Experten des ifo-Instituts haben sich für die künftige Berechnung der Grundsteuer auf Grundlage der Wohn- und Grundstücksfläche ausgesprochen. Beim so genannten Flächenmodell komme es zu einer deutlich gleichmäßigeren Verteilung der Steuerlast. Das Bundesverfassungsgericht hatte im April für die Neuregelung der Grundsteuer eine Frist bis Ende 2019 gesetzt.

Mit rund 14 Milliarden Euro ist die Steuer eine der größten Einnahmequellen von Städten und Gemeinden. In der Diskussion für die von den Verfassungsrichtern angeordnete Grundsteuerreform sind bisher drei Modelle:

  • das Bodenwertmodell, das den Wert des Grundstücks als Grundlage für die Höhe der Steuer nimmt,
  • das Kostenwertmodell, in das auch Bau- oder Sanierungskosten für die Häuser mit einfließen, und
  • das vom ifo-Institut empfohlene flächenbezogene Äquivalenzmodell, das auch von Bayern favorisiert wird, und das die reine Fläche von Grundstück und Gebäuden zugrunde legt.

"Das hätte gegenüber wertbasierten Modellen erhebliche Vorteile. Vor allem Steuervereinfachung: Wir würden hohe Bewertungskosten vermeiden." (ifo-Präsident Clemens Fuest)

Geeignet sei eine Kombination aus Grundstücks-, Wohn- und Nutzfläche. "Dafür reicht eine einmalige Bestimmung", sagte Fuest in Berlin bei Vorstellung der Studie, die im Auftrag der Verbände Haus & Grund und Zentraler Immobilien-Ausschuss ZIA erstellt wurde.

ifo-Institut warnt vor übermäßiger Belastung von Hausbesitzern und Mietern

Eine Berechnung nach Fläche würde komplizierte Berechnungen nach dem Wert der Immobilie vermeiden, zudem würden sonst Hausbesitzer und Mieter in Großstädten wegen steigender Preise übermäßig belastet, teilt das ifo-Institut mit. Eine Berechnung nach Fläche würden die Bürger in Zeiten steigender Immobilienpreise später vor höheren Steuerlasten bewahren.

Außerdem müssten wirtschaftlich starke Bundesländer mit hohen Immobilienpreisen wie Bayern und Baden-Württemberg bei den anderen Modellen nach Angaben von ifo-Präsident Fuest mehr Geld in den Länderfinanzausgleich einzahlen.

Wertebasiertes Modell am gerechtesten?

Ein wertebasiertes Modell mit höheren Grundsteuerlasten in gefragten Regionen und niedrigeren Kosten in ländlichen Regionen wird oft als die gerechteste Lösung angesehen, aber auch als die aufwändigste. Und die Zeit drängt.

Eine Sprecherin von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) betonte, bis Ende 2018 werde ein Vorschlag zusammen mit den Ländern erarbeitet: "Wenn es soweit ist, werden wir es rechtzeitig ankündigen".

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