Mipim 2017 in Cannes: Wenn eines auf der Immobilienmesse in Cannes deutlich wurde, ist es, dass offenbar nicht nur in der Politik Prognosen immer schwieriger werden. Bild: YouTube

Zur internationalen Immobilienmesse in Cannes kamen im März mehr als 24.000 Teilnehmer. Die Stimmung unter den Teilnehmern war deutlich gelassener, als im Vorfeld der Messe zu erwarten war: Von den Unsicherheiten etwa in Folge des Brexit, der neuen Wirtschaftspolitik der USA oder den bevorstehenden Wahlen in Frankreich und Deutschland war auf den Konferenzen und an den Ständen zwar oft die Rede, doch trübte dies nicht den optimistischen Grundtenor der Messe.

„Der Markt ist sehr eng und nur wenige Produkte sind verfügbar – insofern schätzen auch auf der Mipim alle Beteiligten sehr realistisch ein, welche Transaktionsvolumina angesichts dieser Rahmenbedingungen möglich sind“, bestätigt Iris Schöberl, Managing Director Germany und Head of Institutional Clients BMO Real Estate Partners Deutschland.

Ein weiterer „Nachteil“ aus Investorensicht: Angesichts der Konstellation „Hohe Nachfrage trifft auf knappes Angebot“ prognostizieren viele Marktbeobachter weiter steigende Preise; die Renditekompression werde zunehmen – wenngleich nicht mehr so stark, da inzwischen die Mieten wieder steigen.
Experten wie Ignaz Trombello, Leiter Investment bei Colliers International Deutschland, rechnen in diesem Jahr mit einem ähnlich lebhaften Investmentmarkt wie 2016, zumal sich die Vermietungsmärkte zuletzt sehr positiv entwickelten.

London Calling

War das Gedränge an den deutschen Ständen groß auf der Mipim, am Stand von London war es noch größer. Offenbar sehen viele Investoren auf den Londoner Immobilienmärkten Chancen – Brexit hin oder her. Den subjektiven Eindruck des Messebeobachters bestätigt eine auf der Mipim präsentierte Studie von CBRE: Danach bleibt London der attraktivste Investmentstandort in Europa. Platz zwei in der Gunst der Investoren nimmt Berlin ein, gefolgt von Paris, Amsterdam und Warschau.

Marktbeobachtern zufolge hält sich in London der volatilste Markt – Büroimmobilien – allen Unkenrufen zum Trotz bisher recht gut. „Blicken wir zurück bis Anfang 2016, so stellen wir zunächst einen starken Anstieg der Mieten und Preise der Büroimmobilien im Londoner Zentrum und dann eine Plateauphase fest. Die Beobachter sahen folglich im Brexitfall einen
Einbruch der Nachfrage und einen starken Abfall der Mietpreise voraus“, berichtet Alban Lhonneur, Fondsmanager bei BMO Global Asset Management.

„Tatsächlich halten sich die Flächenmieten neun Monate nach der britischen Entscheidung für den EU-Austritt stabil, auch wenn man eine Lockerung der Mietbedingungen wie etwa mietfreie Monate feststellt.“ Auch die Direktinvestitionen in diesem Segment scheinen bislang unbeeindruckt – so wurde kürzlich das Leadenhall Building von British Land und Oxford Properties für 1,3 Milliarden Euro und damit 26 Prozent über seinem im September 2016 geschätzten Wert an die chinesische Investmentfirma CC Land verkauft. Bisher habe der Kursverfall des Pfunds erheblich zur Unterstützung des Marktes beigetragen; doch längerfristig sei eine langsame Abschwächung dieses Marktsegments wahrscheinlich, da der
Austrittsprozess von Großbritannien nach und nach erfolgen wird, meint Lhonneur.

Savills-Experte Lemli zufolge wird London wieder stärker in den Fokus rücken. „Hier korrigieren die Preise. Das eröffnet Investoren Möglichkeiten, die in den vergangenen Jahren nicht zum Zug gekommen sind.“

Wenn eines auf der Immobilienmesse in Cannes deutlich wurde, ist es, dass offenbar nicht nur in der Politik Prognosen immer schwieriger werden. Was es für sämtliche Akteure auf den internationalen Immobilieninvestmentmärkten sehr viel schwieriger machen dürfte, nachhaltig rentable Investitionen zu tätigen.

„Der kluge Investor bleibt vorsichtig“, rät Harald Engbrocks von Atlanticus.

Und meint damit: Keinesfalls alle "Eier" in einen Korb legen.

Filmimpressionen

Sie möchten noch einmal die Mipim in Cannes Revue passieren lassen? Die Redaktion der „Immobilienwirtschaft“ war wieder mit einem Filmteam vor Ort und hat Impressionen vom Messegeschehen und Messestatements unter anderem von Bouwfonds, Drooms, Strabag und Yardi in mehreren Videos festgehalten.

Mipim 2017: Deutschland im Blickfeld der Investoren 

Strahlender Sonnenschein zur diesjährigen Immobilienmesse Mipim in Cannes. Und nicht nur das Wetter ist gut, auch die Stimmung der rund 23.000 Teilnehmer im und um das Palais des Festivals. Trotz Brexit, Trump und das Risiko steigender Zinsen – die Nachfrage nach Grundstücken und Immobilien ist nach wie vor groß. Vor allem  Deutschland steht im Blickfeld der Investoren – ein hart umkämpfter Markt. 

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Mipim 2017: Zwischen Brexit und Digitalisierung 

Neben den aktuellen Krisen der Welt, beschäftigen sich die Investoren auf der Immobilienmesse Mipim auch mit der digitalen Revolution und deren Auswirkungen auf die Immobilienbranche.

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Drooms: Machine Learning in der Datenanalyse 

Das Unternehmen Drooms will die Immobilienbranche künftig mit dem Einsatz von Machine Learning bei der automatisierten Datenanalyse unterstützen. Sie helfen bei der individuellen Beurteilung möglicher Risiken und Chancen und bieten eine direkte Weiterverarbeitung der Informationen. Ein Gespräch mit Alexandre Grellier, CEO von Drooms.

Alexandre Grellier, CEO Drooms Bild: Drooms

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Transparenz und Effizienz in der täglichen Arbeit 

Der Software-Anbieter Yardi setzt auf Transparenz und Effizienz in der Immobilienbranche. Wie das gelingt, erklärt Richard Gerritsen, Regional Direktor Europa Yardi.

Richard Gerritsen, Regional Direktor Europa Yardi Bild: Yardi

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Die größten Herausforderungen für Projektentwickler 

Wie sich die internationale Marktsituation für Projektentwickler in den kommenden Jahren verändert, erklärt Thomas Hohwieler, Geschäftsführer Strabag Real Estate.

Thomas Hohwieler, Geschäftsführer Strabag Real Estate Bild: Strabag

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Immobilien werden smart

Die Digitalisierung verändert Arbeits- und Lebensgewohnheiten immer mehr. Auch die Gebäude. Deren digitale Infrastruktur wird so wichtig wie früher der Gleisanschluss für eine Fabrik, und zwar in sämtlichen Immobilienarten, sagt Martin Eberhardt FRICS, Managing Director Client Relations Bouwfonds Investment Management.

Martin Eberhardt FRICS, Managing Director Client Relations, Bouwfonds Investment Management Bild: Bouwfonds

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Mipim Digital

Die Weltwirtschaft bereitet keine Sorge – das behaupten außer CA-Immo-Finanzvorstand Hans Volkert Volckens fast alle auf der Mipim. Thomas Köntgen, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Pfandbriefbank, spricht vom besten Ergebnis seines Instituts seit dem Neustart, vom gelungenen Einstieg in den Finanzierungsmarkt der USA.

Und der Brexit? Alistair Maedows, Head of Capital Markets UK, erzählt vom boomenden London, dem der Brexit nichts anhaben kann, vom Boom bei asiatischen Investoren, die lieber im London des Brexits investieren als im Rest einer unsicheren EU. Die meisten Unternehmer ließen sich Befürchtungen jedenfalls nicht anmerken.

Ein großes Thema war das Digitale. Fast jeder spricht inzwischen über die Möglichkeiten, die Digitalisierung und Innovation Immobilienunternehmen und ihren Kunden bieten. Dieses Jahr waren Start-ups integriert. Sie warteten auf ihren gefängniszellengroßen Flächen im Keller
auf Kundschaft. Und sie mussten nicht lange warten, denn Interessenten strömten reichlich. Der Keller mutierte so zu einem der pulsierenden Zentren des Messegeländes: Zukunftsthemen sind endgültig in der Gegenwart angekommen.

Drohnen & Co.

Die Firmen Parrot und Dronotec präsentierten ihre Geschäftsmodelle, per Drohnen 3D-Bilder von Immobilien zu machen. Facility Lockers zeigten die mit DHL und anderen Lieferanten verbundene Packstation vor Immobilien. Geofencing-Lösungen, die etwa dem Shopbetreiber über das Kaufverhalten von Kunden Auskunft geben, waren ebenso vertreten wie mit Mygdaas ein Start-up, das Unternehmen dabei hilft, stationäre Daten in die Cloud zu bringen.

Disruptive Technologies stellte einen Minisensor vor, den man an Fenster, Türen, Gerätschaften kleben kann. Der Sensor schickt Daten an ein smartphonegroßes Gerät, das dem Facility Manager sämtliche Informationen über Geräte, zum Beispiel offene Fenster oder vergessene Lichtschalter geben kann.

Immer mehr Kommunen und Regionen versuchen auch – das machte die Mipim deutlich – mehr Start-ups anzuziehen, so etwa das Land NRW. Und zwar durch Förderungen genauso wie mittels flexibler Bürokonzepte. In Frankreich will damit vor allem die Stadt Grenoble punkten. Den Gipfel der Innovationslust zeigte Schindler mit einem 3D-Film über die Zukunft der Städte. Sie wird hoch und grün.

Bei allem Digitalisierungshype, den wir ausmachen können, eines ist noch nicht erreicht: die Anpassung der Soft- an die Hardware. Haben Sie nicht auch schon oft im Zusammenhang mit Big Data gelesen, die Daten, die über einen Hausbewohner gesammelt werden könnten, seien viel wertvoller als das Haus selber? So weist Frank Talmon l’ Armée, Gründer des Entwicklers Semodu, darauf hin, dass sich in sämtlichen Modellen die Software an die Immobilie anpasst. Gemäß dem Gestaltungsgrundsatz „Form follows function“ werde es in absehbarer Zeit aber darauf hinauslaufen, dass zunächst die Software, dann das Innenleben einer Immobilie entsteht, der sich die Immobilie selber anpasst. Ist das nicht beim Tesla genauso?

"Smart" als Modewort

Immer wieder aber auch musste „smart“ als Modewort herhalten. So konnten die Verantwortlichen nicht immer klarmachen, was – außer vielleicht einem 4D-Kino – am „smarten“ Skiresort Chamrousse tatsächlich so smart sein soll.

Schlagworte zum Thema:  Brexit, Digitalisierung, Investment

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