Häuslebauer können sich über die Geldpolitik der EZB freuen Bild: lichtkunst73 ⁄

Die Europäische Zentralbank (EZB) belässt den Leitzins trotz anziehender Inflationsraten im Euroraum (auf 1,1 Prozent) bei null Prozent. Kreditnehmer wird das freuen: Die Konditionen für Immobilienkredite dürften bei etwa 1,4 Prozent für Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung verharren, sagt Michiel Goris, Vorstandsvorsitzender der Interhyp AG.

Die EZB strebt mittelfristig für den europäischen Währungsraum eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent an – nach Meinung von EZB-Präsident Mario Draghi weit genug entfernt von der Nullmarke. Das viele billige Geld soll im Idealfall die Konjunktur ankurbeln und die Teuerung anheizen. Die Niedrigzinsen seien auch im Interesse der Deutschen, so Draghi. Die Menschen seien nicht nur Sparer, sondern auch Verbraucher, Kreditnehmer und Arbeitnehmer.

Zinsanstieg hängt von Einflüssen in USA ab – Bauzinsen von deutschen Staatsanleihen und Pfandbriefen

„Derzeit erscheint es sehr unwahrscheinlich, dass Immobilienkäufer 2017 in den Genuss neuer Tiefstände bei den Zinsen kommen“, so Goris.

Das Interhyp-Bauzins-Trendbarometer geht in den nächsten Wochen von gleichbleibenden Finanzierungsbedingungen für Häuslebauer aus. Erst mittel- bis langfristig werden höhere Zinsen prognostiziert. Die meisten Experten machen einen Zinsanstieg im laufenden Jahr vor allem von den Einflüssen aus den USA fest. „In den nächsten Monaten wird sich zeigen, wie sehr der amerikanische Konjunkturoptimismus nach Europa strahlt“, so Goris.

Da die Bauzinsen in erster Linie von den deutschen Staatsanleihen und Pfandbriefen abhingen, sollten Immobilienkäufer auch hiesige Renditen im Auge behalten.

"Bleiben deutsche Staatsanleihen gefragt, wirkt das einem starken Anstieg der Renditen entgegen und Baugeld wird vermutlich teurer werden", so Goris.

Aufgrund der politischen Unwägbarkeiten durch den Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Donald Trump, müssen Kreditnehmer laut Interhyp unabhängig von diesem Gesamttrend mit stärkeren Schwankungen rechnen. „Vor diesem Hintergrund auf weiter fallende Zinsen zu spekulieren, ist wenig ratsam", sagt Goris.

Höheres Zinsniveau wahrscheinlich bei begrenztem Aufwärtstrend

Frühere Andeutungen der EZB, die lockere Geldpolitik zurückfahren zu wollen, hatte Interhyp bereits im Dezember eher als langfristig zu erwarten interpretiert. Jetzt machte Draghi klar: Hoffnungen auf eine baldige Wende hin zu höheren Zinsen wolle er nicht schüren. Die Zinsen würden noch lange niedrig bleiben.

Interhyp rät Kreditnehmern im aktuellen Zinsumfeld zu einer soliden Finanzierungstaktik.

„Wichtig bleiben hohe Tilgungsraten von mindestens drei Prozent. Wer hoch tilgt, minimiert das Risiko, bei einer Anschlussfinanzierung zu höheren Zinsen eine hohe Restschuld prolongieren zu müssen“, sagt Goris.

Solche Tilgungsraten hat Interhyp bisher nur in Dresden und Stuttgart ausgemacht. Effekte durch die leicht sinkende Inflation, Konjunkturhoffnungen durch Trump oder sich stabilisierende Arbeitsmarktdaten reichen laut Goris als Impulse nicht aus, um eine eindeutige Trendwende einzuläuten. Auch die Leitzinserhöhung der amerikanischen Notenbank Fed Mitte Dezember 2016 ist laut Interhyp im aktuellen Zinsniveau eingepreist.

Niedrigzinspolitik stützt Mieternachfrage

Sorgen am Mietmarkt hatten einer Analyse von Fidelity International zufolge die Insolvenzquote in Europa zwischen Ende 2007 und Anfang 2009 von 1,7 Prozent auf drei Prozent nach oben schnellen lassen. Seit 2013 ist die Zahl rückläufig, was Fidelity International unter anderem der durch niedrige Zinsen angekurbelten Konjunktur zuschreibt. Die Bausparkasse LBS Südwest rechnet mit einem um zehn Prozent geschrumpften Neugeschäft für 2016 und begründet das ebenfalls mit der Niedrigzinsphase.

„Mit ihrer Niedrigzinspolitik stützen die Bank of England und die Europäische Zentralbank die Mieternachfrage – und damit letztlich die Immobilienmärkte in Europa", sagt Iryna Pylypchuk, Senior European Real Estate Analyst bei Fidelity International.

Nach Einschätzung von Fidelity International sollten die Implikationen länger niedriger Zinsen nicht nur auf der Angebotsseite (Entwickler und Investoren), sondern auch auf der Nachfrageseite (Mieter) betrachtet werden.

Mieternachfrage nach hochwertigen Mietobjekten übersteigt Angebot

Günstige Finanzierungen und niedrige Zinsen haben Pylypchuk zufolge viele Unternehmen vor den negativen Folgen der Kreditklemme 2007 / 2008 bewahrt. In großen europäischen Ländern wie Deutschland und Großbritannien sei die Arbeitslosigkeit unverändert niedrig und die Erwerbsquoten so hoch wie nie. Dies habe dazu geführt, dass die Mieternachfrage nach modernen, hochwertigen Mietobjekten in vielen Märkten und Sektoren in Großbritannien und den Kernländern der Eurozone das Angebot übersteige.

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Wie die Zahlen des vierteljährlich erscheinenden Fidelity International European Income Risk Monitor, die Pylypchuk hier zugrunde legt, auch zeigen, ist es für verlässliche Aussagen über die langfristigen Auswirkungen quantitativer Lockerungen und niedriger Zinsen auf die Mieternachfrage, insbesondere bei europäischen Gewerbeimmobilien, noch zu früh.

"Aber unsere Ergebnisse dürften sehr ermutigend für Anleger in einer Phase sein, in der die Mieterträge der Haupttreiber der künftigen Renditen an den Immobilienmärkten sind", so Pylypchuk abschließend.

Schlagworte zum Thema:  Miete, Bausparkasse, Neugeschäft, Zinsen, Bausparvertrag, Immobilienmarkt, Immobilienkredit

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