KfW-Fördertopf für barrierefreies Wohnen schon wieder leer

Ende Juni hat das Bauministerium den Fördertopf der staatlichen KfW-Bank um 75 Millionen Euro für den altersgerechten Umbau von Wohnungen aufgestockt. Sechs Wochen später ist das Geld schon wieder aufgebraucht – die Zuschüsse hätten für das Restjahr 2022 reichen sollen.

Ob Treppenlift, Aufzug oder Rampe vor der Haustür – das Bundesbauministerin stellte die neuen Zuschüsse in Höhe von 75 Millionen Euro aus dem  Programm "Altersgerecht Umbauen" (Programm 455-B) der staatlichen Förderbank KfW am 29. Juni bereit. Bis zu 6.250 Euro konnten private Eigentümer und Mieter beantragen. Das Geld soll für das laufende Jahr 2022 ausreichen. Sechs Wochen später ist der Fördertopf schon wieder leer.

Die KfW teilte mit, dass die Fördermittel wegen der enorm hohen Nachfrage erschöpft seien und keine Anträge mehr gestellt werden sollen. Darauf wies die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz am 11. August hin.

KfW-Förderung für barrierefreien Umbau in Wohngebäuden

Seit 2009 wurden nach Angaben des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) mehr als 330.000 Wohneinheiten mit Mitteln aus der KfW-Förderung altersgerecht umgebaut – im Jahr 2021 waren es rund 50.000 Wohneinheiten.

Zu den typischen Modernisierungsmaßnahmen zählen das Verbreitern der Wege, das Entfernen von Türschwellen, der Einbau von bodengleichen Duschen oder die Installation von Aufzügen und Treppenliften.

Für einzelne Maßnahmen hat die KfW Zuschüsse in Höhe von zehn Prozent der förderfähigen Kosten (maximal 5.000 Euro) vergeben. Wer sein Haus zum Standard "Altersgerechtes Haus" umbaut, erhielt 12,5 Prozent der förderfähigen Kosten (maximal 6.250 Euro) von der KfW erstattet. Private Bauherren und Mieter konnten den Förderantrag vor Beginn der Vorhaben im KfW-Zuschussportal online stellen.

Das Alter des Bewohners spielte laut KfW keine Rolle. Unterstützt wurden alle Bauprojekte, die Barrieren in der Wohnung reduzieren wollten, auch für den Kauf von umgebauten Wohnraum.

Barrierefreies Wohnen: Förderung am Bedarf vorbei?

Die Nachfrage nach den KfW-Zuschüssen für die Barrierereduzierung ist groß. Auch im Jahr 2021 waren die im Januar bereitgestellten 75 Millionen nach knapp einem halben Jahr aufgebraucht. Mit gerade einmal 75 Millionen Euro im Fördertopf sei es absehbar gewesen, dass die Mittel auch dieses Mal nicht lange ausreichen würden, sagte Christiane Grüne, Leiterin der Landesberatungsstelle Barrierefrei Bauen und Wohnen, die sich in Trägerschaft der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz befindet.

In einer Studie des Instituts Wohnen und Umwelt (IWU) für die KfW wurde im April 2020 ermittelt, dass im Jahr 2030 ein bundesweites Angebot von 1,4 Millionen barrierereduzierten Wohnungen bestehen wird, die vorausberechnete Nachfrage aber bei rund 3,5 Millionen Wohnungen liegen dürfte. "Somit entsteht eine Versorgungslücke von mehr als 2,1 Millionen Wohnungen, also 60 Prozent", so Grüne.

Das Informationsprogramm "Zukunft Altbau", das vom Umweltministerium Baden-Württemberg gefördert wird, riet dazu, dass Hauseigentümer im Zuge einer energetischen Sanierung gleichzeitig barrierereduzierende Maßnahmen umsetzen sollten. "Durch das Vermeiden von doppelten Baustellen schonen Eigentümer ihre Nerven und können sogar Geld sparen", sagte Frank Hettler von "Zukunft Altbau".

Informationen von "Zukunft Altbau" zur energetischen Sanierung von Wohnhäusern


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Schlagworte zum Thema:  KfW, Zuschuss, Barrierefreiheit, KfW-Förderprogramm