Kommentar: Männer und ein paar Sorgen auf der "Quo Vadis"

Der Immobilienkongress "Quo Vadis 2019" im Berliner Adlon wartete mit männlichen Moderationstalenten und einem Teilnehmerrekord auf. Aktivisten sorgten für Aufregung und Lufttaxis waren auch Thema. Dirk Labusch, Chefredakteur der "Immobilienwirtschaft", hat das Event beobachtet.

Dass einmal nicht Journalisten moderierten, sondern beispielsweise Immobilien-Profis wie Karsten Trompetter oder Mitglieder des Quo-Vadis-Beirats, machte die Kongress-Veranstaltung im Berliner Adlon nicht schlechter. Es offenbarten sich sogar regelrecht Talente unter den Moderatoren, Markus Diekow von CA Immo etwa. Und wenn nicht mehr Frauen auf dem Panel saßen, muss das nicht die Schuld des Veranstalters, der Heuer Dialog GmbH, gewesen sein.

Als Charakteristikum erlebte man einmal mehr Trompetter mit seiner schnodderigen Art. Auch wenn er den "Weltversteher" und Grünen-Chef Robert Habeck für andere Teilnehmer unbegründet als Chauvi bezeichnete – was auf ihn selbst zurückfallen könnte –, gehört das Schnodderige zu seiner Strategie, die vom Publikum überwiegend geteilt wurde und der Veranstaltung seinen Stempel aufdrückte.

Teilnehmerrekord beim Branchenkongress "Quo Vadis"

Ja, man hatte wohl Grund, stolz zu sein auf so viel Erfolg, auch bei "Quo Vadis 2019", wo es mit 440 Teilnehmern einen Rekord gab. Und doch machte sich auch ein bisschen Sorge breit. Eine E-Mail verunsicherte uns Teilnehmer: Aus unserem Spaziergang vom Adlon zu einem bunten Abend am ersten Kongressabend in der Markthalle Neun in Kreuzberg wurde nichts. Wir wurden an einen anderen Ort im Stadtteil Tiergarten verlegt. Linksautonome hatten mit Demonstrationen gegen die Veranstaltung gedroht, vor dem Adlon am Pariser Platz hatten sich etwa 50 Protestierer zu einer Kundgebung versammelt.

Ulrich Höller Quo Vadis 2019
Ulrich Höller ist Vorstandsvorsitzender der GEG German Estate Group


"Wir sind alle so sehr mit Geldverdienen beschäftigt, dass wir nicht genügend an die Verbesserung unseres Images denken." Ulrich Höller, GEG

Sorgen und Nachdenklichkeit aus Immobilienwirtschaft und Politik

Auf der Veranstaltung selbst war die Sorge vor Polarisierung ein Thema und auch von der Unfähigkeit miteinander zu sprechen, war die Rede. Nachdenklichkeit sprach aus den Immobilienthemen selbst jedoch eher nicht. Der Wirtschaftsweise Lars Feld sagte, er rechne nicht mit einer Zinserhöhung noch in diesem Jahr, "wenn alles normal läuft".

Sorgen äußerte vielmehr die Politik. Und CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) traf es auf den Punkt, als sie am Vorabend der Veranstaltung meinte, die internationale Verwobenheit der Welt spiegele sich auch in der Politik wider: Das Innenministerium könne eigentlich weniger denn je irgendetwas entscheiden, ohne die Belange des Außen- und Wirtschaftsministeriums zu berücksichtigen.

"Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist gut, aber pessimistische Umfragen bei den Finanzierern zeigen eine Labilität. Ein Funke genügt, und das System kippt." Bulwiengesa-Chef Andreas Schulten

Schulten forderte die Anwesenden beim Thema Wirtschaftsimmobilien auf, nicht mehr in Zyklen zu denken, sondern vielmehr in Szenarien. Die könnten je nach Standort, Gebäudetyp, Assetklasse und Management-Stil eines Unternehmens völlig unterschiedlich sein.

Fehlende Infrastruktur im Speckgürtel

Harald Simons, Empirica-Vorstand, lenkte in punkto Bruttoanfangsrenditen bei der Miete die Aufmerksamkeit weg von München, Berlin & Co. hin zu Mönchengladbach, Herne & Co. Es gebe eine Neubewertung des Risiko-Chancen-Profils einer Stadt. Verschiedene Städte würden von Investoren zwar kritisch beurteilt, die Mieten seien hier aber oft konstant geblieben oder gar gestiegen, die Kaufpreise moderat. In diesen Schwarmstädten gäbe es noch gute Möglichkeiten für Investoren.

Ein Vortrag, aber auch so manches Gespräch, machte die Bedeutung des Themas Infrastruktur deutlich: Wie willst du in den Speckgürtel ziehen, wenn du von dort nicht wegkommst? Bei diesem Thema versuchte man sich an Modellen.

Annegret Kramp-Karrenbauer Quo Vadis 2019
Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK), Bundesvorsitzende der CDU

Annegret Kramp-Karrenbauer sprach das Lufttaxi als mögliches zukünftiges Transportmittel an. Mit ihm könnten Entfernungen in den Hintergrund rücken, die sich wiederum günstig auf die Immobilienbewertung auswirken könnten. Der Wert eines Hauses bemisst sich eben nur im Zusammenwirken mit Hin- und Wegkommen.

Immobilienweiser Feld: Sonderabschreibung bringt nichts

Lars Feld wandte sich gegen Forderungen der Immobilienwirtschaft, das Bauen durch Sonderabschreibungen weiter zu verbilligen. Das Modell bringe in Boomphasen nichts. Er sprach sich demgegenüber für eine bessere Regulierung der Fehlbelegungsquote bei Sozialimmobilien aus.

"Ich kenne Professoren, die immer noch in ihrer Sozialwohnung wohnen." Immobilienweiser Lars Feld

Die neue Grundsteuerberechnung werde im Übrigen eine kaum zu bewältigende Herkulesaufgabe, meinte Feld zum Abschluss, als er sein Modell vorstellte: Er würde die Grundsteuer gerne im Wesentlichen nach den Bodenrichtwerten bemessen.

Doch auch das ist schon höchst komplex. Hans-Volkert Volckens von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG sagte dazu später lapidar, in Hamburg alleine gäbe es allein 74.000 verschiedene Bodenrichtwerte. Die Gefahr, dass das Bundesverfassungsgericht eine Methode später rückwirkend kassiert und die Kommunen großvolumige Steuerausfälle hat, sieht er als sehr real an, wenn bundesweit "alles eben nicht gleich zu Behandelnde" gleich behandelt wird.


Das könnte Sie auch interessieren:

Frühjahrsgutachten: Staat trägt Mitschuld an weiter steigenden Preisen

Grundsteuer-Reform: Nicht am Ziel, aber Eckpunkte stehen

Immobilienverbände: Sonder-Afa "komplett an der Realität vorbei"

Blasengefahr: Dynamik in Schwarmstädten und Schrumpfungsregionen gleich stark

IMMO-Update: "Raten Sie mal statt zu fühlen!"

Mipim Awards 2019: Fünf deutsche Projekte im Rennen

Schlagworte zum Thema:  Kongress, Immobilien, Kommentar