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Mipim 2016: Trumps Geist war da. Und Erdogans Schatten.

Die „Immobilienwirtschaft“ war auf der Mipim in Cannes mit einem Filmteam vor Ort.
Bild: YouTube

Die Mipim bleibt in erster Linie eine Messe, in der Fläche nach Kapital sucht und umgekehrt. Aber mit der Digitalisierung und Verdichtung wurden drängende aktuelle Themen angesprochen. Und die weltpolitische Lage spielte in diesem Jahr eine besondere Rolle.

Diesmal ist es im Souterrain voller. Denn das Wetter ist schlecht. Stockholm bleibt auf seinen Wasserflaschen sitzen. Die Zahl der Zelte ist gesunken. Die, die da sind, sind kleiner geworden. Ein französischer Architekt erzählt auf Französisch Anekdoten über die großartige russische Stadt Perm. Eine Übersetzerin übersetzt auf Russisch. Es gibt Häppchen. Ein Stück weit ist es wie immer. Allerdings mit Einschränkungen.

Mipim 2016: Multikulturelles

Es gibt weniger russische Stände, und die, die da sind, sind nicht mehr so überdimensioniert wie in den letzten Jahren – aus den bekannten Gründen. In allen Gesprächen über immobilienspezifische Landesthemen sind die politischen Themen omnipräsent. Es gibt erste Anzeichen dafür, dass sich London vom Eigentums- zum Mietmarkt entwickelt, da die exorbitant hohen Kaufpreise von vielen nicht mehr gezahlt werden können. Was wird der Immobilienmarkt London erleben nach einem Brexit?  Man fragte viel, die Antwort wusste keiner.

Was ist mit Investments in den USA? Es ging immer auch um Donald Trump. Er turnte auf der Mipim rum. Nicht leibhaftig, aber er war in fast allen Gesprächen über die Lage der Welt – insbesondere der Neuen Welt – zugegen.

Die „Immobilienwirtschaft“ war das erste Mal mit einem Filmteam vor Ort. Die Unbilden der Welt holten uns hier insofern ein, als uns nach langem Palaver die Drehgenehmigung im Zelt Istanbul verweigert wurde. Wie im Fernsehen. Ärgerlich genug.

Digitales + Dichte

Die Welt wird digital. Nicht dass das das Leitmotiv der Mipim gewesen wäre, aber das Thema durchdringt beinahe jedes Gespräch. Immerhin widmeten sich zwei Hallen der Digitalisierung. Interessant das Briefkastenkonzept des französischen Start-ups facilitylockers.com, das Briefkästen ohne zu viel technische Anfälligkeiten auf den Markt bringt, wo hinein Amazon, Zalando & Co. ihre Waren abliefern können.

Interessant auch der Vortrag eines Start-ups, das neue Verkehrskonzepte konzipiert und mit der Nutzung von Immobilien zusammenbringt. Hintergrund: Innerhalb von zwei Jahren wird es – laut Audi – Fahrzeuge geben, die selber einparken können und sich auf Knopfdruck aus Häusern herausholen lassen. Weil die Parkhäuser, mit denen sich die Konzepte verwirklichen lassen, im Normalfall nicht von Menschen betreten werden müssen und die Autotüren nicht geöffnet zu werden brauchen, haben diese Immobilien ein enormes Platzspar-Potenzial. Die Verquickung von Verkehrs- und Immobilienkonzepten ist ein riesiges Thema der nächsten Jahre. Auch in Russland, wo das Amazon-Pendant Ulmart ein so riesig dimensioniertes Lager hat, weil die Möglichkeit der Distribution aufgrund des schlechten Verkehrswegenetzes so schlecht ist, sind die Abhängigkeiten zwischen Verkehrs- und Immobilienpolitik offensichtlich.

Es ging auf der Mipim auch um die Verdichtung der Städte. Dreieinhalb Milliarden mehr Menschen, die bis 2050 weltweit in Städten leben wollen – diese Städte müssen neu gebaut, verdichtet und begrünt werden, um für ein lebenswertes Klima zu sorgen.

Beginnen muss man damit bald. Spannende Konzepte, wie das des Architekten Callebot zum Thema Paris 2050, gibt es schon.

Kapital sucht Kommune

Natürlich wäre die Mipim nicht das, was sie ist, ohne die Themen Entwicklung und Investment. Für den deutschen Markt sind die Voraussetzungen immer noch gut, es wird nach wie vor Party gefeiert. Wer Party feiert, denkt nicht nach. Bloß keinen Gedanken daran verschwenden, dass das alles auch mal enden könnte. Allerdings sieht der Makler Savills eine Abschwächung des weltweiten Transaktionsvolumens im ersten Quartal 2016. Aber wer wird das schon glauben?!

Video-Statements von der Mipim 2016

Interview mit Gero Bergmann, Vorstand der Berlin Hyp AG

Bild: Berlin Hyp

Gero Bergmann, Vorstand der Berlin Hyp AG, äußert sich zu der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank und deren Folgen für den deutschen Immobilienmarkt.

Darüber hinaus stellt er dar, wie sich die Digitalisierung auf den Einzelhandel auswirkt und wie die Immobilienbank mit diesem Mega-Trend umgeht.

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Interview mit Martin Eberhardt, Geschäftsführer der Bouwfonds Investment Management Deutschland GmbH

Bild: Bouwfonds IM

In Zeiten, in denen das Erwirtschaften auskömmlicher Renditen eine zunehmend große Herausforderung ist und institutionelle Anleger vor der Frage stehen, wie sie die zunehmende Lücke zwischen niedrigen Renditen und Zahlungsverpflichtungen schließen können, gibt Martin Eberhardt FRICS, Geschäftsführer Bouwfonds Investment Management, seine Antwort. Die heißt „Core-Satellite-Strategie“.

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Interview mit Alexandre Grellier, CEO der Drooms GmbH

Bild: Drooms GmbH

Alexandre Grellier, CEO Drooms GmbH, im Interview über den Mehrwert beim transaktionsbegleitenden Einsatz von Datenräumen.

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Sonderveröffentlichung des Fachmagazins "Immobilienwirtschaft" zur Mipim 2016 zum Download

 

Weitere interessante Meldungen:

Mipim Awards 2016 - Wer das Rennen gemacht hat

Mipim: Bundesverband für Studentisches Wohnen gegründet

Blog: "Global Real Estate Experts" informiert über Trends zur Mipim

Schlagworte zum Thema:  Mipim Awards, Mipim, Messe, Immobilienwirtschaft

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