02.11.2015 | Top-Thema Megatrends in der Immobilien- und Wohnungswirtschaft: Demografischer Wandel

Vorhandenes Potenzial richtig nutzen

Kapitel
Unter vielen Lösungsansätzen sind oftmals nur wenige wirklich wertvolle Konzepte zu finden
Bild: Haufe Online Redaktion

Potenzial muss erst erkannt werden. Für die Immobienbranche gibt es derzeit noch viele ungenutze Möglichlichkeiten – sowohl in der virtuellen wie in der realen Welt. 

Soziale Netze leben von den Hinweisen der Nutzer. So sind bei einem Immobilienangebot etwa Kommentare zur Umgebung, zur Infrastruktur, zu Einkaufs- und Ausgehmöglichkeiten, zu Kinderspielplätzen und Ähnliches denkbar. Integrierte Chatfunktionen erlauben dann die direkte und schnelle Kommunikation mit dem Interessenten. Die Adressdaten von Interessenten können schon heute aus den gängigen Immobilienportalen in die ERP-Software übernommen und dort weiterverarbeitet werden.

Wohnungsangebote personalisieren

Künftig werden detailliertere Datensätze und die Verknüpfung mit den Erfahrungen ähnlicher Nutzer dazu führen, dass ganz gezielt die Wohnung angeboten wird, die der Interessent am wahrscheinlichsten nehmen wird. Zusammen mit einer mobilen Wohnungsübergabe, die die Wohnungs- und Zählerdaten des Vormieters zum Ausgangspunkt für den Nachmieter macht, wird sich der Vermietungsprozess deutlich beschleunigen.

Neue Dienstleistungen

 In Zukunft werden die Portale also nicht mehr nur dazu dienen, Informationen statisch zu hinterlegen. Vielmehr dienen sie der Kommunikation zwischen Mietern, Eigentümern, Betreibern und Dienstleistern und sie bieten Schnittstellen darüber hinaus: Wünsche, Serviceanfragen oder Reparaturaufträge können über Portale aufgegeben werden. Die Möglichkeit der Mieter, Aufgaben bequem von zu Hause aus zu erledigen, wird mit der demografischen Entwicklung stärker gefragt sein. Schlagworte wie „assisted living“ und „stay at home“ müssen angesichts einer älter werdenden Gesellschaft von den Wohnungsunternehmen mit Leben gefüllt werden.

So lassen sich auf den Portalen externe Anbieter integrieren, die das Dienstleistungsangebot erweitern. Supermarkteinkäufe über das Internet können ebenso über ein Portal laufen wie die Vermittlung von Reinigungs- oder Pflegediensten, mobilen Friseuren, Fahr- und Transportdiensten oder Handwerkern. Auch andere Dienstleistungen wie die Betreuung von Wohnung und Tieren während eines Krankenhausaufenthalts oder Kühlschrankservice für heimkehrende Urlauber können das Spektrum erweitern. Für die Wohnungsunternehmen ergibt sich die Möglichkeit, darüber nicht nur die Mieter zu binden, sondern auch Provisionserlöse zu generieren.

Auf Migrationsbewegungen vorbereitet sein: Potenzial erkennen

Ein weiterer Punkt ist die Zuwanderung. Die Zahl der Menschen, die weltweit auf der Flucht sind, wird in den kommenden Jahren voraussichtlich zunehmen. Diese Menschen müssen in den Quartieren integriert werden, um Spannungen zu vermeiden. Gleichzeitig bietet sich für die Wohnungsunternehmen aber auch die Chance, vom Potenzial dieser Menschen zu profitieren. Vielfach befinden sich unter den Flüchtlingen gut ausgebildete Arbeiter. Es kann der gegenseitigen Akzeptanz und auch der Integration dienen, wenn etwa Hausmeisterdienste oder die Gartenpflege an talentierte Migranten vergeben werden. Die entsprechenden Gesetze, vor allem was eine Arbeitserlaubnis angeht, werden in den kommenden Jahren sicherlich angeglichen werden.

Interkulturelle Gemeinschaftseinrichtungen 

Viele Migranten werden dennoch auf Transferleistungen angewiesen sein. Das bedeutet, dass es auch unter diesen eine größere Altersarmut geben wird. Um keine Problemquartiere entstehen zu lassen, müssen die Wohnungsunternehmen frühzeitig auf eine gute Mischung achten und Angebote zur Teilhabe und Integration schaffen. So werden vermehrt schwer vermietbare Wohnungen zu Gemeinschaftseinrichtungen umgebaut, Mietercafés, Bürger-, Jugend- und Nachbarschaftstreffs geschaffen und betrieben werden müssen. Die Mehrsprachigkeit in den Wohnanlagen erfordert zugleich, dass Informationen, Formulare, Mietverträge oder Abrechnungsnachweise in verschiedenen Sprachen zur Verfügung stehen. Zugleich sind die IT-Systeme gefordert, diese Formulare und andere Schriftstücke automatisch zu verarbeiten.

Dieses Top-Thema ist der erste Teil unserer vierteiligen Serie zu den großen Entwicklungen in der Immobilien- und Wohnungswirtschaft. Im nächsten Teil beleuchten und bewerten wir die Veränderungen der Arbeitswelt.

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Schlagworte zum Thema:  Migration, Social Media, Demografischer Wandel, Demografische Entwicklung, Prognose

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