Mafia wäscht Milliarden mit Immobilienkäufen in Deutschland

Eine aktuelle Studie der Organisation Transparency bestätigt, dass der Immobilienmarkt in Deutschland enormes Potenzial für Geldwäsche bietet. Allein im vergangenen Jahr seien hierzulande rund 30 Milliarden Euro „reingewaschen“ worden, heißt es da. Dabei gebe es Hinweise von italienischen Ermittlern, dass 2017 enorme Summen der Mafia etwa aus dem Kokainhandel in deutsche Immobilien geflossen sind. Das Problem trage zur Preissteigerung in deutschen Großstädten bei.

Transparency schätzt, dass inzwischen 15 bis 30 Prozent aller kriminell erwirtschafteten Gelder in Immobilien investiert werden: in Bau, Sanierung, Kauf, Verkauf und Miete. „Die geltenden Gesetze und die Ausstattung der Ermittlungsbehörden stehen auch angesichts der Grenzenlosigkeit internationaler Finanzströme in keinem Verhältnis dazu“, sagte Transparency-Deutschland-Chefin Edda Müller bei Vorstellung der Studie in Berlin.

Wie aus einer Antwort des Bundesbauministeriums von Juni 2018 auf eine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hervorgeht, sind etwa 2016 wegen verdächtiger Aktivitäten im Immobilienbereich Vermögenswerte in Höhe von 61 Millionen Euro durch den Staat vorläufig gesichert worden.

Tragen Makler und Notare zur Geldwäsche bei?

Unbekannt sei, wie viele Immobilien und Grundstücke ausländischen juristischen Personen gehören. Ein existierendes Transparenzregister weise zu viele Lücken auf. Und Makler und Notare würden praktisch keine Fälle melden und damit kaum zur Geldwäschebekämpfung beitragen, kritisierte Müller. Für Notare müsse bei Verdachtsmeldungen in typisierten Fällen die Schweigepflicht aufgehoben werden.

Auch Fabio de Masi, Finanzexperte der Linksfraktion im Bundestag, betonte, hier gebe es ein enormes Dunkelfeld. Von knapp 60.000 Verdachtsmeldungen stammten im Jahr 2017 nur rund 20 Hinweise von Immobilienmaklern.

Das Problem: Über Briefkastenfirmen werden oft die wahren Hintermänner und die Herkunft des Geldes verschleiert. Die Regierung will nun mit einer Aufstockung der „Financial Intelligence Unit“ (FIU) des Zolls auf bis zu 475 Mitarbeiter gegensteuern. Auch hier wird eine bisher mangelhafte Verdachtsmeldung aus dem Immobiliensektor kritisiert.

Zentrales öffentliches Grundbuch gefordert

Zudem müsse die geplante Digitalisierung und Zentralisierung der Grundbücher durch die Bundesländer beschleunigt werden, um mehr Transparenz zu schaffen. „Das zentrale Grundbuch muss öffentlich gemacht werden, um eine Prüfung von Eigentümern zu ermöglichen und so Geldwäscher abzuschrecken“, forderte der Studienautor Markus Henn.

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Schlagworte zum Thema:  Immobilienmarkt, Geldwäsche