23.02.2016 | Top-Thema Von CBRE bis BNP – So nutzen große Immobiliendienstleister Big Data

Das große Sammeln

Kapitel
Viele Daten stellen noch keinen Mehrwert dar – dafür müssen sie aufgearbeitet sein und zur Verfügung stehen.
Bild: Corbis

Big Data kommt aktuell als neue Form der Analyse und Nutzung von Daten vor allem bei den Großen der Immobilienbranche zum Einsatz. Welchen Mehrwert bietet das Sammeln von Daten im großen Stil?

In der heutigen Informations- und Wissensgesellschaft wird Wissen selbst zum entscheidenden Wertschöpfungsfaktor. Globalisierung und Digitalisierung schaffen riesige Datenmengen unterschiedlicher Typologie. Die in den Datenbanken der international agierenden Immobiliendienstleister gesammelten Daten stellen a priori jedoch noch keine Information dar. Erst wenn diese Daten zu zweckorientiertem Wissen „veredelt“ werden und sichergestellt ist, dass die jeweils benötigten Informationen zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort den richtigen Entscheidungsträgern in geeigneter Form zur Verfügung stehen, tragen sie zur Wettbewerbsfähigkeit und zum nachhaltigen Erfolg von Unternehmen bei. Damit lassen sich nicht nur Entscheidungen auf einer auf Fakten beruhenden Basis treffen, sondern auch Trends, Potenziale und Risiken frühzeitig erkennen. Fehlt den Daten die Eigenschaft der Zweckorientierung, kann plakativ von einer Informationsarmut im Datenüberfluss gesprochen werden.


Das Management der Daten fordert jedoch eine hohe Kompetenz bei Auswahl, Gewichtung und Analyse und setzt entsprechende Ressourcen an Kapital und Mitarbeitern voraus. Zudem gilt es, die komplexen Bestimmungen des Datenschutzes zu beachten. Aktuell kommt Big Data als neue Form der Analyse und Nutzung von Daten daher vor allem bei den Großen der Branche zum Einsatz.

Big Data als Chance

Die Entscheider immobilienwirtschaftlicher Unternehmen treffen ihre Entschlüsse laut einer Umfrage von Catella Research unter 468 europäischen Immobilienunternehmen vor allem auf der Basis ihrer Erfahrung (60,4 Prozent), nur knapp ein Viertel gibt an, Entscheidungen hauptsächlich auf der Grundlage von Daten zu treffen. Insgesamt erhoffen sich 77 Prozent der Befragten, dass die Auswertung großer Datenmengen zu einer Verbesserung und Unterstützung bei der Entscheidungsfindung beiträgt, zu größerer Transparenz auf den Immobilienmärkten führt (72 Prozent) und Risiken minimiert.


„Idealerweise soll ein Mehr an ‚Data‘ Unternehmen in die Lage versetzen, effizienter zu werden, sei es bei der Produkterstellung, der Zielgruppenanalyse oder bei der Kundenberatung“, stellt Thomas Beyerle, Group Head of Research bei Catella, fest. „Dies mag im Lehrbuch der BWL zwar als richtig gelten, bis diese Stufe der Transzendenz aber erreicht wird, durchlaufen Immobilienunternehmen mehrere Phasen im Wettbewerb.“ Zunächst einmal passiere nichts, da noch immer eine latente Angst vorherrsche, Daten grundsätzlich zur Verfügung zu stellen und diese wirklich zu nutzen.

„Danach werden einige mit innovativen Modellen und Bildern nach vorne preschen und die maßgebliche Transparenz für sich in der Beratung in Anspruch nehmen“, so Beyerle. Das sei gut, habe aber nichts mit dem Mehrwert von Big Data zu tun: Nur diejenigen Unternehmen der Branche, welche aus dem Ozean an Daten die entsprechenden Algorithmen entwickelten und Datenzusammenhänge darstellen könnten, fänden beim Kunden Beachtung. Ein Mehr an Transparenz sorge zudem nicht per se für stabilere Märkte und sichere Investitionen. „Vor diesem Hintergrund wird das Thema operativ erst wirklich relevant, wenn sich der erste Data Analyst in der Branche blicken lässt – vorher nicht“, so seine Einschätzung.

Dieser Text erscheint im Fachmagazin "Immobilienwirtschaft", Ausgabe 03/2016.

Schlagworte zum Thema:  Big Data, Immobilienwirtschaft, Immobiliendienstleister

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