Das Gebäudeenergiegesetz wird diese Woche nicht wie geplant vom Bundeskabinett verabschiedet, wie die Deutsche Energie-Agentur (dena) mitteilt. Damit wird es eng für diese Legislaturperiode. "Ich hoffe sehr, dass dieses für die vielfältigen Akteure wichtige Gesetz damit nicht auf der Kippe steht", sagt dena-Geschäftsführer Andreas Kuhlmann. Gestoppt wurde das Gesetz zum Energiesparen von der Unionsfraktion.

Die Grünen kritisierten den Stopp des Gesetzesentwurfs. "Die Bundesregierung hat nicht mal mehr die Kraft, das Minimum in Bezug auf den Klimaschutz im Gebäudebereich zu schaffen", sagte Fraktionsvize Oliver Krischer. Das sei ein "fatales Zeichen für den Klimaschutz".

Eigentümerverband Haus & Grund für individuellen Sanierungsfahrplan

Haus & Grund-Präsident Kai Warnecke hatte im Vorfeld der erwarteten Anhörung dafür plädiert, einen freiwilligen, individuellen Sanierungsfahrplan zu fördern. Warnecke sieht es als „verpasste Chance", dass die Bundesregierung weiterhin am Energiebedarfsausweis für Wohngebäude festhalten will.

„Der Energieausweis auf Basis des theoretischen Energiebedarfs eines Gebäudes hat sich als irreführend und damit als nutzlos erwiesen“, kritisiert Warnecke. Der errechnete Bedarf entspreche nur selten dem gemessenen Verbrauch und es gebe keine vernünftigen Gründe, daran festzuhalten.

„Nur was tatsächlich verbraucht wird, kann durch energetische Modernisierungen eingespart werden“, betonte Warnecke.

Gebäudeenergiegesetz: „KfW 55“-Standard für alle Neubauten stößt auf Kritik

Der vom Bundeswirtschafts- und Bundesumweltministerium vorgelegte Entwurf für das geplante Gebäudeenergiegesetz (GEG) war bereits bei immobilienwirtschaftlichen Verbänden auf Kritik gestoßen.

„Die strikte Verschärfung kann zu einer Verteuerung der Herstellungskosten führen und sollte sehr gründlich in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit geprüft werden" so Andreas Ibel, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Immobilienwirtschaft Deutschland (BID) und Präsident des BFW Bundesverbandes. Die BID schlägt vor, mit der Weiterentwicklung des GEG unter Einbeziehung der Eigentümer- und Nutzerperspektiven kurzfristig zu beginnen und fordert in seiner Stellungnahme, die Verbände von Beginn an dazu einzuladen. Das Gesetz soll (nach Vorlage im Bundestag und im Bundesrat) am 1.1.2018 in Kraft treten.

Auch der ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss hat in einer aktuellen Stellungnahme sowie in der Anhörung beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) Kritik am Entwurf zum Gebäudeenergiegesetz (GEG) für öffentliche Gebäude geäußert. „Wir begrüßen den Schritt der Politik, mit der Vereinheitlichung der bisherigen Rechtsvorschriften die gesetzliche Systematik zu überarbeiten“, sagt Dr. Andreas Mattner, Präsident des ZIA. Dies müsse jedoch auf Basis der Erfahrungen der vergangenen Jahre erfolgen, wissenschaftlich fundiert und praxistauglich sein.

ZIA: Festlegung auf Effizienzhaus 55 nicht zielführend

„Bei einer weiteren Verschärfung der EnEV 2016 ist etwa die Wärmeversorgung nicht mehr mit allen Energieträgern möglich beziehungsweise stellt unverhältnismäßig hohe Anforderungen an die thermische Qualität der Gebäudehülle“, so Mattner. Abgesehen davon, dass die Festlegung auf den Effizienzhaus 55-Standard kaum Fortschritt bei der Reduktion von CO2-Emissionen bringe. Seine erste Einschätzung hat der ZIA inzwischen durch ein Gutachten untermauert, das die  Task Force Energie des ZIA bei Univ. Prof. Dr.-Ing. M. Norbert Fisch, CEO der EGS-plan Ingenieurgesellschaft, Stuttgart und Direktor des IGS, TU-Braunschweig, in Auftrag gegeben hat.

Aus Sicht des ZIA ist vor allem die Forderung nach Technologieoffenheit im Entwurf zum GEG nicht ausreichend berücksichtigt worden. Insbesondere eine Gleichbehandlung von Wärme und Strom aus erneuerbaren Energien fehle. Der ZIA bedauert, dass mit dem GEG weder eine Neukonzeptionierung, noch eine Auseinandersetzung mit der Passgenauigkeit der Anforderungen zum Ziel der Energiewende gelungen sei.

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Es müsse vielmehr der Wirtschaft und dem Wettbewerb überlassen bleiben, die energetisch günstigste und wirtschaftlichste Lösung für das in Frage stehende Gebäude, Gebäudeensemble oder Quartier mit seinen standortbedingten Gegebenheiten zu finden.

„KfW-Effizienzhaus-Standard 55 für private Bauherren ist wirtschaftlich schlicht nicht realisierbar“, so Manfred Jost, Präsident des Verbands Wohneigentum.

Im Vorfeld der Festlegung neuer Standards müsse eine Folgeabschätzung hinsichtlich der Kostenentwicklung des Bauens und Wohnens vorgelegt werden, sagt Jost.

Positiv äußerte sich der ZIA, dass der Niedrigstenergiestandard im Gesetzentwurf noch nicht für alle Neubauten definiert wurde, was Raum für Diskussionen lasse. Die BID sieht noch Hoffnung im Bundesrat, nachdem sich zwei Bundesländer bei der Anhörung zum geplanten GEG kritisch gezeigt hatten.

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Im November 2016 hatten die Immobilienverbände das Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen aus Ärger über die Auflagen im Klimaschutz auf Eis gelegt.

geea: Standard für Nichtwohngebäude sollte keine Vorfestlegung für Wohngebäude sein

Die Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz (geea) bewertet positiv, dass der Entwurf die wichtigsten energie- und klimapolitischen Grundsätze berücksichtige. „Allerdings hätte der Entwurf sicherlich noch schlanker und einfacher werden können“, sagt Andreas Kuhlmann, Geschäftsführer der dena und Sprecher der geea.

Der Effizienzhaus-55-Standard für öffentliche Nichtwohngebäude sei durchaus ambitioniert und dringend erforderlich.

"Die öffentliche Hand sollte stärker als bisher ihrer Vorbildfunktion gerecht werden“, so Kuhlmann weiter.

Für den später noch zu definierenden Wohngebäudestandard sollten weitergehende Rahmenbedingungen gelten. Außerdem begrüßt die geea, dass Energieausweise in Zukunft verpflichtend auch CO2-Kennwerte enthalten sollen. Bedauerlich sei jedoch, dass die Bundesregierung das neue Gesetz nicht genutzt habe, um für einen aussagekräftigen Gebäudeenergieausweis zu sorgen und nur noch Energiebedarfsausweise zuzulassen.

Schlagworte zum Thema:  Neubau, Energieeffizienz