Niedersachsen: 400 Millionen Euro für sozialen Wohnungsbau

Die niedersächsische Landesregierung wird 400 Millionen Euro zusätzlich für die soziale Wohnraumförderung ausgeben. Das teilte das Bauministerium mit. Das Geld stammt aus dem Haushaltsüberschuss 2018. Die Wohnungswirtschaft sprach von einer "Kehrtwende in der Wohnungspolitik".

Der auch für den Bausektor zuständige Umweltminister Olaf Lies (SPD) mahnte, dass von den 74.887 Sozialwohnungen in Niedersachsen (Stand Dezember 2018) bis zum Jahr 2022 mehr als 30.000 aus der Mietbindung herausfielen. Von 2012 bis zum vergangenen Jahr waren 23.000 Wohnungen betroffen (minus 23,42 Prozent). Im Vergleich zu 2017 beträgt der Rückgang mehr als 7.600 Wohnungen (minus 9,22 Prozent).

Die Landesregierung will deshalb die Zahl der geförderten Wohnungen auf 4.000 pro Jahr steigern. Mit den nun zusätzlich zur Verfügung gestellten 400 Millionen Euro könnten bis 2023 Fördermittel von bis zu 1,7 Milliarden Euro mobilisiert und investiert werden.

"Die soziale Wohnraumförderung ist das Herzstück, wenn es darum geht, das Angebot an bezahlbaren Wohnungen auszuweiten. ... Die Verbandsbeteiligung zu den neuen Förderbestimmungen ist bereits gestartet." Olaf Lies, Bauminister von Niedersachsen

>> Videoclip: Entwicklung der Sozialwohnungsbestände in Niedersachsen (vdw)

Wohnungswirtschaft: "Lang ersehnte Kehrtwende"

Die Zusage der Landesregierung, nach mehr als 15 Jahren wieder mit eigenen Mitteln in den sozialen Wohnungsbau einzugreifen, ist nach Auffassung der Wohnungswirtschaft ein wichtiges sozialpolitisches Signal.

Von einer "lang ersehnten Kehrtwende in der niedersächsischen Wohnungspolitik" sprach Heiner Pott, Direktor des Verbands der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Niedersachsen und Bremen (vdw). Letztlich sei dies auch ein Verdienst der Beteiligten im " Bündnis für bezahlbares Wohnen in Niedersachsen". Mit dem Geld könnten bis 2023 rund 14.000 neue Wohnungen gefördert werden.

"Um das von Ministerpräsident Stephan Weil und dem Bündnis formulierte Ziel, 40.000 neue bezahlbare Wohnungen bis 2030 zu erreichen, müssen zusätzliche finanzielle Anstrengungen unternommen werden." vdw-Chef Heiner Pott

Steigende Baukosten, fehlendes Bauland und erschöpfte Kapazitäten im Bauhandwerk seien weitere Herausforderungen. Zu diesen Punkten habe des Bündnis ebenfalls Vorschläge erarbeitet, die nun umgesetzt werden müssten.

Das 2018 auf Initiative des vdw und des Bauministeriums gegründete Bündnis hatte zuvor Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Förderbestimmungen für den sozialen Wohnungsbau vorgelegt. Durch höhere Sätze und Tilgungsnachlässe sowie die Anhebung der berücksichtigungsfähigen Gesamtkosten sollen Anreize geschaffen werden, in den sozial geförderten Wohnungsbau zu investieren.


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Schlagworte zum Thema:  Wohnungsbau, Fördermittel, Förderung