Immobilienmanagement: Die Kirche als Arbeitgeber

Für die Vielzahl ihrer Immobilien benötigt die Kirche in allen Bereichen der Immobilienwirtschaft Personal, vom Auszubildenden bis hin zu Führungspersonal. Die Erzdiözese Freiburg zum Beispiel beschäftigt einige hundert Immobilienfachleute. Dabei ist die Kirche als Arbeitgeber in Sachen Immobilienmanagement (noch) nicht in aller Munde – und muss sich doch dem allgemeinen Wettbewerb um Talente stellen.

Die Kirche hat traditionell eine vielfältige Immobilienlandschaft: Es sind land- und forstwirtschaftliche Flächen vorhanden, Erbbaugrundstücke, gewerblich und für Wohnzwecke vermietete Gebäude, Bauernhöfe, Bäche und Seen. Diese Immobilien sind zu bewirtschaften, zu verpachten, zu verkaufen oder zu kaufen, zu bauen oder zu vermieten – dafür benötigen die Kirchen Personal.

Beispiel Erzdiözese Freiburg: Verwaltungsstellen und Bauämter

Auf der Ebene der Kirchengemeinden und ihrer Verwaltungsstellen (Verrechnungsstellen) in der Erzdiözese Freiburg erledigen so genannte Gebäudefachleute für die örtlichen Kirchengemeinden die Bewirtschaftung der Gebäude vor Ort, kümmern sich um kleinere Baumaßnahmen oder vermieten Räume im Gemeindezentrum an interessierte Gruppen. Mehr als 5.000 Gebäude mit rund vier Millionen Quadratmetern Bruttogeschossfläche gibt es auf Ebene der Kirchengemeinden in der Erzdiözese Freiburg.

Auf der Ebene der Verwaltung werden die baulichen Aktivitäten der Kirchengemeinden, aber auch der Erzdiözese selbst (zum Beispiel für deren Tagungshäuser, Verwaltungsgebäude, Akademien oder Schulen) durch drei kirchliche Bauämter unterstützt. In Heidelberg, Freiburg und Konstanz arbeiten zirka 45 kirchliche Architekten, Bauingenieure, Bauzeichner oder Verwaltungsangestellte. Sie sanieren Kirchen oder Gemeindezentren, Pfarrhäuser und Verwaltungsgebäude. 2015 wurden rund 100 Millionen Euro für entsprechende Baumaßnahmen ausgegeben.

Größere Bauvorhaben der Kirchengemeinden bedürfen einer aufsichtsrechtlichen Genehmigung. Hier arbeiten in der Regel kirchliche Immobilienfachleute in der diözesanen Verwaltung in Freiburg. Seit einigen Jahren stellt die Erzdiözese Freiburg in diesem Zusammenhang zwei Studierende ein, die den Studiengang Immobilienwirtschaft (BoA) an der Dualen Hochschule in Mannheim besuchen und ihre praktische Ausbildungszeit in den Immobilienbereichen der Erzdiözese absolvieren. Die ersten haben das Studium bereits erfolgreich absolviert, zwei weitere stehen kurz vor dem Abschluss. Im Frühjahr 2017 werden zwei neue Studienplätze ausgeschrieben.

Die kirchlichen Stiftungen gehören zu den großen Immobilieneigentümern

Ein großer Tätigkeitsbereich auf dem Immobiliensektor liegt bei den großen Stiftungen der Erzdiözese Freiburg. Deren Immobilien werden nach wirtschaftlichen Grundsätzen verwaltet. Mit etwa 9.000 landwirtschaftlichen Grundstücken und 7.000 Erbbaugrundstücken gehören die Stiftungen zu den großen Immobilieneigentümern in Baden-Württemberg. Hinzu kommt die Verwaltung von Mietgebäuden und Gewerbeimmobilien. Die Vorbereitung und Steuerung großer und kleinerer Bauvorhaben der Erzdiözese selbst und ihrer Stiftungen gehören ebenfalls zu den Aufgaben der im Immobilienbereich tätigen Mitarbeiter.

Die Vielzahl von Immobilien und die unterschiedlichen Ansätze, mit Immobilien umzugehen, erfordern in allen Bereichen der Immobilienwirtschaft Personal. Vom Auszubildenden über Fachkräfte bis hin zu Führungspersonal sind immer wieder Stellen zu besetzen. Da die Immobilienwirtschaft sich ständig verändert, gehört auch eine Kooperation im Immobilienbereich mit der Wissenschaft dazu, in diesem Fall mit der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen Geislingen.

Die Bereitschaft von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sich fortzubilden, wird durch Inhouse-Seminare gefördert. Wer Interesse hat, eine Ausbildung zum Immobiliensachverständigen oder eine andere immobilienorientierte Fortbildung zu machen, hat es in Freiburg durch die dort vorhandene Deutsche Immobilienakademie (DIA) leichter. Die Erzdiözese hat in den vergangenen Jahren einer Reihe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Aus- und Fortbildung in diesem Bereich ermöglicht.

Zusammenarbeit mit RICS geplant

Zurzeit ist die Erzdiözese in Gesprächen mit dem Berufsverband RICS. Es ist angestrebt, die Bezeichnung „Regulated by RICS“ zu erhalten, zudem soll den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Zugang zur Mitgliedschaft und zu den Aus- und Fortbildungsangeboten der RICS ermöglicht werden.

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