Erfurt boomt schon länger – das schlägt sich jetzt auch in den Mietpreisen der kleineren Städte im Umkreis aus Bild: Corbis

Die Landflucht lässt die Metropolen wachsen und sorgt für höhere Mietpreise. Jetzt schlägt sich die Abwanderung auch in den kleineren und mittleren Städten auf die Mieten nieder. Zumindest in Thüringen ist das so, wie der Preisspiegel des Immobilienverbandes Deutschland (IVD) zeigt. "Wir beobachten einen Anstieg in Städten, die bisher von der Preisentwicklung abgekoppelt waren", sagte das IVD-Vorstandsmitglied Jörg Wanke auf der Immobilienfachtagung in Erfurt.

Erfurt, Jena und Weimar boomen schon länger. "Zwischen sieben und 11,50 Euro bezahlen Mieter pro Quadratmeter etwa in Erfurt, zwischen 7,50 und elf Euro in Jena und zwischen 6,25 und elf Euro in Weimar", sagt Wanke. Die Lage in diesen Städten sei angespannt, aber es herrsche keine Wohnungsnot. Wer nicht die Wunschwohnung zum Wunschpreis bekomme, weiche mitunter aus und pendle. Arnstadt etwa profitiere von der Entwicklung in Erfurt.

Auch in Gera, Eisenach und Apolda sei das zu beobachten. Das Realeinkommen vieler Thüringer sei gestiegen und so seien sie bereit, für mehr Lebensqualität mehr in ihren Wohnraum zu investieren, sagt Wanke. Die Befürchtung, dass städtischer Wohnraum künftig nicht bezahlbar sein wird, teilt der Immobilienexperte nicht. In den nächsten Jahren rechnet er noch mit Preiserhöhungen bei Altbeständen, bei Neuvermietungen würden sich die Quadratmeterkosten aber stabilisieren.

Großstädte und Ballungsregionen sind bundesweit – laut Raumordnungsbericht 2017 des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR) – zwischen 2005 und 2015 um 1,4 Millionen Einwohner gewachsen – auch hier ist die Landflucht mit verantwortlich.

Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) kritisierte auf dem Fachtag die Lage in den Städten. Die Wohnsituation spiele bei der Gewinnung von Fachkräften eine wichtige Rolle und mit Blick auf den Wirtschaftsstandort sei es wichtig, dass Thüringen genug Wohnungen anbieten könne. Für junge Familien forderte der Politiker eine Befreiung von der Grunderwerbssteuer. Das könne die geringe Eigenheimquote in Thüringen steigern.

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