Kriminalitätsbekämpfung: RICS legt neuen Standard fest

Die Anlageform Immobilien ist wegen der großen Transaktionsvolumina per se anfällig für Geldwäsche, auch in Deutschland ist das Thema relevant. Der Berufsverband RICS hat gemeinsam mit Branchenakteuren weltweit gültige Verhaltensrichtlinien erarbeitet. Sie treten zum 1. September in Kraft.

Die RICS-Verhaltensrichtlinie wurde in Zusammenarbeit mit Branchenakteuren und Vertretern aus der Politik erarbeitet. Damit sollen die Risiken für Geldwäsche und Korruption besser identifiziert, gemanagt und bekämpft werden. Eine Selbstregulierung kommt laut RICS damit einer etwaigen weiteren Regulierung des Gesetzgebers zuvor.

"Die RICS-Verhaltensrichtlinie verpflichtet RICS-Mitglieder und -regulierte Unternehmen zur Minimierung ihrer Geldwäsche-, Bestechungs- und Korruptionsrisiken, unter anderem durch eine wirksame Prävention im Rahmen des Tagesgeschäfts." Sabine Georgi, Leiterin Business Development & Politikberatung bei RICS Deutschland

Im Rahmen einer weltweiten Befragung wurden Branchenexperten und Stakeholder wie Transparency International und Financial Action Task Force (FATF) aufgefordert, Maßnahmen zur Minimierung der Risiken in Verbindung mit Bestechung, Korruption, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zu entwickeln.

Schwächen in der aktuellen Anti-Geldwäsche-Gesetzgebung

Im Vorwort der RICS-Verhaltensrichtlinie weist Transparency International auf strukturelle Schwächen in der aktuellen Anti-Geldwäsche-Gesetzgebung und mangelnde Kontroll- und Aufsichtsmittel in vielen Ländern hin.

Erst kürzlich ist eine Novelle der europäischen Geldwäscherichtlinie umgesetzt worden: Immobilienmakler müssen als Beteiligte genau prüfen, woher Gelder stammen. Das führt zu sehr großen Aufwendungen, insbesondere wenn das Kapital aus dem Ausland stammt. "In diesem Bereich gelte es, "eher passgenaue Lösungen" zu finden, so Georgi abschließend.

Die RICS-Richtlinie definiert Begriffe wie folgt:

  • Bestechung: Das Anbieten, in Aussicht stellen, Fordern oder Entgegennehmen von begünstigenden Zuwendungen als Anreiz für illegale, unethische Handlungen oder Veruntreuung.
  • Korruption: Der Missbrauch von öffentlichen Ämtern und Befugnissen für private Vorteile; oder Missbrauch privater Befugnisse im Zusammenhang mit Geschäftspraktiken und deren Durchführung.
  • Geldwäsche: Das Verschleiern von Geldern, die illegal erwirtschaftet wurden. Dies umfasst das Verstecken, Übertragen oder die Rückführung von illegalen Geldern oder anderen Geldmitteln durch eine oder mehrere Transaktionen.
  • Terrorismusfinanzierung: Methoden zur Bereitstellung von Finanzmitteln an Terroristen und Terrorgruppierungen zum Zweck der Durchführung illegaler Aktivitäten.

"Werden diese Risiken nicht identifiziert und angemessen bekämpft, drohen direkte Auswirkungen auf das Tagesgeschäft, Unternehmen und Verbraucher sowie ein Vertrauensschaden für die gesamte Branche." Peter Bolton King, RICS Global Director of Professionalism and Ethics

Bausektor bekannt für illegale Finanzaktivitäten

Der Entwurf des neuen Standards soll eine Ergänzung zu den in Deutschland seit 2017 geltenden Regelungen sein und als Leitfaden zum Umgang mit den Risiken von Bestechung und Korruption, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung dienen. Er orientiert sich am Verhaltenskodex der RICS.

"Insbesondere für Immobilienmakler, die nach dem Geldwäschegesetz verpflichtet sind, entsprechende Risikosysteme vorzuhalten und interne Sicherungsmaßnahmen zu ergreifen, um Geldwäsche zu bekämpfen." Sabine Georgi, Leiterin Business Development & Politikberatung, RICS Deutschland

Auch der Bausektor ist RICS zufolge bekannt für illegale Finanzaktivitäten. Bestechung und Korruption bei Beschaffungs- und Vertragsprozessen sind nicht selten.

In der PwC-Studie "Global Economic Crime Survey 2014" identifizierte das Beratungsunternehmen das Baugewerbe als eine der Branchen, die besonders anfällig für Bestechungs- und Korruptionsfälle sind. Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bezeichnete das Baugewerbe als Sektor mit hohem Bestechungs- und Korruptionsrisiko, insbesondere im öffentlichen Auftragswesen.

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Schlagworte zum Thema:  Geldwäsche, Geldwäschebeauftragter, Korruption