Potenzial ist da für mehr Mieterstrom – große Dachflächen und passende Gesetze fehlen Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

In den 20 größten deutschen Städten gibt es ein Potenzial von bis zu 33.000 Photovoltaikanlagen auf großen Wohngebäuden. Rund 1,4 Millionen Mieterinnen und Mieter könnten damit Solarstrom beziehen. Das ist das Kernergebnis einer Potenzialanalyse für solaren Mieterstrom, die Wohnungswirtschaft, Mieterbund, Solarwirtschaft und Energie- und Klimaschutzagenturen in Berlin vorgestellt haben.

Diese Potenzial wird auch in einer Studie des Bundeswirtschaftsministeriums betätigt.

Die beteiligten Verbände GdW Bundesverband Deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, Deutscher Mieterbund (DMB), Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) und der Bundesverband der Energie- und Klimaschutzagenturen Deutschlands (eaD) wollen für die schnelle Verbreitung solarer Mieterstromangebote künftig an einem Strang ziehen.

Erklärtes Ziel der Partner ist es, möglichst viele Mieter einzubeziehen, die Wohnungs- und Energiewirtschaft über die Chancen von solaren Mieterstromangeboten zu informieren, den Photovoltaik-Ausbau zu dynamisieren und mit der urbanen Energiewende den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren.

„Jetzt geht es endlich los mit dem Mieterstrom in Deutschlands Metropolen", sagte Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar, bei der Präsentation.

Stark gesunkene Photovoltaik-Preise und das neue Mieterstromgesetz der Bundesregierung machten dies möglich.

„Mieterstromprojekte sind ein wichtiger Baustein für eine erfolgreiche Energiewende im Wohngebäudebereich", ergänzte GdW-Präsident Axel Gedaschko.

Um das Potenzial auszuschöpfen, müssten aber noch Hindernisse aus dem Weg geräumt werden.

Gewerbesteuergesetz in der Kritik

Laut Gedaschko werden Wohnungsunternehmen, die Strom aus erneuerbaren Energien wie Photovoltaik oder aus Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) lokal erzeugen wollen, gravierend steuerlich benachteiligt. "Sobald sie den erzeugten Strom ins allgemeine Netz einspeisen oder den Mietern zur Verfügung stellen, wird die eigentlich gewerbesteuerbefreite Vermietungstätigkeit gewerbesteuerpflichtig", so Gedaschko. Das  Gewerbesteuergesetz müsse hier dringend angepasst werden.

"Der Erfolg von Mieterstrom wird im Wesentlichen von der Attraktivität des Strompreises abhängen", sagte DMB-Direktor Lukas Siebenkotten.

Die vorhandenen Potenziale könnten nur dann ausgeschöpft werden, wenn Mieterstrom deutliche Kostenvorteile mit sich bringe.

Befreiung von der EEG-Umlage gefordert

„Wir brauchen so viele ungenutzte Dachflächen wie möglich, um in den Städten die kommunalen Klimaschutzziele zu erreichen", forderte Michael Geißler, Vorstandsvorsitzender des eaD.

Mieterstrom sei ein guter Anfang. Für die Zukunft seien jedoch weitere kreative Modelle für Dienstleistungen und Direktvermarktung notwendig, um die Partizipation breiter Bevölkerungsschichten an der Energiewende zu erhöhen und sie sozialverträglicher auszugestalten.

-> BGH: Wer Photovoltaikanlage nicht meldet, muss EEG-Vergütung zurückzahlen

Nach Einschätzung der vier Verbände könnte die Realisierung von Solaranlagen in deutschen Innenstädten deutlich erleichtert werden, wenn die Bundesregierung Mieterstrom, der nicht durch das öffentliche Stromnetz geleitet wird, von der EEG-Umlage befreit.

-> Finanzielle Förderung von Mieterstrom bei Photovoltaikanlagen

Außerdem sollten Vermieter keine steuerlichen Nachteile in ihrem Kerngeschäft haben, wenn sie ihren Mietern Strom aus eigenen Anlagen liefern. Damit würden Mieter Eigenheimbesitzern gleichgestellt, die die Vorteile der Eigenversorgung schon länger in Anspruch nehmen können.

-> Mehr Informationen zum Thema Mieterstrom, einen kostenlosen Leitfaden und Hinweise zum neuen Mieterstromgesetz finden Sie hier.

Schlagworte zum Thema:  Mieterstrom, Photovoltaik-Anlage, Photovoltaik, Solarenergie

Aktuell
Meistgelesen