02.11.2015 | Top-Thema Megatrends in der Immobilien- und Wohnungswirtschaft: Demografischer Wandel

Herausforderungen und Entwicklungen

Kapitel
Dieses Top-Thema ist der erste Teil unserer vierteiligen Serie zu den großen Entwicklungen in der Immobilien- und Wohnungswirtschaft.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Mieter werden immer älter. Gleichzeitig steigt die Zahl der Migranten. Das ist für die Wohnungswirtschaft eine gewaltige Herausforderung. Wie können sich Wohnungsunternehmen vorbereiten, um mit dem demografischen Wandel erfolgreich umzugehen?

Deutschland steht vor gewaltigen Umbrüchen: Der demografische Wandel wird das Land tiefgreifend verändern. Langfristig rechnet das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung damit, dass die Zahl der Einwohner in Deutschland bis zum Jahr 2060 um bis zu 17 Millionen Menschen abnehmen wird. Selbst optimistische Prognosen, die eine verstärkte Zuwanderung mitberücksichtigen, gehen von einem Rückgang von etwa acht Millionen Einwohnern aus. Das hat ganz unterschiedliche Auswirkungen.

Der Demografische Wandel: Zahlen und Fakten

In den großen Städten wird die Zahl der Wohnungssuchenden weiter steigen. Schon heute müssten in den Zuzugsregionen 272.000 neue Wohnungen pro Jahr gebaut werden. Im vergangenen Jahr wurde diese Zahl mit nur rund 240.000 Wohnungen wieder einmal verfehlt. Dagegen werden auf dem Land ganze Dörfer veröden, kleinere Städte schrumpfen und Wohnungen so lange leer stehen, bis sich selbst der Abriss nicht mehr lohnt. Insbesondere im Osten Deutschlands wird das zum Problem. Dort könnte es bis zum Jahr 2030 zu einer Verdreifachung des Leerstandes kommen. "Wir stehen unmittelbar vor einer zweiten Leerstandswelle", warnt Axel Gedaschko vom GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. Gleichzeitig wandern immer mehr Menschen aus dem Ausland nach Deutschland ein. Sie werden auf dem Arbeitsmarkt dringend gebraucht und müssen integriert werden. Die Bedeutung von Haushalten mit Migrationshintergrund wird also weiter zunehmen.

Flexibler Wohnungsbau

Diese unterschiedlichen Entwicklungen und der gesellschaftliche Wandel verlangen von den Wohnungsunternehmen, sich auf die neuen Bedürfnisse einzustellen. Neubauprojekte müssen deutlich flexibler geplant werden, sodass auch nachträgliche Änderungen am Grundriss möglich bleiben: Etwa dann wenn zu einer Wohnung ein Heimbüro hinzukommen soll oder wenn zwei Wohnungen zusammengelegt werden müssen, weil die Familien Nachwuchs bekommen oder eine Großfamilie einziehen möchte. Ebenso sollte die Verkleinerung möglich sein, etwa wenn bei älteren Menschen der Partner verstirbt. Anstatt sich eine neue Wohnung zu suchen, kann der verbleibende Partner in der vertrauten Umgebung bleiben - nur eben auf weniger Fläche.

Die Altersstrukturen verändern sich

Bis 2060 schrumpft der Anteil der unter Zwanzigjährigen an der Gesamtbevölkerung auf knapp 16 Prozent, der Anteil der Menschen, die 60 Jahre oder älter sind, steigt dagegen auf fast 40 Prozent. Somit verlangt der demografische Wandel nach anderen Dienstleistungsangeboten. Diese müssen sich an die Lebensphasen der Mieter anpassen. So haben etwa junge Familien andere Ansprüche als Doppelverdiener-Haushalte ohne Kind oder Senioren. Da Wohnungsunternehmen von ihren Kunden künftig als Wohnpartner gesehen werden, müssen sie mehr Verantwortung übernehmen. In seiner Studie „Wohntrends 2030“ bringt der GdW etwa Versorgungsverträge für lebenslanges Wohnen ins Gespräch. Mit einem solchen Vertrag kann ein Mieter sicher sein, ein Leben lang eine Wohnung zu haben, die zu seinen Lebensumständen passt. Dafür zahlt er eine Pauschale je nach gerade anfallender Nutzung.

Dieses Top-Thema ist der erste Teil unserer vierteiligen Serie zu den großen Entwicklungen in der Immobilien- und Wohnungswirtschaft. Im nächsten Teil beleuchten und bewerten wir die Veränderungen der Arbeitswelt.

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Schlagworte zum Thema:  Entwicklung, Wohnungsbau, Demografischer Wandel, Demografische Entwicklung, Prognose

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