16.11.2016 | Klimaschutzplan 2050

Immobilienwirtschaft: Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen geplatzt

Das Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen liegt erst einmal auf Eis: Im Januar denken die Verbände über die weitere Zusammenarbeit nach
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die Immobilienbranche macht ihrem Ärger über die Politik Luft: Der Klimaschutzplan 2050, wie gerade von der Bundesregierung beschlossen, enthalte eine zusätzliche Mehrbelastung für den Gebäudesektor, so Vertreter der großen Verbände der deutschen Immobilienwirtschaft. Vor diesem Hintergrund sehen sie vorerst keine Grundlage mehr für die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Regierung im Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen.

Bis Ende Januar 2017 wollen die Verbände nun mit den Fachministerien klären, ob noch ein gemeinsamer Weg beim Thema Klimaschutz gefunden werden kann. Bis dahin legen die Bundesarbeitsgemeinschaft Immobilienwirtschaft Deutschland (BID) und Haus & Grund ihre Mitarbeit im Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen auf Eis.

Hintergrund: Bauministerin Barbara Hendricks hatte zum Ärger der Immobilienwirtschaft noch kurzfristig die Verschärfung der Einsparziele im Gebäudesektor um acht Millionen Tonnen CO2 bis zum Jahr 2030 veranlasst. Anfang November war der Klimaschutzplan 2050 vorerst gescheitert und die Immobilienbranche hatte in dieser Verzögerung eine Chance gesehen, dass der Entwurf noch einmal im Sinne der Wohnungswirtschaft überarbeitet werden würde.

„Die Immobilienwirtschaft nimmt eine Vorbildrolle beim Klimaschutz ein“, sagt Andreas Ibel, Vorsitzender der BID und Präsident des BFW Bundesverbandes. Die Immobilienwirtschaft habe beim Klimaschutz bereits die Mindestziele für 2020 erreicht, so Ibel. Die weiteren Schritte müssten daher nicht nur wirtschaftlich sein, sondern auch einen Beitrag für die Bezahlbarkeit von Wohnen und Bauen leisten. Ibel:

Click to tweet

Der Dachverband Deutscher Immobilienverwalter (DDIV) machte noch einmal deutlich, dass der geplante Neubau aufgrund der angespannten Wohnungsmärkte vor allem in den Ballungsgebieten durch die weitere Verschärfung der energetischen Auflagen gebremst werde. Auch die Bewirtschaftungskosten würden weiter nach oben getrieben, so Wolfgang D. Heckeler, Präsident des DDIV. Dies könne nicht im Interesse der Regierung sein und

Click to tweet

sagt Heckeler.

Verschärfung der Einsparziele im Gebäudesektor nicht zielführend

Die Wohnungswirtschaft bekenne sich zu dem Ziel der Bundesregierung, einen bezahlbaren und nahezu klimaneutralen Gebäudebestand bis zum Jahr 2050 zu schaffen, so Axel Gedaschko, Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen.

Click to tweet

"Die energetischen Maßnahmen zum Erreichen der Klimaschutzziele müssen für die Bürger nachvollziehbar und vor allem bezahlbar bleiben“, ergänzt Kai H. Warnecke, Präsident des Eigentümerverbands Haus & Grund Deutschland. „Jede Tonne Kohlendioxid, die bei den Gebäuden zusätzlich eingespart werden soll, muss sehr teuer erkauft werden, weil die günstigen Einsparmaßnahmen längst umgesetzt wurden.“

IVD: Willkürliche Eingriffe in Eigentum

Willkürliche Eingriffe in das Eigentum und spontan erhöhte Anforderungen, "nur um anderen Sektoren gerecht zu werden, senden ein verheerendes Signal an die Immobilienwirtschaft", äußert sich Jürgen Michael Schick, Präsident des Immobilienverbands IVD. Die Regierung sollte sich eigentlich der Bedeutung der Branche bewusst sein.

Click to tweet

so Schick weiter.

Vorschläge der Immobilienbranche im Klimaschutzplan unberücksichtigt?

Dr. Andreas Mattner, Präsident des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss, kritisiert außerdem, dass im Klimaschutzplan "die brancheneigenen Vorschläge komplett unberücksichtigt“ bleiben. Die Quartiersebene finde ebenso wenig Beachtung wie die Einbeziehung von nicht direkt am Gebäude erzeugter Erneuerbarer Energien. Der

Click to tweet

und gefährde alleine schon deshalb eine vertrauensvolle Zusammenarbeit im Bündnis. Der ZIA hatte im Februar bei einem Treffen mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) zum Klimaschutzplan 2050 auf Risiken für die deutsche Immobilienwirtschaft hingedeutet und ein Positionspapier vorgelegt.

Schlagworte zum Thema:  Klimaschutz, Immobilienwirtschaft, Wohnungswirtschaft, Bund, Bundesregierung

Aktuell

Meistgelesen