Falls Sie noch nichts über die Transaktionsodyssee von Alice und Bob gehört haben, dann sind Sie hier richtig. Willkommen in der Welt der Kryptowährungen. Was das ist, wo genau der Unterschied zu Bitcoins und anderen neuartigen Zahlungsmethoden liegt, welches Potenzial Kryptowährungen haben und wo die Herausforderungen liegen, erklärt unser Experte Viktor Weber im 13. Teil der Serie Real Estate Innovation Glossar.

Stellen Sie sich vor, Alice und Bob würden gerne ein Geschäft abschließen und Alice gibt Bob einen 10-Euro-Schein. Dieser Geldschein ist einmalig, da er von der Zentralbank gekennzeichnet und fälschungssicher gemacht wurde; dazu findet die Bargeldtransaktion in Echtzeit zwischen den beiden Parteien statt, ohne dass ein Intermediär involviert ist. Und dennoch: Trotz des relativ hohen Grades an Sicherheit entstanden bisher weltweit 39 Millionen Euro Schaden durch Falschgeldtransaktionen (dpa, 2016, "So viel Euro-Falschgeld im Umlauf wie noch nie", Zeit Online).

In dem Moment, in dem Alice und Bob die gleiche Transaktion im Internet abwickeln würden, zum Beispiel mit Hilfe einer klassischen Kreditkartenzahlung, wären zumindest die Sender- und Empfängerbank sowie der Kreditkartenbetreiber als weitere Parteien involviert. Darüber hinaus würden die Daten über verschiedene Server um den ganzen Globus geschickt, aufgeteilt in kleine Pakete, und wären somit angreifbar (Kharif, O., 2017, "2016 was a record year for data breaches", Bloomberg). Alleine durch Kreditkartenbetrug entstehen in den USA jährlich fast vier Milliarden Dollar Schaden (Overfelt, M., 2016, "Hackers rush to cash in on $14 billion in fraud before chip cards take over", CNBC).

Wäre es also nicht schön, die relative Anonymität, Sicherheit und Direktheit des Barzahlens mit der Bequemlichkeit des bargeldlosen Zahlens zu verknüpfen?

Willkommen in der Welt der Kryptowährungen. Auch wenn heute der Begriff Kyptowährung oftmals mit Blockchain und Bitcoin gleichgesetzt wird, soll an dieser Stelle klargestellt werden, dass es bereits Ende der 80er Jahre E-Cash gab, das von einigen Banken in den USA und Finnland genutzt wurde (Narayanan, A.; Bonneau, J.; Felten, E.; Miller, A. & Goldfeder, S. (2016) Bitcoin and Cryptocurrency Technologies, Princeton University Press).

Definition Kryptowährung

Zunächst will ich eine einfache Definition für allgemeine Kryptowährungen bieten, ohne eine einzelne Währung hervorzuheben.

"Kryptowährungen sind digitale (Quasi-)Währungen mit einem meist dezentralen, stets verteilten und kryptografisch abgesicherten Zahlungssystem. […]."

– Bendel, O. (2015), "Kryptowährung", Springer Gabler Verlag –

Neben Bitcoin, der wohl bekanntesten Kryptowährung, gab es etwa 100 Kryptowährungen, die es zuvor nicht geschafft hatten, sich zu verbreiten. Bitcoin war deshalb so erfolgreich, weil es ein System war, das erstmals durch ein Zusammenspiel von Verschlüsselung, Dezentralisierung und Konsensfindung das Double-Spending-Problem lösen konnte (Narayanan, A.; Bonneau, J.; Felten, E.; Miller, A. & Goldfeder, S. (2016) Bitcoin and Cryptocurrency Technologies, Princeton University Press).

Das darunterliegende Konstrukt, das die relative Sicherheit und Anonymität von Bitcoin ermöglichte, war die Blockchain. Bitcoin war somit die erste Blockchain im heutigen Sinne und bereitete den Weg für weitere Anwendungen wie smarte Verträge, andere Kryptowährungen oder wertspeichernde Blockchains (Wattenhofer, R., 2016, "The Science of the Blockchain", 1ed, Inverted Forest Publishing).

Die bekanntesten Kryptowährungen neben Bitcoin sind Ether, die auf der Etherum Blockchain basieren, Ripple oder Dash (Reese, F., 2016, "Not just Bitcoin: The Top 7 Cryptocurrencies all gained in 2016", CoinDesk).

Für eine Einführung in die Technologie empfehle ich an dieser Stelle besonders Teil 11 unserer Serie: "Wie sich Blockchain auf die Immobilienwirtschaft auswirkt". Für besonders interessierte Leser bietet sich außerdem das Computerphile-Video "The Blockchain & Bitcoin" an (Ellis, C., 2017, "The Blockchain & Bitcoin", Computerphile).

Potenzial und Herausforderungen von Kryptowährungen

Auf der Hand liegt das enorme Einsparungspotenzial durch das Wegfallen von Intermediären, die durch Gebühren ihre eigenen Kostenstrukturen finanzieren müssen. Auf der anderen Seite sind Kryptowährungen auch nicht kostenlos. Bitcoin-Mining oder Proof of Work Hashing sind Prozesse zur Lösung eines mathematischen Problems, um einen neuen Block zu generieren. Das kostet Rechenleistung und damit Energie sowie Hardwareeinsatz (Tuwiner, J., 2017, "Is Bitcoin mining profitable or worth it in 2017?", Bitcoin Worldwide).

Da in China die Energiekosten relativ niedrig sind, haben sich dort im Fall von Bitcoin zwei Mining-Monopole gebildet, die der Intention der Demokratisierung und Dezentralisierung der Kryptowährung gänzlich entgegenstehen (Spielman, A., 2016, "Blockchain: Digitally Rebuilding the Real Estate Industry", MIT).

Darüber hinaus divergiert die rechtliche Behandlung von Kryptowährungen von Land zu Land, in den USA sogar von Staat zu Staat. In Land X fallen zum Beispiel Kapitalertragssteuern an, während in Land Z eine Kryptowährung per Legaldefinition noch kein Zahlungsmittel ist (N.A., 2017, "The Legality of Bitcoin by Country", Wikipedia).

Eine weitere Herausforderung ist die Speicherung und Aufbewahrung von Kryptowährungen. Meist werden diese in Wallets online gespeichert oder auf gesicherten Speichermedien, die dann offline aufbewahrt werden. Dies hat zu spektakulären Diebstählen geführt, deren Opfer teilweise sogar Early Adopter und frühe Miner waren, die ein Vermögen gemacht haben (Shin, L., 2016, "Hackers have stolen millions of dollars in Bitcoin", Forbes).

Falls Sie sich jetzt fragen, weshalb mehr Herausforderungen gelistet sind als positive Aspekte, so ist dies der sehr hypelastigen Diskussion innerhalb der Branche geschuldet. Aus meiner Sicht bergen Blockchains ein extrem hohes Potenzial für die Immobilienbranche – jedenfalls dann, wenn die Herausforderungen erkannt und überwunden worden sind.

Alle weiteren Teile der Serie finden Sie hier:

Real Estate Innovation Glossar – Einleitung: Begriffe, die die Zukunft der Immobilienwirtschaft prägen werden

Real Estate Innovation Glossar – Teil 1: Was ist Innovation?

Real Estate Innovation Glossar - Teil 2: Wie funktioniert Innovationsmanagement in der Immobilienwirtschaft?

Real Estate Innovation Glossar - Teil 3: Was verbirgt sich hinter dem Begriff "Digitalisierung" wirklich?

Real Estate Innovation Glossar - Teil 4: Was beim Digital Marketing zu beachten ist

Real Estate Innovation Glossar - Teil 5: Smart Home – Willkommen in der Zukunft

Real Estate Innovation Glossar - Teil 6: Smart City – die vernetzte Stadt

Real Estate Innovation Glossar - Teil 7: Was ist CREtech?

Real Estate Innovation Glossar -Teil 8: Building Information Modelling in der Praxis

Real Estate Innovation Glossar - Teil 9: Einsatzbereiche von Augmented Reality in der Immobilienbranche

Real Estate Innovation Glossar - Teil 10: Virtual Reality

Real Estate Innovation Glossar - Teil 11: Wie sich Blockchain auf die Immobilienwirtschaft auswirkt

Real Estate Innovation Glossar - Teil 12: Robotik – nicht nur in der Bauwirtschaft

Real Estate Innovation Glossar - Teil 14: Welches Potenzial haben Smart Contracts?

Real Estate Innovation Glossar - Teil 15: Bewohnbare Häuser aus dem 3D-Druck sind nur der Anfang

Real Estate Innovation Glossar - Teil 16: Wann ist Smart Metering sinnvoll?

Real Estate Innovation Glossar - Teil 17: Cloud Computing im Fokus der Immobilienfirmen

Real Estate Innovation Glossar - Teil 18: Internet of Things – eine kritische Betrachtung

Schlagworte zum Thema:  Bitcoin, Innovation