Die Immobilienmesse Mipim findet dieses Jahr vom 14. bis 17. März in Cannes statt. Im Interview erklärt Messechef Filippo Rean, wo die großen Herausforderungen für die Branche liegen, wie sie die Märkte beeinflussen könnten und welche Lösungsansätze denkbar sind. Dabei ist das Motto der Mipim 2017, „New Deal for Real Estate“, zugleich Konzept.

Herr Rean, wie ist Ihr Gefühl, wenn Sie die Daten und Fakten der Mipim 2017 anschauen?

2017 wird ein schwieriges Jahr, angesichts des globalen wirtschaftlichen und politischen Kontexts. Aber seit der Mipim-Gründung im Jahr 1990 hatten wir viele Auf- und Abwärtsbewegungen (den Golfkrieg, die Ölkrise, die Finanzkrise im Jahr 2008). Auf der Mipim gab und gibt es viel zu diskutieren und damit auch ein neues Licht auf den globalen Kontext zu werfen  und daraus Chancen zu ziehen. Auf der Mipim 2017 setzen wir wieder unsere ganze Energie ein für alle global agierenden Immobilienprofis.
Ich bin persönlich sehr gespannt darauf, mit einigen der 1.000 US-Delegierten und 5.000 britischen Delegierten zu sprechen, die dieses Jahr kommen werden, um mir ein eigenes Bild darüber zu machen, wie sich die Bedingungen in den jeweiligen Ländern entwickeln.

Was gibt es über das neue Programm und spezielle Themen und Schwerpunkte zu sagen?

Das Thema der Mipim 2017 („New Deal for Real Estate“) ist der Schlüssel für die wichtigsten globalen Herausforderungen, die sich in den kommenden Jahren auf den Immobiliensektor auswirken werden. Meiner Meinung nach gibt es vier zentrale Herausforderungen:

  • Die erste von ihnen ist Stadtplanung. In den kommenden Jahren werden 8,3 Milliarden Menschen auf der Erde und über 60 Prozent der Bevölkerung in Städten leben. Wie wirkt sich das auf die Gestaltung und den Bau der Städte von morgen aus? Das ist die spannende Frage.
  • Als Nächstes kommt die Effizienz der Ressourcen: Wie werden zukünftige Immobilienprojekte in der Lage sein, Ressourcen zu überwachen und zu sparen, wenn der Energiebedarf um 40 Prozent steigen wird und die Hälfte der Weltbevölkerung in Gebieten mit hohem Wasserstress lebt?
  • Die globale wirtschaftliche und politische Machtverschiebung ist eine weitere Herausforderung. Unter Berücksichtigung des Brexit und der US-amerikanischen, französischen, deutschen und italienischen Wahlen stellt sich die Frage, wie sich Machtveränderungen auf Investitionen, Governance und globale Zusammenarbeit auswirken werden.
  • Die vierte globale Herausforderung ist die Digitalisierung. Sehr bald werden mehr als eine Milliarde Objekte
  • mit dem Internet verbunden sein und alle Daten von Benutzern und Gebäuden gesammelt werden. Das wird die Arbeit der Immobilienprofis deutlich verändern.

Ein führendes Thema ist die digitale Revolution?

Digitalisierung ist eine große Herausforderung für die Immobilienbranche, da sie viele Aspekte des Geschäfts umfasst – von der Investition in das Gebäude selbst bis zum Asset Management. Die Aspekte werden auf der Mipim behandelt, beispielsweise mit einer Konferenzsitzung, die neuen Finanzierungsmodellen wie Green Bonds, Blockchain, Bitcoin und Crowdfunding gewidmet ist.

Intelligente Gebäude und Internet of Things sind auch von wachsender Bedeutung. Wir haben eine Reihe von Ausstellern aus diesem Bereich, darunter Honeywell, EMBIX, Distech Controls, Schindler und Schneider Electric, die ihre Lösungen im Mipim-Innovationsforum präsentieren werden (das dieses Jahr im Herzen des Palais liegt). Das Mipim-Innovationsforum wird mehr als 50 Aussteller auf 1.000 Quadratmetern mit einem eigenen Konferenzraum beinhalten. Es wird auch den Finalisten des Start-up-Wettbewerbs eine Plattform bieten.

Mehrwert ist ein wichtiges Argument für Messe-Teilnehmer – was wird geboten?

Die Mipim 2017 wird neue Formate haben, wie zum Beispiel die angekündigten Szenarien, in denen ein Experte drei mögliche Zukunftsszenarien um das gleiche Thema vorstellen wird. Es wird auch eine „Masterclass“ geben, in der ein wichtiger Akteur aus der Immobilienwirtschaft oder aus einem anderen Sektor über seine Karriere sprechen und seine Erfahrungen und Erfolge mit dem Publikum teilen wird. Außerdem sind weitere kreative Sessions geplant (nur für Abonnenten).

Ich denke, eine besondere Erwähnung verdient unser Matchmaking-Service, der nun zum zweiten Mal auf der Mipim im Einsatz ist. Jeder Teilnehmer bekommt nach seinen Vorgaben eine maßgeschneiderte und personalisierte Liste empfohlener Kontakte über unsere Online-Datenbank. Diese Listen sind der Schlüssel zur Optimierung der Zeit und zur Erzeugung von qualifizierten Leads. Um die Vernetzung optimal zu gestalten, organisieren wir auch Matchmaking-Events vor Ort in den Bereichen Healthcare, Logistik oder Hotel & Tourism. Diese Tagungen bieten eine einzigartige Chance, neue Kontakte zwischen Betreibern, Entwicklern und Unternehmen zu knüpfen.

Das Interview führte Hans-Jörg Werth

Schlagworte zum Thema:  Vorstellungsgespräch, Mipim