Für die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft könnte diese Entscheidung weitreichende Folgen haben: Horst Seehofer will das Innenministerium umstrukturieren und den bisherigen Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen in seine Reihen holen. Staatssekretär Gunther Adler soll dann Platz machen. Der SPD-Politiker ist bisher für Stadtentwicklung, Wohnen und Bauen zuständig.

"Adler war geschätztes und engagiertes Bindeglied zwischen Politik, Verwaltung, Verbänden und Wirtschaft. Wir schätzen ihn als ausgewiesenen Experten und zuverlässigen Ansprechpartner, der sich ressortübergreifend für bezahlbares Bauen und Wohnen einsetzte", äußerte sich die BID Bundesarbeitsgemeinschaft Immobilienwirtschaft Deutschland.

Von 2014 bis 2018 war Adler Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit zuständig für die Bereiche Bauen, Wohnen und Stadtentwicklung. Im März 2018 wechselte er als Staatssekretär in das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat.

Die BID habe die Entscheidung zu akzeptieren, erwarte aber, dass dadurch die Zielsetzung des Wohngipfels am Freitag, 21. September 2018, im Bundeskanzleramt nicht gefährdet werde. Die im BID zusammengeschlossenen Verbände forderten, dass der Posten des Baustaatssekretärs erhalten bleibe und die Nachfolge zügig geregelt werde.

Derzeit soll voraussichtlich Staatssekretär Hans-Georg Engelke für den Baubereich zuständig sein. Er übernimmt auch die Aufsicht im Innenministerium über das Bundesamt für Verfassungsschutz.

GdW: Fatales Zeichen für Zukunft des bezahlbaren Wohnens und Bauens

"Für uns ist diese Entscheidung nicht im geringsten nachvollziehbar", reagierte Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW, zur Entscheidung des Bundesministers. Das sei ein Unding in einer Zeit, in der es darum gehe, mit allen Kräften im Land für deutlich mehr bezahlbares Bauen zu sorgen. Die Entscheidung sei eine "herbe Hiobsbotschaft" für die gesamte Branche.

"Wenn es ab sofort nicht einmal mehr einen eigenen Baustaatssekretär geben soll, sondern das Ressort einfach einem anderen Bereich innerhalb des Ministeriums zugeordnet wird, dann ist das ein fatales Zeichen für die Wahrnehmung der Zukunft des bezahlbaren Wohnens und Bauens durch Minister Seehofer", Axel Gedaschko, GdW-Präsident

Ex-Bauministerin Hendricks kritisiert Ablösung des Bauexperten Adler scharf

Mit der Regierungsbildung war die Zuständigkeit für das Bauen vom Umwelt- an das Innenministerium gegangen. Adler (55) war als anerkannter Fachmann in das CSU-geführte Ministerium gewechselt. Nun soll er eine neue Aufgabe bekommen, wie Bundeskanzlerin Merkel am Mittwochabend in Salzburg angekündigt hat. Sie schätze die Arbeit Adlers sehr. Die Spitzen der Union und der SPD hätten sich darauf verständigt, dass Adler "sehr schnell" eine "angemessene Position" bekommen solle, hieß es weiter.

Die frühere Bundesbauministerin Barbara Hendricks hat die Ablösung des Innenstaatssekretärs und Bauexperten Gunther Adler im Zuge der Maaßen-Affäre scharf kritisiert. "Seehofer löst ein weiteres Desaster aus. Diesmal betrifft es eine der drängendsten Fragen, mit der wir es auf allen Ebenen zu tun haben: Bauen und Wohnen", teilte die SPD-Politikerin mit.

"Am Freitag veranstaltet die Bundesregierung einen Wohnungsgipfel, zwei Tage vorher entlässt Innenminister Seehofer den einzigen Staatssekretär, der sich in dem Bereich auskennt", Ex-Bauministerin Barbara Hendricks, SPD

ZIA: Immobilienwirtschaft verliert wichtigen Mittelsmann

"Mit Gunther Adler verliert die Immobilienwirtschaft einen Staatssekretär, der sich höchst verdient gemacht hat um den Ausgleich und die Kommunikation zwischen Branche, Politik und Gesellschaft", sagte Dr. Andreas Mattner, Präsident des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss, in einer ersten Reaktion. Seine Position im Bundesbauministerium sei eine enorm wichtige Schnittstelle, um das bezahlbare Bauen und Wohnen in Deutschland voranzutreiben.

"Er hinterlässt große Fußabdrücke für seinen Nachfolger", Dr. Andreas Mattner, ZIA-Präsident

Unruhe und Besorgnis beim BFW

Der BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen hatte eng mit Baustaatssekretär Gunther Adler zusammengearbeitet, um den Wohngipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel vorzubereiten. "Dass der zuständige Staatssekretär nun zwei Tage vor dem Wohngipfel abberufen wird, sorgt in der Immobilienbrache für große Unruhe und Besorgnis", erklärte BFW-Präsident Andreas Ibel.

"Wir hoffen, dass die Zusammenarbeit mit dem Bauministerium auch in Zukunft konstruktiv verläuft und das Thema Wohnungsbau auf der Prioritätenliste der Bundesregierung weiterhin ganz oben bleibt", ergänzte IVD-Präsident Jürgen Michael Schick.

DDIV bedauert Entscheidung

Auch der DDIV Dachverband Deutscher Immobilienverwalter bedauerte die Entscheidung von Bundesinnenminister Horst Seehofer. Die Bundesregierung verliere damit nicht nur Adlers große Expertise im politisch und gesellschaftlich entscheidenden Bereich Wohnen und Bauen. Zudem verzichte sie auf einen kompetenten Fachmann, der in der Immobilienbranche hohes Ansehen genieße, so der Verband.

Wohnungsgipfel steht kurz bevor

Harald Christ, Präsidiumsmitglied des Wirtschaftsforums der SPD, kritisiert, dass das Bundesinnenministerium in den vergangenen sechs Monaten seit der Regierungsbildung beim Wohnungsbau keinen Schritt weitergekommen sei. Daher begrüße er, dass der Wohnungsbau mit dem kurz bevorstehenden Wohngipfel der Bundesregierung endlich zur Chefsache werde. Fatal sei allerdings, "dass mit Gunther Adler jetzt der einzige Fachmann auf der Leitungsebene des Bauministeriums in Pension geschickt wird."

Neben den im Koalitionsvertrag verankerten fünf Millionen Euro Förderung für rund 1,5 Millionen neue Wohnungen bis 2021 wird ein steuerlicher Sonderbonus für Investitionen in neue Mietwohnungen gefordert.

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