Mitarbeitertreue: Von authentischen Arbeitgebern und Sabbaticals

Die Immobilienbranche boomt und wandelt sich so schnell und tiefgreifend wie nie zuvor: Auch auf der Expo Real werden neue Antworten auf die Frage gesucht, wie Unternehmen die besten Mitarbeiter finden. Mike Schrottke ist Head of People bei CBRE und erklärt, was dabei unbedingt zu beachten ist.

Mitarbeiter finden ist allerdings nur eine Seite der Medaille: Genauso wichtig ist es zu überlegen, wie diese wertvollen neuen Kolleginnen und Kollegen möglichst langfristig gehalten werden können. Die Kriterien dafür haben sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt.

Wenn Arbeitgeber zu Kandidaten werden

Wir befinden uns in einer Zeit des ausgeprägten „Arbeitnehmermarktes“. 4,9 Prozent Arbeitslosigkeit führen dazu, dass sich Kandidaten ihren Job auswählen können und die Unternehmen somit zu Bewerbern werden.

Diese Veränderung zeigt sich zuerst im Recruiting: Bewerber treten heutzutage deutlich selbstbewusster auf und hinterfragen sehr gezielt und kritisch, was der potenzielle Arbeitgeber ihnen denn so bietet. Schließlich können sie ihren Arbeitgeber mehr oder weniger frei wählen. Dabei zielen die Fragen nicht nur auf die Entlohnung oder Benefits ab. Der eigenen Entwicklungsmöglichkeit im Unternehmen, der Feedbackkultur und auch der Möglichkeit, autonom und eigenverantwortlich arbeiten zu können, werden eine hohe Bedeutung beigemessen. Wer hierfür nicht die passenden Antworten parat hat, ist schnell wieder aus dem Rennen.

Aber wie findet ein Unternehmer die passenden Kandidaten? Wer dabei lediglich auf ein oder zwei Online-Portale und Zeitungsannoncen setzt, sucht vermutlich länger als andere. Kreativität ist gefragt und vor allem die Einbindung möglichst vieler Mitarbeiter in die Suche. Auch neue Ansätze im Executive Search setzen sich immer weiter durch – das Stichwort lautet „data-driven“.

Wenn Senior auf Junior trifft

Wenn es darum geht, Mitarbeiter nicht nur zu gewinnen, sondern auch zu langfristig zu halten, ist die passende Unternehmenskultur ein wichtiger Aspekt. Und sie wird in einer Zeit, in der viele Unternehmen ähnliche Nebenleistungen anbieten, immer häufiger zum entscheidenden Faktor. Denn es gibt viele „Dos and Don'ts“ im Umgang miteinander, die über die Motivation und letztlich auch den Verbleib entscheiden. Es ist deshalb zum Beispiel immer ein gutes Investment, wenn ein Arbeitgeber Workshops zum Teambuilding ermöglicht, um so das gegenseitige Vertrauen und die Zusammenarbeit im Unternehmen zu stärken.

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Die Königsdisziplin hierbei sind übrigens Reverse-Mentoring-Programme: Digital Natives helfen den Babyboomern dabei, sich im digitalen Zeitalter zurechtzufinden, und zeigen, was es beim Thema Social Media außer Facebook sonst noch so gibt. Denn Facebook ist ja nur noch „for old people“, wie es in einem Recruiting-Video auf Youtube heißt. Apropos Youtube – natürlich sollte ein Arbeitgeber heutzutage auf den Social-Media-Kanälen auch aktiv unterwegs sein. Dabei genügt eine quasi ‚tote‘ Seite auf XING nicht mehr für ein modernes Arbeitgeber-Image. Und auch Mitarbeiter sollten animiert werden, sich ins Netz zu trauen. Gab es bis vor einigen Jahren überall noch ein Verbot zur privaten Nutzung des Internets, so sind mittlerweile Leitfäden zur Gestaltung der eigenen Karriere-Website und des Auftritts bei LinkedIn fast schon ein ‚must-have‘.

Allerdings dürfen sich die Arbeitgeber nicht allein auf die jungen Nachwuchskräfte konzentrieren. Genauso wichtig sind die Seniors mit jahrelanger Berufserfahrung, die im Idealfall bis vor die vergangene Immobilien- und Wirtschaftskrise Ende der 2000er-Jahre zurückreicht. Daher gilt es, weiterhin gute Angebote auch zur Fachkarriere und ein breites Weiterbildungsangebot im Portfolio zu haben.

In der Weiterbildung wiederum sind inzwischen kurze, spannende Formate des Wissensaustauschs viel gefragter als lange Ausbildungsprogramme. Die Verknüpfung von Lernen und Netzwerken wird von allen sehr gerne angenommen. Firmeninterne Netzwerk-Events eignen sich dafür genauso gut wie Angebote zum „Lunch & Learn“. 70 Prozent der Weiterentwicklung obliegen in modernen Unternehmenskulturen dann den Führungskräften. Klassische Seminare bilden nur noch zu einem geringen Anteil die Basis der Weiterbildung. Die Führungskraft ist erster Personalentwickler und „Learning on the job“ ein sehr wichtiger Teil einer guten Weiterbildungskultur. Auf diese Aufgabe sollten die Führungskräfte im Unternehmen gut vorbereitet werden. Führungskräfte zu haben, die konstruktives Feedback geben können und flexibel in ihren Führungsstilen sind, zeichnet eine gute Führungskultur aus. Die Mitarbeiter sollten von ihren Führungskräften bei ihren täglichen Aufgaben nicht eingeschränkt, sondern tatkräftig unterstützt werden. Die Führungskraft entwickelt sich so immer mehr zum Coach, der den Mitarbeitern genügend Freiraum zum eigenverantwortlichen Arbeiten ermöglicht.

Weg vom Firmenwagen hin zum extra Urlaubsmonat

Viel hat sich in den zurückliegenden Jahren auch bei den Nebenleistungen verändert: Heutzutage ist es nicht mehr der obligatorische Firmenwagen, der die Mitarbeiter begeistert. Vielmehr sind die Option auf zusätzliche Urlaubstage oder ein Sabbatical positiv besetzte Angebote, die Bewerber und Mitarbeiter aller Generationen überzeugen. Wird dies dann noch kurzfristig und unkompliziert genehmigt, freut es die Mitarbeiter umso mehr.

Ein weiteres positives Argument für den Verbleib beim aktuellen Arbeitgeber ist Transparenz und Fairness beim Gehalt. Der entscheidende Faktor ist dabei nicht die Höhe des Gehalts selbst, vielmehr wünschen sich die Mitarbeiter, für die eigene Arbeitsleistung fair entlohnt zu werden und dies auch transparent nachvollziehen zu können. Gehaltserhöhungen auf Basis von „Pi mal Daumen“ oder per Nasenfaktor haben heutzutage ganz schlechte Karten.

Neben der Transparenz in der Gehaltsfestlegung sollte der Job auch möglichst anspruchsvoll bleiben und so gestaltet sein, dass sich Arbeit und Privatleben nicht im Wege stehen. Neben inhaltlichen Challenges und immer wieder neuen Anregungen ist daher unter anderem wichtig, dass die Arbeit an sich auch möglichst flexibel gestaltet werden kann.

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Wirklich gut kommt das natürlich erst dann an, wenn die technische Ausstattung so ausgereift ist, dass das Arbeiten von zu Hause genauso leicht möglich ist wie aus dem Büro heraus.

Bei allen Angeboten, die ein Arbeitgeber im Recruiting verspricht, ist die Antwort auf eine Frage, die alles entscheidende: Findet der neue Mitarbeiter auch all das wieder, was ihm am Anfang blumig an die Wand gemalt wurde? Authentizität ist sehr wichtig und das entscheidende Stichwort! Die Erwartungshaltung, die im Recruiting-Gespräch aufgebaut wurde, sollte sich für die neuen Mitarbeiter im täglichen Arbeitsalltag möglichst zu 100 Prozent wiederfinden: Aussagen zu Kultur, Vertrauen, Flexibilität, Benefits und den Möglichkeiten der persönlichen Weiterentwicklung müssen sich unbedingt als wahr erweisen. Bleiben sie leere Versprechungen, geht die Suche nach einem neuen Kandidaten für die betreffende Position ganz bald von Neuem wieder los.

Veranstaltungstipps zum Thema:

Mitarbeiter gewinnen und halten

7. Oktober 2019

13:00 - 14:00 Uhr

Halle A1, Konferenzraum A11

Teilnehmer: Sandra Scholz, Commerz Real AG, Markus Reinert, IC Immobilien Gruppe, Holger Matheis, BEOS AG, Mike Schrottke, CBRE GmbH


Geld oder Sinn - Was will der Nachwuchs in der Immobilienbranche?

9. Oktober 2019

12:00 - 12:45 Uhr

Halle B1, Konferenzraum B11

Moderator: Harald Thomeczek, IZ Immobilien Zeitung

Teilnehmer: Reinhard Kutscher, Union Investment Real Estate GmbH, Susanne Tattersall, TATTERSALL·LORENZ Immobilienverwaltung und -management  GmbH, Inga Beyler, Bernd Heuer Karriere GmbH & Co. KG, Caroline Manteuffel, GARBE Industrial Real Estate GmbH, Gerd Kropmanns, DIE WOHNKOMPANIE NRW GmbH

Schlagworte zum Thema:  Expo Real