02.11.2015 | Top-Thema Megatrends in der Immobilien- und Wohnungswirtschaft: Demografischer Wandel

Lösungsansätze für die Immobilienbranche

Kapitel
Viele Wohnungsunternehmen sind noch klassisch organisiert - eine Umstellung auf digitale Verfahren kann lohnend sein
Bild: Haufe Online Redaktion

Um auf die veränderten Bedingungen vorbereitet zu sein, müssen verschiedene Lösungsansätze beachtet werden. Einige Schlagworte hierzu lauten: Bedürfnisgerechtes Wohnen, Echtzeit Kommunikation und Selbsthilfe-Portale.  Doch welchen Stellenwert haben diese Konzepte für die Immobilienwirtschaft? Wie können sie sinnvoll integriert werden?

Eine große Rolle werden in Zukunft Gesundheitsdienstleistungen spielen. Die Mieter werden zwar älter, doch sie leben auch gesünder und treiben bis ins hohe Alter hinein Sport. Gleichzeitig werden immer weniger Gesundheitsleistungen von den Krankenkassen übernommen. Der sogenannte zweite Gesundheitsmarkt ist heute schon ein Milliardengeschäft für die Anbieter.

Quartierseigene Fitness- und Sportmöglichkeiten könnten daher bald für die Mieter zur Standardausstattung gehören. Ganz sicher aber müssen Wohnungen technisch für die Gesundheitsleistungen der Zukunft fit gemacht werden. Dazu gehören Notfall-Assistenzsysteme, Onlinesprechstunden mit Ärzten per Videostreaming und das Monitoring von Vitaldaten der Patienten. Solche Services können über Mieterportale angebunden und mit einem ERP-System im Hintergrund über die Nebenkostenabrechnung verrechnet werden.

Kundenzufriedenheit in Zeiten der Digitalisierung

Immer mehr Routinearbeiten wie das Herunterladen von Formularen, Einsehen von Vertragsdaten oder die Änderung der Daten und Bankverbindungen werden die Mieter im Internet selbst erledigen. Solche Selbsthilfe-Portale können die Kundenzufriedenheit steigern, da die Mieter nicht auf Rückrufe oder Antwortschreiben warten müssen. Die Verbindung zum ERP-System ermöglicht es den Unternehmen, diese Prozesse sehr einfach und effizient abzuwickeln.

Auch bei der Zahlungsweise ist Potential für eine Effizienzsteigerung vorhanden. Noch immer herrscht bei einigen Genossenschaften eine Art Lohntütenmentalität: Die Mieter zahlen am Monatsanfang ihre Miete in bar ein; in einer Zeit, in der manche Ökonomen über die Abschaffung des Bargelds nachdenken. Gerade junge Menschen erwarten heute eine Auswahl von Zahlungsmöglichkeiten – von PayPal über eine EC-Zahlung vor Ort oder die Zahlung per Smartphone. Die ERP-Systeme müssen künftig alle Zahlungsweisen gleich gut verarbeiten können. Selbst bei der Bareinzahlung gibt es noch Einsparpotenzial. So sind heute schon Kassentresore vorhanden, die den Zahlungseingang automatisch im ERP-System verbuchen.

Zusätzlich zu den neuen Zahlungsmöglichkeiten wird auch die Kommunikation mit den Mietern schneller, personalisierter und individueller. Vor allem die jüngeren Mieter der Generation Y sind es seit frühester Kindheit gewohnt, bei allen Entscheidungen einbezogen zu werden. Dieses Mitspracherecht ist den jungen Erwachsenen, die zwischen 1980 und 2000 geboren sind, nach wie vor ein zentrales Anliegen. Das bedeutet aber auch, dass die Ansprüche der Mieter an den Service des Wohnungsunternehmens in dieser Hinsicht steigen. Sie erwarten zunehmend, dass sie über Entscheidungen zeitnah informiert werden und dass der Vermieter oder die Hausverwaltung rund um die Uhr ansprechbar sind. Wo früher schnell zum Hörer gegriffen wurde, dominieren heute E-Mail, SMS, Whatsapp und Facebook-Nachrichten. Antworten werden zunehmend nicht erst am nächsten oder übernächsten Werktag erwartet, sondern innerhalb weniger Stunden. Doch viele Wohnungsunternehmen befinden sich kommunikativ noch in der digitalen Vorzeit. Die Mieterbüros haben starre Öffnungszeiten, die nur selten mit den Arbeitszeiten der Mieter vereinbar sind. Das Gleiche gilt oftmals für die Erreichbarkeit per Telefon.

Kommunikation neu gestalten

Wie sich die Kommunikation mit den Bestandsmietern weiterentwickelt, so muss sich auch die Kommunikation mit potenziellen Mietern neu gestalten. Dabei werden Videos eine stärkere Rolle spielen. Diese werden von der Immobilienbranche noch sehr stiefmütterlich gehandhabt – trotz Mehrwert: Enttäuschungen bei der Wohnungsbesichtigung lassen sich vermeiden, wenn sich der Interessent das Umfeld und die Wohnung vorab in einem Video angesehen hat. Das alleine wird allerdings nicht ausreichen. Im Zeitalter der interaktiven Apps erwarten Nutzer mehr als eine reine Auflistung von Objektdaten, Ausstattung und einige klassische Bilder. Interaktive Umgebungskarten und Gebäude, in denen man virtuell auf den einzelnen Etagen navigieren kann, werden in Zukunft wichtiger werden.

Dieses Top-Thema ist der erste Teil unserer vierteiligen Serie zu den großen Entwicklungen in der Immobilien- und Wohnungswirtschaft. Im nächsten Teil beleuchten und bewerten wir die Veränderungen der Arbeitswelt.

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Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Online-Plattform, Demografischer Wandel, Demografische Entwicklung, Prognose

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