Bestechung ist auch in der Immobilienbranche, vor allem im Bausektor, ein Thema Bild: mauritius images / P. Widmann /

Die RICS – The Royal Institution of Chartered Surveyors will verstärkt gegen Bestechung, Korruption, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung am Immobilienmarkt vorgehen. Der bestehende RICS-Standard legt bereits wesentliche Berufspflichten zur Bekämpfung von Finanzkriminalität fest. Nun soll geklärt werden, ob die aktuelle Fassung die Anforderungen noch erfüllt und die Verpflichtungen für die Branche ausreichend darlegt.

Die Immobilienwirtschaft wird gezielt für illegale Finanzaktivitäten, etwa Geldwäsche bei Transaktionen, missbraucht. Unter anderem Ergebnisse der "Financial Action Task Force" (FATF), die in Zusammenarbeit mit Regierungen gesetzliche und regulatorische Bestimmungen zur Kriminalitätsbekämpfung vorantreibt, bestätigen das. Auch andere internationale Organisationen stufen die Immobilienbranche als besonders anfällig ein.

"Werden diese Risiken nicht identifiziert und angemessen bekämpft, drohen direkte Auswirkungen auf das Tagesgeschäft, Unternehmen und Verbraucher sowie ein Vertrauensschaden für die gesamte Branche", sagt Peter Bolton King, RICS Global Director of Professionalism and Ethics.

Bausektor bekannt für illegale Finanzaktivitäten

Der Entwurf des neuen Standards soll eine Ergänzung zu den in Deutschland seit 2017 gültigen Regelungen sein und als Leitfaden zum Umgang mit den Risiken von Bestechung und Korruption, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung dienen. Er orientiert sich am Verhaltenskodex der RICS.

"Insbesondere für Immobilienmakler, die nach dem Geldwäschegesetz verpflichtet sind, entsprechende Risikosysteme vorzuhalten und interne Sicherungsmaßnahmen zu ergreifen, um Geldwäsche zu bekämpfen", ergänzt Sabine Georgi, Leiterin des Bereichs "Business Development & Politikberatung" bei der RICS Deutschland.

Auch der Bausektor ist dem Berufsverband RICS zufolge bekannt für illegale Finanzaktivitäten. Bestechung und Korruption bei Beschaffungs- und Vertragsprozessen sind nicht selten. In der PwC-Studie "Global Economic Crime Survey 2014" identifizierte das Beratungsunternehmen das Baugewerbe als eine der Branchen, die besonders anfällig für Bestechungs- und Korruptionsfälle sind. Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bezeichnete das Baugewerbe als Sektor mit hohem Bestechungs- und Korruptionsrisiko, insbesondere im öffentlichen Auftragswesen.

Definition der Tatbestände in der RICS-Richtlinie

  • Bestechung: Das Anbieten, in Aussicht stellen, Fordern oder Entgegennehmen von begünstigenden Zuwendungen als Anreiz für illegale, unethische Handlungen oder Veruntreuung.
  • Korruption: Der Missbrauch von öffentlichen Ämtern und Befugnissen für private Vorteile; oder Missbrauch privater Befugnisse im Zusammenhang mit Geschäftspraktiken und deren Durchführung.
  • Geldwäsche: Das Verschleiern von Geldern, die illegal erwirtschaftet wurden. Dies umfasst das Verstecken, Übertragen bzw. die Rückführung von illegalen Geldern oder anderen Geldmitteln durch eine oder mehrere Transaktionen.
  • Terrorismusfinanzierung: Methoden zur Bereitstellung von Finanzmitteln an Terroristen und Terrorgruppierungen zum Zweck der Durchführung illegaler Aktivitäten.

In der endgültigen Fassung gilt die Richtlinie für alle Fachdisziplinen der RICS und ist global gültig. 

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Schlagworte zum Thema:  Korruption, Geldwäsche

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