Szenarien für den Investmentmarkt zeichneten die Experten (v.l.n.r.) Harald Simons, Andreas Pohl und Claus Thomas Bild: Gabriele Bobka

Die Rahmenbedingungen sind gut, Deutschland wird als sicherer Hafen von Immobilieninvestoren geschätzt und die Abkehr von der Niedrigzinsphase wird moderat und zeitlich gestreckt verlaufen. So lautete das Fazit einer Diskussionsrunde zur aktuellen Lage auf dem Investmentmarkt, an dem die Experten Andreas Pohl (Deutsche Hypo), Harald Simons (Empirica) und Claus Thomas (La Salle Investment Management) teilnahmen.

"Von der neuen Regierung erwarte ich keine dramatischen Störungen", sagte Andreas Pohl, Vorstand der Deutschen Hypo. Deutschland werde immer noch als Stabilitätsfaktor bewertet, bestätigte Claus Thomas, International Director bei La Salle Investment Management, diese Einschätzung. Das schlage sich etwa in der Akzeptanz niedriger Renditen nieder.

"Im Moment starren alle wie die Kaninchen auf die Schlange auf mögliche Zinserhöhungen", lautete das Fazit von Thomas.

Irgendwann würden diese Erhöhungen kommen, doch es bringe nichts, in Schockstarre zu verfallen, vielmehr müssten sich Investoren Handlungsstrategien überlegen, die auf unterschiedliche Szenarien aufbauen.

Ende des Zyklus am Wohnungsmarkt erwartet

"Auf den Wohnungsmärkten sind wir am Ende eines Zyklus angekommen", sagte Professor Harald Simons, Mitglied der Empirica-Geschäftsführung. Ruhe sei das Beste, was der Branche aktuell passieren könne.

"Verlängert die Politik diesen Zyklus mit Hilfe von Subventionen, sind schlechtere Qualitäten und ein unsanfte Landung zu befürchten", so Simons.

"Wir müssen uns auf Veränderungen einstellen, aber auch Geschäfte tätigen", sagte Pohl. In einer weiteren Krise werde sich die Spreu vom Weizen trennen.

"Wir sind im Wohnungsmarkt an einem Punkt angekommen, bei dem die Produkte die Risiken nicht mehr abbilden", fuhr Pohl fort.

Die Netto-Anfangsrenditen lägen teilweise bei nur noch zwei Prozent. Investoren spekulierten auf weitere Mietsteigerungen. Das könnte sich als Irrtum erweisen, so Pohl. Als treibender Faktor für die Kaufpreissteigerungen erwiesen sich der hohe Geldzufluss und der damit verbundene Anlagedruck. Die ausländischen opportunistischen Investoren, die aktuell auf den Markt drängten, verdrängten die Selbstnutzer. Wählten die Käufer irgendwann den schnellen Exit, könne sich der Markt unmittelbar in die andere Richtung drehen.

Hält der Boom an, könnte die Landung bei einem Crash hart ausfallen

"Unsere Hoffnung besteht in einer weichen Landung bei einem Crash", so Professor Simon. Das werde aber nicht eintreten, wenn der Boom noch längere Zeit andauere. Bei einem Zinsanstieg könne es innerhalb der nächsten fünf Jahre zu einer Abwertung der Preise von bis zu einem Drittel kommen.

"Bei einer Stagnation oder einem Rückgang der Preise wird es zu einem Stillstand auf dem Markt kommen", so die Prognose von Thomas.

Das Transaktionsvolumen gehe dann zurück. Er frage sich, wo Investoren ihre Schmerzgrenze sehen, denn auch mit weniger als zwei Prozent könne das Investment stimmen, sofern tatsächlich Mietsteigerungspotenzial vorhanden sei, meinte Thomas.

"Die Verkehrswerte steigen, während die LTVs stabil sind. In der Konsequenz bedeutet das, dass wir höher finanzieren", sagte Pohl abschließend.

Schlagworte zum Thema:  Investor, Expo Real, Rendite, Risiko

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