EZB-Geldpolitik und Iran-Krieg: Ansage zu Bauzinsen
Die Europäische Zentralbank (EZB) steht wegen der Folgen des Kriegs im Nahen Osten vor neuen Herausforderungen. Mit der Aussicht auf eine steigende Inflation wird es schwieriger, die Zinsen stabil zu halten.
Trotzdem sieht die Bank derzeit keinen Anlass, die Leitzinsen im Euroraum zu verändern. Der für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins bleibt bei zwei Prozent, wie der Rat nach der Sitzung am 30.4.2026 in Frankfurt am Main mitteilte.
Immobilienexperten: Zinswende bereits im Gang
Auch wenn die EZB den Einlagensatz unverändert lässt, könne man daraus nicht ableiten, dass sich an der Zinslandschaft wenig verändert hat, sagte Oliver Kohnen, Geschäftsführer der Baufi24 Baufinanzierung GmbH, vor der Ratssitzung.
Der Iran-Krieg hat die Energiepreise nach oben getrieben und eine neue Inflationsdynamik ausgelöst – für April 2026 rechnen Beobachter mit Werten oberhalb der Marke von drei Prozent. Das Inflationsziel der EZB liegt bei zwei Prozent.
Hier beginnt laut Kohnen die Zinswende. Der International Monetary Fund (IMF) gehe davon aus, dass die Notenbank 2026 gleich zwei Zinserhöhungen vornehmen könnte. Eine erste Anhebung bereits im Juni gilt unter Marktbeobachtern als realistisches Szenario.
Die Märkte haben auf die Prognosen bereits reagiert: So sind die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen zuletzt nachhaltig über die Drei-Prozent-Marke gestiegen – solange die Renditen hoch bleiben, bleiben auch die Finanzierungskosten erhöht. Die Bauzinsen bewegen sich derzeit wieder um die Marke von rund vier Prozent. Selbst ohne unmittelbare Zinserhöhung durch die EZB zeige die Richtung eher nach oben als nach unten, so Kohnen. Gleichzeitig deuten Studien darauf hin, dass die Wohnimmobilienpreise bis 2027 wieder Höchststände erreichen könnten.
"Der Kapitalmarkt hat eine mögliche Leitzins-Erhöhung im Sommer bereits eingepreist. Mit Blick auf die Bauzinsen gehe ich davon aus, dass wir uns in den kommenden Wochen weiter um das Niveau von vier Prozent für zehnjährige Darlehen bewegen werden", ergänzte Jörg Utecht, Vorstandsvorsitzender der Interhyp Gruppe.
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Ökonomen zum geldpolitischen Kurs der Notenbank
"Die EZB-Offiziellen haben die vergangenen Wochen genutzt, um die Sitzung der Notenbank vorzuspuren", kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. "Die Botschaft war eindeutig: Die EZB benötigt für die Ausrichtung ihres zinspolitischen Kurses mehr Informationen."
Die Experten der Dekabank schrieben: "Präsidentin Lagarde und ihre Ratskollegen betrachten die wirtschaftlichen Folgen des Krieges im Nahen Osten nach wie vor als sehr unsicher." Insofern sei noch nicht mit einer Anpassung der Geldpolitik zu rechnen gewesen.
Die Unsicherheit mit Blick auf die weitere Geldpolitik ist groß. Entscheidend bleibt der Krieg zwischen den USA und dem Iran. Eine Öffnung der Straße von Hormus ist weiterhin nicht in Sicht. Eine anhaltende Schließung dürfte die Inflation weiter anheizen und das Wirtschaftswachstum dämpfen. Die Anzeichen für eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums mehren sich.
So ist in Deutschland das Ifo-Geschäftsklima im April deutlich gefallen. Wachstumsprognosen wurden zuletzt nach unten revidiert. Die Inflation hingegen dürfte weiter steigen. Im März lag die Inflationsrate bei 2,6 Prozent, während die EZB auf mittlere Sicht zwei Prozent anstrebt. In Deutschland ist die Inflationsrate im April auf 2,9 Prozent gestiegen.
"Für Juni halten wir eine Zinserhöhung aber nach wie vor für wahrscheinlich, insbesondere wenn sich die Hängepartie um die Straße von Hormus fortsetzt, die nach wie vor weitgehend blockiert ist", kommentierte Commerzbank-Ökonom Marco Wagner. "Immerhin sind die Erinnerungen an den Inflationsschub 2022 noch frisch."
Die Leitzinsen wurden nun bereits zum siebten Mal in Folge nicht angetastet. Zuvor hatte es eine ganze Serie von Senkungen gegeben. Im Frühjahr 2024 lag der Einlagenzins noch bei vier Prozent.
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