01.07.2013 | Top-Thema Knowledge-Management

Die technische Lösung

Kapitel
Wissen ist Macht. Nur im Kopf gespeichert, kann es jedoch leicht verloren gehen.
Bild: kuzma/shutterstock

Auch der Baukonzern Bilfinger Berger setzt auf ein Technik-Portal, in dem Mitarbeiter in bestimmten Datenbanken recherchieren können. Dort sind Informationen über besondere Erfahrungen der einzelnen Kollegen, technische Innovationen und Forschungsergebnisse erfasst.

Auch Informationen über Kunden, Architekten und Planer können in ähnlichen Datenbanken gesammelt werden. Besonders für Immobilienunternehmen, die international tätig sind, kann es sinnvoll sein, über Newsgroups und diverse elektronische Foren ihre Experten miteinander kommunizieren zu lassen und einen Mitarbeiter als Wissensredakteur dafür abzustellen, diese Foren zu steuern, FAQs anzulegen und wichtige Themen zu allgemein zugänglichem Wissen zu machen.
Doch nicht nur die Informations- und Kommunikationstechnologie ist entscheidend für das erfolgreiche Managen von Wissen in Immobilienfirmen. „Die Unternehmenskultur und Organisation der einzelnen Bereiche sind sehr wichtig, wenn Mitarbeiter ihr Wissen teilen sollen“, merkt Stefan Rathswohl an: „Je kleiner das Unternehmen, desto wichtiger ist beim Wissensaustausch der Faktor Mensch.“ Gemeinsame Weiterbildungen, interne Arbeitsgruppen und Jobübergaben sind effektive Mittel, um Wissen in der Firma zu halten.
Auch informelle Events wie etwa das Unternehmensfrühstück können den persönlichen Wissensaustausch unterstützen. „Oft sind auch schon kleine Maßnahmen hilfreich: Wenn bei internen Besprechungen zum Beispiel die Ergebnisse protokolliert werden, haben auch die Mitarbeiter etwas davon, die abwesend waren“, sagt Rathswohl.
Bewährt haben sich in den Unternehmen auch sogenannte Tandem-Verfahren sowie Mentoren- und Coaching-Modelle, bei denen beispielsweise ein erfahrener Mitarbeiter einem jüngeren Kollegen unterstützend an die Seite gestellt wird, um gerade die Weitergabe von schwierig dokumentierbarem (Erfahrungs-)Wissen zu gewährleisten. Auch Teamarbeit über Abteilungs- und Hierarchiegrenzen hinweg und Jobrotationen können den Wissensaustausch zwischen den einzelnen Mitarbeitern erleichtern. „Einige Unternehmen der Branche veranstalten auch schon Online-Konferenzen über Webcam und halten kurze Schulungen mittels Online-Seminaren ab“, erzählt Rathswohl.
Um die Motivation der Mitarbeiter zur Weitergabe ihres Wissens zu erhöhen, kann es hilfreich sein, die Punkte Wissensweitergabe und Kompetenzaufbau in das existierende Zielvereinbarungs- und Beurteilungssystem des Immobilienunternehmens (zum Beispiel Balanced Scorecard) oder in die Jahresendgespräche zu integrieren. So kann man beispielsweise folgende Schlüsselfragen in den Beurteilungskatalog aufnehmen:

  • Was haben Sie im Jahr 2013 unternommen, um Ihre beruflichen Kompetenzen zu verbessern?
  • Was haben Sie im Jahr 2013 unternommen, um die beruflichen Kompetenzen Ihrer Mitarbeiter zu verbessern?
  • Was haben Sie getan, um Ihr Wissen an Kollegen weiterzugeben?
  • Wie haben Sie zur Entwicklung neuer Produkte oder neuer Verfahren beigetragen?

Ein Thema für alle Mitarbeiter

Doch das allein genüge nicht: „Zunächst geht es darum, die Mitarbeiter der Unternehmen für das Thema Wissen zu sensibilisieren und ihnen die Bedeutung des Themas vor Augen zu führen. Beim Wissensmanagement müssen schließlich alle teilnehmen – es reicht nicht, wenn nur einige Mitarbeiter sich einbringen“, sagt Rathswohl. So habe der Wissensmanagementspezialist die Erfahrung gemacht, dass in einem Bauunternehmen eine Mitarbeiterin über mehrere Jahre erfolgreich ein wichtiges Expertenforum online moderiert hat, in dem sich viele Mitarbeiter eingebracht haben. Sobald die Kollegin das Unternehmen verlassen habe, sei das Forum jedoch in Vergessenheit geraten. „Nur wenn jedem klar wird, dass er selbst Wissen abgeben muss, um neues Wissen zu erlangen, befindet man sich auf dem richtigen Weg“, sagt Rathswohl.

Schlagworte zum Thema:  Prozessoptimierung, Immobilienwirtschaft, Prozessmanagement, Wissensmanagement

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