Jamaika kommt doch nicht zustande, jetzt fürchtet die Immobilienbranche um den Wohnungsneubau Bild: Corbis

Der Abbruch der Sondierungsgespräche zwischen CDU/CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen lässt Stimmen in der Immobilienwirtschaft laut werden: Die Branche befürchte, dass sich nun vieles verzögern könnte, was in den Jamaika-Verhandlungen noch "on the top" war – ganz besonders das Thema Wohnungsbau. 1,5 Millionen neue Wohnungen in den kommenden Jahren hatte etwa die CSU versprochen. Jetzt ist alles erst einmal ungewiss.

"Der Abbruch der Jamaika-Gespräche ist für die Branche kein gutes Zeichen", sagte etwa Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien Ausschusses ZIA. Im Sinne des bezahlbaren Wohnens und Bauens sei eine handlungsfähige Regierung notwendig.

Die angestrebte neue Koalition aus CDU, CSU, FDP und Grünen hatte angekündigt, gegen die Wohnungsnot vorgehen zu wollen. "Unser Ziel ist es, für ausreichenden bezahlbaren und geeigneten Wohnraum für alle zu sorgen", hieß es in einem Leitlinien-Papier.

Neuwahlen würden alles verzögern

Antoinette Hiebeler-Hasner, Partnerin bei Vistra, geht momentan davon aus, dass es zu Neuwahlen kommen wird. Aus Sicht der Immobilienbranche sei dies bedauerlich, da die Situation vor allem Verzögerung bedeute.

"Vor allem die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum ist derzeit eine drängende Frage in Deutschland", so Hiebeler-Hasner.

Daneben bedürften zahlreiche regulatorische Fragen einer Klärung. Begrüßt hatte die Branche schon vor den Sonderungsgesprächen, dass die Parteien die Mietpreisbremse auf den Prüfstand stellen wollten. Die CDU hatte dabei für ein Ende der Mietpreisbremse bis 2020 plädiert.

Finanzierungsumfeld in Gefahr?

Als besonders wichtig erachtet die Immobilienwirtschaft ein stabiles Finanzierungsumfeld. "Der Immobilienmarkt in Deutschland gilt weltweit als sicherer Hafen für Investments", ergänzte Andreas Ewald, Geschäftsführer der Engel und Völkers Investment Consulting.

Eine Minderheitenregierung oder gar Neuwahlen schadeten dem Ansehen Deutschlands, so Ewald.

Ein Vertrauensverlust könne sich zunächst auf den Gewerbeimmobilienmarkt auswirken – sowohl bezüglich der Abschlüsse neuer Mietverträge, aber auch bei der Investition in Projektentwicklungen und Bestandsimmobilien.

"Die Verunsicherung wäre sowohl bei nationalen als auch bei internationalen Investoren zu spüren", sagte Ewald. Unsicher ist auch, was aus dem Thema "Share Deals" wird, das die Grünen auf die Tagesordnung der Jamaika-Verhandlungen gebracht hatten. Sie wollten das "Grunderwerbsteuer-Schlupfloch" schließen, was etwa vom ZIA heftig kritisiert wurde.

Rückschlag für Digitalisierung

Gerade für das zentrale Thema der Digitalisierung in Deutschland seien die gescheiterten Koalitionsverhandlungen ein Rückschlag, sagte Heike Gündling, Geschäftsführerin der Architrave GmbH, zu dem Abbruch der Sondierungsgespräche.

"Wir brauchen dringend ein Bundesministerium für Digitalisierung", so Gündling.


Wichtig sei eine umfassende digitale Agenda, sagte Gündling.

Schlagworte zum Thema:  Politik, Immobilienwirtschaft

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