09.04.2015 | Top-Thema InDIRA: Häuser als Stromspeicher

Stromspeicher: Potenzial vorhanden

Kapitel
Photovoltaikanlagen produzieren Strom. Wo wird er gespeichert?
Bild: Haufe Online Redaktion

Das Thema Energiespeicherung ist ein Schlüsselthema, wenn es um Zukunftsfähigkeit von Gebäuden geht. Wie groß ist hier das Potenzial?

Es soll hier gehen um das Thema der Energiespeicherung. Der Soziologe Jeremy Rifkin sieht als dritte Säule einer neuen Industriellen Revolution den Einsatz von Wasserstoff und anderen Energiespeichern in allen Gebäuden sowie an den Knotenpunkten der Infrastruktur zur Speicherung von unregelmäßig anfallender Energie. Er nennt dabei Brennstoffzellen als Speichermedien für erneuerbare Energien. „Wenn die Sonne auf die Photovoltaikmodule auf unserem Dach scheint, wird Strom erzeugt, der größtenteils sofort im Haus verbraucht wird. Kommt es zu einem Überschuss, lässt sich dieser zur Elektrolyse einsetzen und der dabei entstehende Wasserstoff in einen Speicher einspeisen. Wenn die Sonne nicht scheint, verwandelt man den Wasserstoff mittels einer Brennstoffzelle wieder in Strom“ (Rifkin, Dritte Industrielle Revolution, Seite 65).

Geht das so?

„Wir sind der Ansicht, dass es großes Potenzial für dezentrale Energieerzeugung in Kombination mit Energieeffizienz- und Flexibilitätslösungen gibt“, so EON-Sprecherin Bettina Donges. Bisherige Stromspeicher, wie z. B. Pumpspeicherkraftwerke, würden seit vielen Jahren verwendet, um die Preisunterschiede auf dem Markt auszunutzen. Energiespeicher würden benötigt, um die Versorgung zu sichern sowie Netzstabilität zu garantieren. In der Folge würden Speicher eine wichtige Rolle im zukünftigen Energiesystem spielen, nicht nur für den Markt, sondern auch für Dienstleistungen der Netzbetreiber. Donges: „Wir sollten in unserem Denken nicht auf wenige idealisierte Lösungen setzen, sondern möglichst vielfältige Lösungsräume aufzeigen. Am Ende wird der Markt sich für die effizienteste Lösung ... entscheiden.“

Optimismus:

Verhalten Überschüssiger Strom wird zurzeit in einigen Modellen in einer Batterie gespeichert, aus der sich Elektroautos aufladen lassen. Die nutzen die Mieter im Carsharing-Modell, so wie im Aktiv-Stadthaus des städtischen Wohnungskonzerns ABG Frankfurt Holding im Gutleutviertel in Frankfurt. Auf die Speicherung von Strom in einer Lithium-Ionen-Batterie setzt auch der Freiburger Architekt Wolfgang Frey. Die sei jedoch, so seine Sprecherin, immer noch ein wunder Punkt solcher Konzepte. Die Zwischenspeicherung in der Lithium-Ionen-Batterie beschränke sich nämlich auf Tage. Es sei noch nicht möglich, im Sommer erzeugten Strom bis zur kalten Jahreszeit zu konservieren, in der die Sonnenstrom-Ausbeute naturgemäß gering ist. Hinzu komme der hohe Preis der Batterien: Beim Mehrfamilienhaus in Frankfurt kostet diese rund 200.000 Euro, also 2.700 Euro pro Wohnung. Auf der Fachtagung „PV-Stromspeicherung in Gebäuden“, die im Rahmen der Renexpo letzten Oktober in Augsburg stattfand, war denn auch ein nur verhaltener Optimismus spürbar. Alternative Batteriespeicher sind zwar große Hoffnungsträger der Photovoltaik-Branche. Immer wieder werden jedoch eklatante Sicherheitsmängel kritisiert. Insbesondere das Fehlen von Normen, Richtlinien, Zertifizierungen macht sich anscheinend negativ bemerkbar. Das Thema „Sicherheit“ habe sich, so Branchenteilnehmer, zur Bremse im Markt entwickelt.

Schlagworte zum Thema:  Immobilienwirtschaft, Stromspeicher, Gebäude, Energie, Immobilien

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