrag, Immobilienmarkt

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