Sie möchten noch einmal die Mipim Revue passieren lassen? Die Redaktion der "Immobilienwirtschaft" war wieder mit einem Filmteam vor Ort Bild: YouTube

Mehr als 26.000 Teilnehmer registrierte Messeveranstalter Reed Midem auf der diesjährigen Mipim. Mit "heiter bis wolkig" wäre die Stimmung in Cannes gut beschrieben – passend zu den aktuellen Wetterverhältnissen.

Im Jahr 2017 flossen knapp 700 Milliarden US-Dollar weltweit in Liegenschaften – das ist ein neuer Rekord. Für 2018 werden ähnliche Werte erwartet, denn der Boom auf den Immobilienmärkten hält weiterhin an, wie sich zuletzt im März auf der Mipim zeigte. Ungeachtet der Wetterkapriolen, die das Anreisen mitunter stark erschwerten, fanden 26.000 Mipim-Teilnehmer den Weg an die Côte d’Azur zur 29. Edition der internationalen Immobilieninvestmentmesse in Cannes.

Handfeste Argumente für Betongold

Eines wurde an den drei Messetagen deutlich: Auch im Jahr zehn nach Lehman ist das Investoren-Vertrauen in den Immobiliensektor ungebrochen. Was bei genauerer Betrachtung nicht sehr verwundert: Zum durch die Niedrigzinspolitik der Nationalbanken verursachte Mangel an Anlagealternativen gesellen sich inzwischen auch handfeste Argumente für den Erwerb von "Betongold".

Schließlich sprechen für Liegenschaften längst nicht mehr nur die "Rendite-Spreads" zu Staatsanleihen oder Aktien, die seit Jahren beim Zukauf von Immobilien zu (viel zu) teuren Preisen ins Feld geführt werden. Argumentationshilfe liefern seit geraumer Zeit auch die Fundamentaldaten, der Konjunkturaufschwung auf dem Kontinent. Glaubt man Marktbeobachtern wie Thomas Beyerle, Leiter Research der Catella Gruppe, könnten die Fundamentaldaten an den europäischen, aber besonders an den deutschen Immobilienmärkten besser nicht sein.

Kruno Crepulja, Instone Bild: Haufe Online Redaktion

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Ein weiteres gutes Immobilienjahr

So zeigten sich viele Marktteilnehmer bem diesjährigen Frühlings-Stelldichein in Cannes, zu dem rund 2.000 Teilnehmer mehr kamen als 2017, für das laufende Jahr recht optimistisch: Von einer bevorstehenden Zinswende in Europa – steigenden Zinsen, die Anlagealternativen zu Immobilien wieder attraktiver machen, ein Ende des Hypes einläuten und so möglicherweise zu einem Einbruch der Immobilienmärkte führen könnten – geht kaum jemand aus.

Auch wenn in den USA die Zinsen bereits wieder steigen, wird ein erster Zinsschritt der Europäischen Zentralbank frühestens im Sommer 2019 erwartet. Damit dürften die makroökonomischen und geldpolitischen Rahmenbedingungen für Immobilienanlagen ein weiteres Jahr Unterstützung bieten und einen Einbruch der Performance verhindern, so die Einschätzung vieler Experten in Cannes.

Alexandre Grellier, Drooms Bild: Haufe Online Redaktion

Video: Alexandre Grellier, Drooms


Schon werden neue Transaktions­rekorde auf den Immobilienmärkten erwartet, insbesondere in den als "sicheren Häfen" bekannten Ländern. Dazu zählt Deutschland mit steigenden Bevölkerungszahlen und entsprechendem Bedarf an Wohnungen, den guten konjunkturellen Bedingungen und der entsprechenden Entwicklung der Nachfrage für Büro- und Gewerbeflächen –  bei gleichzeitiger Knappheit an Flächen, da jahrelang zu wenig gebaut wurde, und somit günstigen Voraussetzungen für steigende Mieten.

Ideale Bedingungen, könnte man meinen, wäre da nicht inzwischen das an vielen Standorten erreichte Preisniveau, das die Kauflaune bei dem einen oder anderen potenziellen Käufer eintrübt.

Nischen und Nachhaltigkeit

Angesichts der hohen Nachfrage und einer entsprechenden Knappheit an Core-Immobilien sowie des daraus resultierenden hohen Preisniveaus für die "klassischen Anlagesegmente" Büro- und Einzelhandelsimmobilien zeigen sich viele Investorengruppen seit geraumer Zeit weniger risikoavers als vorher.

Sie investieren in Assetklassen, die vor nicht allzu langer Zeit noch als "Nische" galten – beispielsweise studentisches Wohnen, Logistikimmobilien oder Rechenzentren. Solche Investments könnten mit Blick auf die damit zu erzielenden ansprechenden Renditen durchaus Sinn ergeben, räumen Experten ein – allerdings mit Einschränkungen.

„Gefährlich wird es, wenn jemand auf eine Nische ausweicht, in der er sich nicht auskennt.“ (Jan Bärthel, Leiter der Niederlassung Frankfurt am Main von Wüest & Partner)

Rege diskutiert – gerade von Inves­toren "auf der Suche nach Rendite" – wurden in Cannes einmal mehr Themen wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung und neue technologische Entwicklungen, respektive das Potenzial, das der Immobilienwirtschaft daraus erwächst.

Gero Bergmann, BerlinHyp Bild: Haufe Online Redaktion

Video: Gero Bergmann, Berlin Hyp


Gespräche über Elektromobilität, selbstfahrende Autos und die Vorteile, die Blockchain bieten könnte, schienen viele Messeteilnehmer mehr zu interessieren als Themen wie Brexit oder die zu erwartende Immobilienpolitik der gerade gebildeten deutschen Regierung.

Die Nachfrage nach neuen Softwareprodukten bei der Planung, dem Bau und dem Betrieb von neuen Gebäuden sowie bei der Aufrüstung von Bestandsimmobilien habe deutlich zugenommen, berichteten Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen in Cannes.


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Video: Dr. Thomas Spiegels, Strabag RE​​​​​​​

Video: Rainer M. Schäfer, Strabag RE


Nachhaltigkeit und neue Technologien standen nicht zuletzt bei den Veranstaltungen zum Leitthema der diesjährigen Mipim, der "Stadt der Zukunft", im Fokus.

Schließlich stellt der anhaltende Trend zur Verstädterung – bis 2025 werden rund 60 Prozent der etwa acht Milliarden Menschen in urbanen Räumen leben – Stadtplaner, Architekten, Projektentwickler und Inves­toren vor immense Herausforderungen, sei es bei der Planung und Bereitstellung von Infrastruktur oder beim Bereitstellen von ausreichend Raum zum Wohnen und Arbeiten.

Filippo Rean, früherer Mipim-Chef und heute Leiter der Real-Estate-Sparte bei Reed Midem, setzt große Hoffnungen darauf, dass Innovation und Digitalisierung ihren Beitrag zur Problemlösung leisten werden, und räumt dem Thema "Innovation" auf der Immobilieninvestmentmesse daher seit Jahren großen Raum ein, mit zunehmendem Erfolg von Jahr zu Jahr.

Zukunftsfähige Konzepte

Die heitere und optimistische Grundstimmung vieler Messeteilnehmer kann unterdessen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Frage, wie lange der "Superzyklus" noch weitergeht, unbeantwortet im Raum steht. Schließlich hält der durch marktfremde Einflussfaktoren wie Niedrigzinsen begründete Boom an den Immobilienmärk­­ten nun schon seit Jahren an.

Und mit jedem Jahr, in dem das Hoch der Branche andauert, wird eine Marktkorrektur wahrscheinlicher.

So beschäftigte sich auch die Mipim einmal mehr mit der Frage, ob oder wann die Party vorbei ist. Eine Frage, über die man "lange und mit wenig Erkenntnisgewinn plaudern könne", meint Klaus Franken. Es sei jedoch viel wichtiger, dass man "unabhängig von Zinsen, Marktumfeld, etzetera, gute Produkte im Bestand hat oder Projekte entwickelt, die nachhaltigen Mietertrag produzieren", gibt der Managing Partner der Catella Project Management GmbH zu bedenken. "Dann kann man unabhängig von Markt-Diskussionen beruhigt in die Zukunft sehen."

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