Konversion: Stadtentwicklung mit Chancen und Hürden

Erst produzierte hier Osram, später die Firma Ledvance Leuchtmittel: Jetzt hat der Projektentwickler Gateway das 120.000 Quadratmeter große Areal in der Augsburger Innenstadt gekauft. Die Stadt verzichtete auf ihr Vorkaufsrecht. Ob und wie viele Wohnungen gebaut werden, ist noch offen.

Wie Gateway Real Estate mitteilt, soll der ehemalige Produktionsstandort an der Berliner Allee in Augsburg in Zusammenarbeit mit Aventin Real Estate als gemischt genutztes Stadtquartier entwickelt werden. Details sickerten bisher nicht durch.

Über den aktuellen Stand bezüglich des Verkaufs des Ledvance-Areals hat der Augsburger Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung berichtet, wie eine Sprecherin auf Nachfrage mitteilt. Informationen, die den Investor, den Kaufpreis oder ein Vorkaufsrecht betreffen, würden seitens der Stadt daher vertraulich behandelt. Die Frage der künftigen Nutzung zum gegenwärtigen Stand sei "insgesamt offen".

Gateway plant 800 Millionen Euro für das Quartier ein

Im ersten Quartal 2020 soll zunächst zusammen mit der Stadt ein städtebaulicher Wettbewerb ausgelobt, dann das B-Planverfahren eingeleitet werden. Die Stadt strebt eine hochwertige gewerbliche Nutzung mit Durchlässigkeiten zum Lech, sowie Grünverbindungen an, so die Sprecherin. Nach Angaben von Gateway, dürfte die Realisierung der Stadtentwicklung rund 800 Millionen Euro kosten.

Verkäufer der Liegenschaft am Lech ist die Ledvance GmbH mit Sitz in Garching bei München, die 2016 aus der Allgemeinbeleuchtungssparte von Osram hervorgegangen war. Nach dem Verkauf von Ledvance an einen chinesischen Investor 2017 wurde der Produktionsstandort Augsburg geschlossen. Seitdem lag das Areal brach. Medienberichten zufolge soll der Kaufpreis des Grundstücks bei etwa 40 Millionen Euro gelegen haben, die Vertragsparteien äußerten sich dazu nicht.

Das innerstädtische Grundstück liegt direkt am Lech und wurde mehr als ein Jahrhundert lang erst durch Osram, dann durch Ledvance genutzt. Gateway zufolge ist wesentliche Prämisse der Planungen, das derzeit unzugängliche Areal für die Augsburger zu öffnen. Durch eine Überplanung könnten Zugänge zum Lechufer geschaffen werden, um so den Erholungs- und Freizeitwert in der Umgebung zu erhöhen.

Konzept für Ledvance-Areal: Wie viel Wohnungsbau geht?

Die Stadt Augsburg hatte sich im Sommer ein Vorkaufsrecht für das Ledvance-Areal im "Textilviertel" gesichert. Daraus wurde nichts, da die Stadt hätte einen Kredit aufnehmen müssen, der nicht bewilligt wurde, berichten lokale Medien. Weil das Gelände gewerblich geprägt ist, sei der Rahmen für künftige Nutzungen vorgegeben, schreibt die Stadt in ihrem Stadtteilmagazin (Ausgabe Textilviertel-Herrenbach-Spickel).

Hätte die Stadt gekauft, wäre eine überwiegend gewerbliche Nutzung wahrscheinlich gewesen. Daneben bestünde auch die Möglichkeit von "arbeitsnahem Wohnen", heißt es in dem Magazin. Auf einem Teilbereich besteht bereits Geschosswohnungsbau und es wäre nach Angaben der Stadt weiteres Potenzial vorhanden für etwa 400 neue Wohnungen.

Auch im sogenannten Martini Park, ebenfalls Teil des Textilviertels und lange geprägt von Industrie und Gewerbe, sind bei der Neuentwicklung des Quartiers im Jahr 2017 Wohnungen für zirka 1.000 Bewohner entstanden, neben den laufenden Gewerbebetrieben. Ob und wie viele Wohnungen Gateway nun im neuen Stadtquartier bauen will oder darf, ist derzeit nicht bekannt.

Problem "gewerblich geprägtes Gelände" am Beispiel "Sportsfield Housing" in Hanau

Im hessischen Hanau könnte das einstige US-Wohngebiet "Sportsfield Housing" an der Aschaffenburger Straße mit rund 13 Hektar in ein innerstädtisches Wohnquartier umgewandelt werden. Ein Teil der Gebäude wurde in den vergangenen Jahren als Flüchtlingsunterkünfte von der Stadt Hanau genutzt. Mittlerweile wurde die Schließung der Einrichtungen angekündigt. Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) wollte das städtische Erstzugriffsrecht nutzen und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben die Kaserne abkaufen.

Landtagsvizepräsident Dr. Jörg-Uwe Hahn (FDP) und sein Parteikollege, der Landtagsabgeordnete René Rock, machen sich seit Jahren dafür stark, dass die bestehenden 22 Gebäude mit fast 400 Wohneinheiten auf dem Kasernengelände weiter als Wohnraum genutzt werden. Dem stehen gesetzliche Beschränkung gegenüber, weil sich die Wohnblocks in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Werkshallen von Goodyear Dunlop befinden, wodurch die derzeit zulässigen Werte von Lärm- und Geruchsemmissionen überschritten werden könnten. An das Areal grenzt außerdem die Bahnstrecke Hanau-Fulda, was weitere Lärmschutzmaßnahmen erfordern würde. Nach derzeitigem Stand könnte der Komplex dem Abrisshammer zum Opfer fallen.


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