29.06.2015 | Politik

Großprojekte: Experten fordern Kostenklarheit und Transparenz

Peinliche Pannen - wie beim Bau der Elbphilharmnie -sollen künftig vermieden werden
Bild: Lisa Schwarz ⁄

Die Expertenkommission des Bundesbauministeriums hat die Reform für Großprojekte verhandelt. Demnach sollen nicht die billigsten Anbieter, sondern die wirtschaftlichsten den Zuschlag erhalten. Zudem soll das Risikomanagement verbessert und früh mit der Planung begonnen werden. Verkehrsminister Alexander Dobrindt verspricht sich von diesen Maßnahmen einen "Kulturwandel beim Bau".

In dem Bericht raten die 35 Experten davon ab, auf Grundlage von Teilgenehmigungen schon mit dem Bau zu beginnen oder Aufträge einfach an den billigsten Bewerber zu vergeben. Risiken, die realistischerweise eintreten können, sollten gleich im Haushalt berücksichtigt werden. 
Außerdem will die Mehrheit der Kommission große Projekte künftig verstärkt über öffentlich-private Partnerschaften (ÖPP) abwickeln. 
Aus Sicht des Baugewerbes ist die öffentliche Hand aufgefordert, ihre Bauherrenkompetenz wieder auf- und auszubauen und für die heutigen Anforderungen zu wappnen. Darüber hinaus gelte es, Projekte vor der Ausschreibung und Vergabe komplett zu planen.

Das Ergebnis, Großprojekte verstärkt an ÖPP zu vergeben, sieht das Baugewerbe kritisch. "Leider gehen die Schlussfolgerungen der Kommission, die sich auch in dem Abschlussbericht niederschlagen, in eine völlig falsche Richtung“, so Hans-Hartwig Loewenstein, Präsident Zentralverband Deutsches Baugewerbe, der der Kommission angehört. Die Bauherrenkompetenz habe auf Seiten der öffentlichen Hand stark gelitten. Auch habe die öffentliche Hand in den vergangenen Jahren oftmals während der Bauphase noch Planungen verändert, was nicht vorhersehbare Auswirkungen auf Bautermine und Kosten gehabt habe.
Initiiert hatte die Kommission noch Dobrindts Amtsvorgänger Peter Ramsauer im April 2013. Anlass war der Unmut vieler Bürger über massive Kostensteigerungen und Verzögerungen bei öffentlichen Bauprojekten - von Stuttgart 21 über den neuen Hauptstadtflughafen bis hin zur Hamburger Elbphilharmonie.


ZIA: Zehn Forderungen der Immobilienwirtschaft

Der Zentrale Immobilien Ausschusses ZIA hat die wichtigsten Forderungen zusammengestellt. Hier ein Überblick:

  1. Grundlagen- und Bedarfsermittlung optimieren
  2. Verbesserung der Planung (
  3. Realitätsnahe Kostenermittlung und Kostenkontrolle
  4. Frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung
  5. Nutzung geeigneter Organisationsmodelle
  6. Einbeziehung externer Fachleute
  7. Überwachung und Verbesserung der Qualität der Bauausführung
  8. Management von nachträglichen Änderungen und Ergänzungen
  9. Anforderungen an die Vergabe von Großprojekten
  10. Individualisierung der Vertragsgestaltung

Die konkrete Problemstellung und Lösungsansätze zu den zehn Forderungen finden Sie hier zum Download.

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Dobrindt will Bauvergabe von öffentlichen Großprojekten neu regeln

Schlagworte zum Thema:  Immobiliendienstleister, Großprojekt

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