16.06.2014 | Mindestlohn

Baugewerbe fordert Schwarzarbeitsbekämpfung

Die Baubranche befürchtet durch den gesetzlichen Mindestlohn mehr Schwarzarbeit auf dem Bau.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Zum 1. Januar 2015 soll für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein allgemeiner Mindestlohn  von 8,50 Euro brutto eingeführt werden. Die Baubranche befürchtet dadurch mehr Schwarzarbeit – und fordert deren Bekämpfung.

Für Branchenmindestlöhne nach dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz und dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz gilt eine Übergangsregelung. Bis zum 31. Dezember 2016 können diese Branchenmindestlöhne auch unterhalb des allgemeinen Mindestlohns liegen. Bis auf wenige Ausnahmen soll der Mindestlohn auch für Minijobs gelten. Wie sich der gesetzliche Mindestlohn auf den Minijob-Arbeitsmarkt auswirken wird, kann nur spekuliert werden. Arbeitgeber könnten die Stundenzahl eines Minijobbers soweit reduzieren, dass die Minijob-Entgeltgrenze weiterhin eingehalten wird. Wegen des höheren Entgeltanspruchs des Arbeitnehmers könnte der Minijob auch versicherungspflichtig werden.

Von den Gegnern eines gesetzlichen Mindestlohns wird aber auch die Karte Schwarzarbeit gespielt. Arbeitgeber stellen sich dem Problem eines höher zu zahlenden Stundenlohns unter Umständen so, dass sie die Arbeitszeit offiziell reduzieren. Darüber hinaus geleistete Arbeitsstunden würden in diesem Fall unter der Hand "schwarz" vergütet werden. Diese Schwarzarbeit müsse unbedingt bekämpft werden, fordert das Baugewerbe. „Es kann nicht beruhigen, dass der Umfang der Schattenwirtschaft, der sich ohnehin nur schwer ermitteln lässt, von 370 Milliarden Euro (= 17,2 Prozent des Bruttosozialprodukts im Jahre 2003) nach den neuesten Prognosen auf 339 Millionen Euro (= 12,2 Prozent des Bruttosozialprodukts im Jahre 2014) zurückgehen soll“, so Dr. Hans-Hartwig Loewenstein, Präsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, zu der neuesten Prognose über die Entwicklung der Schattenwirtschaft in Deutschland, die das Institut für angewandte Wirtschaftsforschung jüngst vorgelegt hatte. Dr. Loewenstein sieht sich vor diesem Hintergrund veranlasst, von der neuen Bundesregierung eine Forcierung der Schwarzarbeitsbekämpfung mit Schwerpunkt der Bekämpfung der zunehmenden Scheinselbständigkeit zu fordern.

In 21 EU-Staaten gilt bereits ein allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn, wie die Hans Böckler-Stiftung berichtet. In Frankreich liegt dieser beispielsweise bei 9,53 Euro, in Irland bei 8,65 Euro und in Großbritannien bei 7,43 Euro.

Schlagworte zum Thema:  Mindestlohn, Baugewerbe

Aktuell

Meistgelesen