Karlsruhe: Große Gewerbeflächen für Wohnungsbau gesucht

In Karlsruhe müssten in den nächsten Jahren 14.000 Wohnungen gebaut werden, wahrscheinlich werde aber nur die Hälfte geschafft, sagt Oberbürgermeister Frank Mentrup. Es gibt nicht genug Baugrundstücke. Jetzt sucht die Stadt intensiv nach großen Gewerbeflächen.

Wenn es gelinge, aus Gewerbegebieten Misch- oder Wohngebiete zu machen, könnte das gegen die Wohnungsnot helfen, so Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD): "Wir versuchen gerade, anders als vor sieben oder acht Jahren, intensiv an große Flächen ranzukommen".

Prognosen: Karlsruhe braucht 258 Hektar Bauland bis zum Jahr 2050

Karlsruhe, nach Stuttgart die zweitgrößte Stadt in Baden-Württemberg, hat ein Problem, das auch andere prosperierende Großstädte haben: der Mangel an Bauflächen. Die Stadt könnte Prognosen zufolge bis 2030 auf rund 350.000 Einwohner wachsen. Aktuell sind es zirka 313.000. Mit knapp 1.800 Einwohnern pro Quadratkilometer ist Karlsruhe zwar aktuell noch deutlich weniger dicht besiedelt als etwa Stuttgart oder Mannheim, aber nach Angaben der Stadt werden bald bis zu 14.000 Wohnungen fehlen.

258 Hektar Bauland würden bis zum Jahr 2050 für den Wohnungsneubau gebraucht, so Mentrup, man haben aber bisher nur 85 Hektar gefunden.

Landkreis Karlsruhe übernimmt Kontingente für den Wohnungsbau

Die Stadt hat mittlerweile Kontingente für den Wohnungsbau an umliegende Gemeinden abgegeben. Die Voraussetzung für mehr Wohnungsbau im Landkreis Karlsruhe sei ein funktionierendes Verkehrsangebot, sagt Mentrup. Die Stadt ist dem Rathauschef zufolge gerade dabei, das ÖPNV-System in der Innenstadt und die Radrouten besser auszubauen.

"Die Region puffert vieles ab. Aber der Zuzug nach Karlsruhe wird so gebremst." Frank Mentrup (SPD), Oberbürgermeister von Karlsruhe

Die Menschen ziehe es nicht nach Karlsruhe, weil sie in die Großstadt wollten, sondern weil sie hier Arbeit oder einen Studienplatz haben. Im aktuellen Städteranking von Union Investment und Bulwiengesa zum Studentischen Wohnen, nimmt Karlsruhe einen Spitzenplatz ein. Und in der neuesten Wohnwetterkarte von Bouwfonds Property Development (BPD) und Bulwiengesa ist der Wohnungsmarkt in Karlsruhe auch deshalb "zu heiß", weil der Markt durch die hohe Anzahl von Studierenden in Kombination mit Wirtschaftsstärke geprägt ist.

Flächenverbrauch: Einzelne Leuchtturmprojekte für Wohnhochhäuser sind denkbar

Was den Bau von Hochhäusern angeht, äußerte sich Mentrup eher zurückhaltend. Einzelne Leuchtturmprojekte für Wohnhochhäuser könne er sich vorstellen, "aber es muss einen Investor und den Platz geben", so Mentrup. Wegen des geringeren Flächenverbrauchs könnten sich die Spielräume für den Wohnungsbau vergrößern. Noch gibt es nur wenige Hochhäuser in Karlsruhe und aus Sicht von Mentrup eignen sie sich auch eher für zusätzliche Büroflächen als für Wohnungen.

Ein Glücksfall ist Mentrup zufolge das kommunale Wohnungsbauunternehmen "Volkswohnung", mit dem es Karlsruhe gelinge, die Zahl der Wohnungen mit Sozialbindung sogar zu erhöhen. Alleine von 2012 bis 2018 habe das Unternehmen 841 Wohnungen gebaut, davon 307 öffentlich gefördert. Das Unternehmen nutzt gerade in der Großen Kreisstadt Stutensee in der Region Karlsruhe ehemalige Gewerbeflächen und das Gelände des alten Hallenbades zum Bau eines neuen Wohnquartiers. Auf dem zirka 12.000 Quadratmeter großen Grundstück sollen bis Ende 2023 zirka 150 Wohnungen entstehen, davon rund 30 Prozent geförderte Sozialwohnungen.

Gegen Enteignung, für Nachverdichtung

Dem Vorstoß des Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer (Grüne), der bauunwillige Grundstücksbesitzer enteignen will, kann Mentrup wenig abgewinnen. Die Frage, auf welche Gebäude man noch ein Geschoss draufsetzen könne, sei sinnvoller, "als den Leuten mit Enteignungsdebatten einen Schrecken einzujagen", meint der Karlsruher Amtskollege von Palmer, der sich für eine "vorsichtige Nachverdichtung" von Wohngebieten ausspricht, etwa mit Hecken, Dach- und Fassadenbegrünung, um das ganze Wohnumfeld aufzuwerten.

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