23.02.2016 | Top-Thema Von CBRE bis BNP – So nutzen große Immobiliendienstleister Big Data

Datenschutz als Herausforderung

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Bild: Corbis

Als die größten Hemmnisse für die Implementierung von Big Data gelten in der Branche der Mangel an standardisierten Daten und Erhebungsmethoden, das Fehlen einer zentralen Datenquelle und die Anforderungen des Datenschutzes.

So müssen Immobiliendienstleister, die sowohl in der Transaktionsberatung als auch im Bereich Valuation agieren, durch geeignete Chinese Walls sicherstellen, dass kein unrechtmäßiger Austausch der Daten erfolgt.


Große Immobiliendienstleister haben Big Data bereits implementiert - wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß.


JLL hat frühzeitig erkannt, dass sich die Fähigkeit, große Datenmengen in Echtzeit zu analysieren, zu verdichten und für den Kunden bereitzustellen, zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor entwickeln wird“, sagt Kai Zimprich, Head Digital Services JLL Germany: „Schon seit Jahren betreiben wir daher erheblichen Aufwand, um zum Beispiel unseren riesigen Bestand an Objektdaten in Deutschland besser analysieren zu können. Diese Analyse liefert intern den Entscheidern wertvolles Wissen im Hinblick auf Zusammenhänge und Aussagen zu zukünftigen Entwicklungen.“ Das Management erhalte dadurch mehr Sicherheit bei der Entscheidungsfindung. Innovative Lösungen erlaubten inzwischen auch Anwendern ohne IT-Kenntnisse, sich Analysen flexibel zu erstellen, mit den Daten zu „spielen“ und die Ergebnisse visuell aufzubereiten, so Zimprich weiter: „Damit werden Fachabteilungen in die Lage versetzt, eigene Entscheidungen zu treffen. Extern können Kunden auf Chancen und Potenziale hingewiesen werden, die bisher noch gar nicht in deren Fokus standen. Allerdings ist die Veredelung von Daten zu Informationen konzeptionell, aber auch finanziell anspruchsvoll. JLL hat daher eine Data-Management-Strategie entwickelt und Datenspezialisten eingestellt. Big Data hat bei JLL auch Strukturen und Prozesse im Hinblick auf ein agiles Business-Process-Management verändert, um die Entscheidungen, die man aus den Big-Data-Analysen herbeiführt, schnell implementieren zu können. Von hoher Bedeutung ist bei JLL auch der Datenschutz. Wir arbeiten bereits seit Jahren mit einer externen Datenschutzbeauftragten zusammen.“


Martina Williams, Head of Client Solutions Germany and Continental Europe bei CBRE, meint: „Big Data wird für die Beteiligten der Immobilienbranche zunehmend wichtiger und bietet ein enormes Potenzial bei der vernetzten Analyse und der fortschreitenden Digitalisierung von Daten von Gebäuden und Portfolien. Zur Beratung unserer Kunden nutzt CBRE spezialisierte Software-Tools zur Datenaufbereitung und -auswertung. Hierbei werden alle vertraglich zugesicherten Vertraulichkeitsvereinbarungen selbstverständlich berücksichtigt. Auch allen Datenschutzauflagen wird entsprochen.“ Genau wie JLL arbeitet auch CBRE dazu mit einem Datenschutzbeauftragten zusammen.


„Bei Savills spielen Daten in der Bewertung von Immobilien und Märkten schon immer eine bedeutende Rolle“, sagt Matthias Pink, Head of Research Germany bei Savills: „Der Umgang mit großen Datenmengen ist schon seit Jahren Alltag. Es gibt ein Team, das ausschließlich für die Aufbereitung und das Management dieser Daten zuständig ist. Ein Großteil der Daten wird in einer zentralen Datenbank zusammengeführt.
Die Datenpflege und -anreicherung erfolgt weitgehend dezentral durch alle Abteilungen und Mitarbeiter. Vertrauliche Daten oder Daten, bei denen Chinese Walls wichtig sind, um Interessenskonflikte gegenüber dem Kunden auszuschließen, werden separat abgelegt und verwaltet. Als Software nutzen wir sowohl inhouse programmierte Lösungen als auch externe Datenbank-Software. Auch für die Beratung ist Big Data bei Savills zentral. Natürlich würde eine Beratung ohne Berater nicht gelingen, aber ohne belastbare Daten funktioniert sie heute ebenfalls nicht mehr. Die Entwicklung folgt einer zwingenden Logik: Gut aufbereitete Daten liefern die besseren Argumente, weil sie objektiv sind und eine verlässliche Entscheidungsgrundlage bilden. Dies wiederum stärkt das Vertrauen des Kunden in uns als Berater.“


Peter Bigelmaier, Head of Office Letting bei Colliers International Deutschland, sagt: „Datenbanken dienen nicht nur dem Management von Daten, sondern entwickeln sich vielmehr in Richtung Auswertungs- und Reporting-Tools. Im Immobilienbereich liegt im Vergleich zu Finanzmärkten weniger Fokus auf Quantität der Daten denn auf Qualität, es ist daher nicht unbedingt von ‚Big Data‘ im engeren Sinne zu sprechen.“


Dieser Text erscheint im Fachmagazin "Immobilienwirtschaft", Ausgabe 03/2016.

Schlagworte zum Thema:  Big Data, Immobilienwirtschaft, Immobiliendienstleister

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