Datenschutz mangelhaft? Mietinteressenten werden dem DMB zufolge genötigt, umfassende Auskunft über sich zu erteilen. Bild: MEV-Verlag, Germany

Der Deutsche Mieterbund bemängelt, dass Wohnungssuchende zu viele sensible Daten von sich preisgeben müssten, insbesondere in Gebieten mit knappem Wohnraum. Das verstoße gegen den Datenschutz. Der Verband fordert Konsequenzen.

Wohnungssuchende werden „massenweise“ aufgefordert, sensible Daten preiszugeben. Zu diesem Ergebnis kommt nach Mitteilung des Deutschen Mieterbundes (DMB) eine Untersuchung des Landesbeauftragten für Datenschutz in Nordrhein-Westfalen. Demnach hat es bei allen 40 geprüften Immobilienmaklern und Wohnungsverwaltungen Beanstandungen gegeben. In jedem dritten Fall sogar „auffällig viele“, sagte die Datenschutzbeauftragte Helga Block in Düsseldorf.

Nach Angaben Blocks werden unter anderem Personalausweise kopiert, es wird nach früheren Wohnsitzen gefragt und nach einer Vorlage der Schufa, die für Kredite relevante Informationen sammelt. Auch bei Fragen zum Beruf und zum Familienstand sei deutlich weniger erlaubt, als erfragt werde. Dem Mieterbund zufolge würden dann aufgrund des knappen Wohnraums in Großstädten, Ballungsräumen und Universitätsstädten die geforderten Auskünfte erteilt.

Der DMB fordert angesichts der Ergebnisse der Untersuchung Konsequenzen. „Die Angebote von Maklern, Verwaltern und Vermietern, insbesondere auch der Online-Portale, müssen kontrolliert werden“, sagte Mieterbund-Direktor Lukas Siebenkotten.

Dem DMB geht es um folgende Punkte:

  1. Die Mieterselbstauskunft muss ein Interessent erst ausfüllen, wenn nach erfolgter Wohnungsbesichtigung ernsthaftes Interesse an der Wohnung besteht.
  2. Kontaktdaten aus vorangegangenen Mietverhältnissen dürfen nicht abgefragt werden.
  3. Fragen zum Familienstand, zum Geburtstag sowie zum Verwandtschaftsverhältnis der zum Haushalt gehörenden Kinder und sonstigen Angehörigen sein unzulässig.
  4. Fragen nach der Dauer der beruflichen Beschäftigung sind unzulässig.
  5. Die Forderung nach einer „Schufa-Auskunft“, „Schufa-Selbstauskunft“ oder einer ähnlichen Bonitätsauskunft sind unzulässig. Erst wenn der Abschluss des Mietvertrages unmittelbar bevorsteht, dürfen Bonitätsauskünfte bei Auskunfteien erfragt und die Vorlage einer Bonitätsauskunft verlangt werden.
  6. Eine Kopie des Personalausweises darf nicht gefordert werden.

Orientierungshilfe: Was darf der Vermieter fragen?

Die Landesbeauftragte für den Datenschutz NRW bietet eine Orientierungshilfe zur Einholung von Selbstauskünften bei Mietinteressenten zum Download an.

Schlagworte zum Thema:  Datenschutz

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