17.01.2014 | Top-Thema Immobilientrends: Digitalisierung, Demografie & Co.

Gemischt genutzte Quartiere

Kapitel
Gemischt genutzte Quartiere erfreuen sich zunehmend an Beliebtheit, wie hier im Waidmarkt-Quartier, Köln.
Bild: Fay Projects GmbH

Dass Stadtbewohner nicht mehr unbedingt ein eigenes Auto brauchen, hängt mit dem Trend zusammen, auch im Neubau gemischt genutzte Quartiere zu schaffen.

Ob Leipziger Platz Quartier in Berlin, Milaneo in Stuttgart, Europaviertel in Frankfurt am Main, Waidmarkt-Quartier in Köln oder Baumkirchen Mitte in München – überall ist eine Mischung aus Büros, Läden, Wohnungen und teilweise Hotels vorgesehen. „Innerstädtische Immobilien mit einer Nutzungsmischung aus Handel, Gastronomie, Büro/Dienstleistung und Wohnen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit“, bestätigt ein Sprecher der Patrizia AG, die zusammen mit CA Immo Deutschland das 130.000 Quadratmeter große Quartier Baumkirchen Mitte in München entwickelt. „Dafür spricht unter anderem, dass das Mietausfallrisiko durch die Diversifikation der Nutzungen deutlich geringer ist als bei Mononutzungen.“

Gänzlich unproblematisch ist die Nutzungsmischung indes nicht. „Der Wunsch nach Trennung der Nutzungen auch innerhalb ein und derselben Immobilie ist weiterhin aktuell, um zum Beispiel Realteilungen zu ermöglichen oder störender Einflüsse der Nutzungen untereinander wenigstens teilweise Herr zu werden“, hält der Patrizia-Sprecher fest.
Ist diese Voraussetzung gegeben, so begeistern sich durchaus Investoren für gemischte Quartiere. So hat zum Beispiel ein geschlossener Fonds von Immobilienwerte Hamburg (vormals Fondshaus Hamburg) das Stadtquartier Westarkaden in Freiburg erworben.

Klimatische Veränderungen

Von den kommunalen Behörden sind solche Mischnutzungen gern gesehen – nicht zuletzt aus ökologischen Gründen. Denn immer mehr Kommunen setzen sich mit einem Trend auseinander, der in der öffentlichen Debatte derzeit eine eher untergeordnete Rolle spielt: der Klimaveränderung. Und die stellt nicht zuletzt Entwickler und Eigentümer von Immobilien vor große Herausforderungen. „Eine Großstadt wie Frankfurt braucht eine klimagerechte Stadtentwicklung, da es in erster Linie die Städte sein werden, die von den Folgen der Klimaerwärmung am härtesten getroffen werden“, formuliert es Olaf Cunitz, Bürgermeister und Planungsdezernent der Stadt Frankfurt am Main.
Bereits 2011 beschloss deshalb die Bankenmetropole ihre „Frankfurter Anpassungsstrategie“. „Es zeichnet sich ab, dass es in Frankfurt am Main zukünftig mildere und feuchtere Winter, zahlreichere und heftigere Unwetter sowie stärkere und länger andauernde Hitzeperioden im Sommer geben wird“, heißt es in der Anpassungsstrategie. Deswegen müsse die klimaverträgliche Nachverdichtung im Bestand Priorität vor der weiteren Außenentwicklung haben und sämtliche Neubaugebiete müssten daraufhin geprüft werden, ob Wärmeschutz und Verschattung ausreichend berücksichtigt seien.
Sind das nun lediglich hehre Sonntagsreden ohne Praxisbezug? Offenbar nicht. Jedenfalls spielen bei der Quartiers­entwicklung Baumkirchen Mitte in München ökologische Erwägungen eine wichtige Rolle: Nur die Hälfte der Grundstücksfläche wird bebaut, während der Rest als ökologische Vorrangfläche erhalten bleibt. Und auf dem Dach sind für alle Bewohner nutzbare Dachgärten vorgesehen – und das gemeinschaftliche Gärtnern mitten in der Stadt („Urban Gardening“) soll ja ebenfalls ein Trend sein.

Schlagworte zum Thema:  Gemischte Nutzung, Klimawandel, Digitalisierung, Gewerbeimmobilien, Demografischer Wandel, Einzelhandelsimmobilie

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